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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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43
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B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 4. Klagelied, Totenklage. § 12. 43

moereor (Graft 2, 860). Ähnlich ist kam sowohl die innere Trauer als dasnach außen gesandte Wehklagen: got. kam Sorge, mik kam ist es kümmertmich, es liegt mir daran; ags. ceam Sorge, Kummer, verb. cearian (Grein 1,158; Bosworth-Toller S. 149a), cear-jealdor Kummerlied; im Ahd. überwiegtdie Bedeutung von kara = Wehklage, lamenta, verb. karön lugere, plangere.Das Wort ist noch erhalten in Karfreitag, Tag der Klage um den Tod Jesu,mundartlich einfach auch kartag in den Sette communi, 'Tag an welchemein Verstorbener unter Klaggeschrei beerdigt und dann das Leichenmahl ge-halten wird'; übertragen 'Karwoche'. 1 ) Nur im Ahd., aber sonst in keineranderen germanischen Sprache vorhanden ist klaga Wehgeschrei, als Über-setzung zu luctus, queritnonia, querela, lamentatio, planctus, Ausdruck desSchmerzes, verb. klagön (Graft 4, 548553).

Angelsächsische Namen für das Klagelied sind: berjelsleott, byrjenleoct,byrijleoct, füsleott, jryreleoct, hearmleoct, licleoct, sorhleoct, wöpleoct, berjel-satij, byrjensanj, licsanj; licleoct und byrjenleoct dienen zur Übersetzungvon epicedion, epitaphion, Wright-Wülcker Voc. 1, 394, 43. 395, 1, desgleichenlicleoct, byrijleoct ebda 490, 1821: funebre heofendlice (= heofelice, zuheofian weinen, klagen) epicedion licleoct et epitaphion byrijleoct utrumqueest Carmen super tumulam; särijne sanj Beow. 2447; trenos sarlic sanjWright-Wülcker 1,129,20; sarlic blis ebda 198,21. Althochdeutsche bezw.mittelhochdeutsche Bezeichnungen sind: klageliet (erst mhd.); chareleich:funera coniugis coegerat flebilibus modis sinero chenün död chlägonde mitchäreleichen Notkers Boeth. IV, 122, Piper 1, 222,25 ff.; wainlaich im Hohen-burger Hohen Lied (Jos. Haupt) 106,10 und in weinleiches ahhizöt in demGedicht von Himmel und Hölle, MSD. Nr. 30, 145; jämerleich Mhd. Wb. 1,960; mestos modos chärasäng Notkers Boeth. I, 1, Piper 1,7, 5 f.; neniamkhlagasanc Gl. 4, 81,18; neniq laitsanc 3,282,11; mhd. auch jämersanc Mhd.Wb. 2,2,304. Endlich ist hinzuweisen auf Diefenbachs Gloss. 378 b: neniagesang das man thut vber die toten, dottengesang, seien leich, vgl. auchDiefenbach Nov. Gloss. 263 a nena lychlied, nomiari den totten syngen.

Das Althochdeutsche und Altsächsische besitzen einen speziellen Aus-druck für Leichengesänge, das ist sisu.*) Nur in Glossen überliefert be-gegnet das Wort als Übersetzung von lat. nenia: nenias . i . funebriacarmina . i. siesun Gl. 2, 559, 37 (zu Prudentius, 11. Jahrh.); hiberas neniasspaniskivgiposi vel lotarspraha, spanisciugiposi siswva 1, 304, 12; neniassisua vel böse 1, 310, 40 (12. Jahrh., die beiden letzten Glossen stammenaus der Praefatio S. Hieronymi in Pentateuchum Moysi, ad Desiderium,10., IL, 12. Jahrh.). Die zwiefache Übersetzung mit giposi Possen (ibe-

*) Schmeller-Frommann 1,1276; J. A. i J ) Graff6, 281; Müllenhoff, De antiq.

Schmeller, Cimbrisches Wörterbuch, Wiener ' poesi chor. S. 2531; J. Grimm, Mythol.

SB. 15 (1855), 1652?4 und Sonderabdruck, S. 1027; J.Grimm, Gesch. d. deutschen Sprache

hrsg.vonJos.Bergmann,S.134a;HiLDEBRAND, S. 235; KöGEL, LG. 1, 5155, Grundr. 2 S. 40

DWb. unter Karfreitag 5,212 und unter Kar- bis 43; Graber, Das Wort dadsisas, Z. f. d.

jammer 5, 217. | Österreich. Gymnasien 1912, 493503.