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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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I. Die vorliterarische Zeit.

Von den alten Gebräuchen haben sich manche im Volke noch bisheute erhalten. 1 ) Beim Eintritt des Todes wird laute Wehklage erhoben;der Tod wird 'angesagt' den Haustieren und dem Gesinde mit einem her-kömmlichen Spruch; bei der Leichenwache werden Scherze gemacht, Ge-schichten erzählt oder auch Gebete gemurmelt; wenn der Sargdeckel auf-gelegt wird, dann erschallen die Klagen der Hinterbliebenen, der Witwe,der Söhne, der Töchter,improvisierte, freie rhythmische Trauergesänge",mit einem feststehenden Schlußvers; endlich hat die Klage statt bei derBeerdigung selbst. Gleich nach der Beerdigung wird der Leichenschmausgehalten und später folgt mancherorts das Erinnerungsmahl an den regel-mäßigen Tagen.

Die germanischen Bezeichnungen für klagen und das Trauerliedsind got. gaunön nev&elv Luc. 6,25, d-Qtjveiv Luc. 7, 32. Joh. 16, 20, gaunöpusödvQp,6? IL Kor. 7, 7, vgl. dazu Procop, De bello Gothico II, 2 röt&cov deliofjvot Tg TioXXoi xal xcoxvroi (= ululatus) fxeyäloi ex xcöv "/agaxco/j.a.TOJV yxovovro.Got. gretan weinen, klagen, an. grata, subst. grätr m.; ags. srcetan sritanoreotan, as. grätan griotan, mhd. gräzen. Ags. 5/iorn önyrn luctus, moeror,moestitia, verb. snornian und die dazu gehörigen Wörter (Bosworth-TollerS. 482ab). Ags. wöp lamentatio, ploratus, planctus, fletus, verb. wepan; got.wöpjan rufen; as. wöp Jammerruf, laute Klage, wöpian jammern, wehklagen;ahd. wuof, wuoft m. luctus, fletus, ploratus, planctus, gemitus, wuofen flere,deflere, plorare, plangere, lacrimari, ululare (Graff 1,780783). Mehr nur dasGefühl der Trauer, die innere Stimmung, als die Äußerung durch Klage liegtin ags. 5e6mor (nur Adjektiv) tristis, miser, querulus, verb. öeömrian, in derZusammensetzung jeömorjid liegt der Sinn von Klagespruch, lugubris cantus,nenia, lamentatio; as. jämar (ebenfalls nur Adjektiv) traurig, leidvoll; ahd.jätnar adj. traurig, subst. das Traurige. In ags. murnan meornan lugere, solli-citum esse, liegt mehr der Begriff der Sorge, des Bekümmertseins, doch be-murnan bemeornan betrauern (Grein 1, 89.117; Bosworth-Toller S. 82b. 83a;bes. Beowulf 1075); got. maurnan /xeQiiiväv nvi für einen sorgen; as. mornianmornon, bimornian sich kümmern, sorgen für; ahd. morna moeror, mornen

in funebrem pompam Heinrici II. imperatorisin der Cambridger Liederhandschrift, Z. f. d. A.14, 458461; mhd. Beispiele sind: die KlageTurnus' über die Kamille, Veldekes Eneide(Behaghel) 932353; die kurzen Sprüche Sper-vogels, MSF. 25,2026,12; Reinmars Witwen-klage auf den Tod des Herzogs Leopold VI.von Österreich (f 1194), MSF. 167, 31 ff.; dieGrabschrift Qahmurets, Parz. 108,328; dieKlage auf Graf Wernher von Hohenberg,Bartsch, Schweizer Minnesänger S. CLXXVICLXXXI; Klage auf Sangesgenossen: Walthersv. d. Vogelweide zwei Sprüche auf ReinmarsTod, Lachm. 82,24 und 83,1; Singenbergs Klageauf Walther, Lachmanns Walther 108,6. Fastin allen umfangreicheren mhd. Epos kommen

Totenklagen vor.

') Aus der umfangreichen Literatur seiennur einige Werke verzeichnet: E. H. Meyer,D. Volkskunde S. 271275, Germ. Mythol.S. 7175; E. L. Rochholz, Deutscher Glaubeund Brauch im Spiegel der heidnischen Vor-zeit, Berlin 1867, 1, 203206; Schweiz.Idiotikon unter Folg, 1, 810 und Gräbt 2,698; Ad. Hauffen, Die deutsche SprachinselGottschee, Graz 1895, S. 88; J. K. Schuller,Volkstümlicher Glaube und Brauch bei Todund Begräbniß im Siebenbürger Sachsenlande,Progr. Schäßburg 1865, II, 27 ff.; K. J.Schröer,Versuch einer Darstellung der deutschenMund-arten des ungrischen Berglandes, Wiener SB.44 (1863), 253436 und Sonderabdruck.