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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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I. Die vorliterarische Zeit.

leglo ad sepulchra mortuomm, Entweihung der Religion an den Gräbern,und De sacrilegio super defunctos id est dadsisas (s. unten S. 43), Ent-weihung durch Totenlieder.

Bezeugt sind auch Erinnerungsfeiern in bestimmten Zeiten, und zwaran den kirchlichen Gedächtnistagen, dem dritten, siebenten und dreißigstenund dem Jährungstag. 1 ) Das sind dann die üblichen, ausgelassenen gesell-schaftlichen Lustbarkeiten mit Trinken, Lärmen, Lachen, Geschichten erzählenoder singend vortragen {bibere, plausus et risus, fabulas inanes referreaut cantare). Gegen zwei Gebräuche im heidnischen Leichenritus sind dieseVerbote gerichtet: erstens gegen das Liedersingen, Scherzen, Lachen, Tanzenund Trinken bei der Leichenwache (laici, qui excubias funerls observant;qui supra mortuum nocturnis horis . . . cantaret; si allbi mortui in vigiliisnocturnis custodiantuf) und dann (in der Verordnung bei Bened. Lev.) gegendas Geheul beim Begräbnis und dem Essen und Trinken auf den Gräbern.

Es sind im germanischen vornehmen Totenrituell verschiedene Artenvon Klagen zu scheiden, einmal der von einem Skop für einen bestimmtenFall künstlerisch in poetischer Form abgefaßte, von auserlesenen Personenvorgetragene Klage- und Preisgesang; dann die in herkömmlichen Formelngehaltenen, aber doch dem Augenblick entsprungenen Klagen der Leid-tragenden; ferner die bei der Totenwache und den Leichenmahlen gesungenenGesellschaftslieder, und endlich bloße Klage- und Wehrufe {ululatus). 2 )

Außerhalb der Totenfeier fällt die Totenbeschwörung 3 ) durch Helli-runen (Graff 2, 525): ahd. necromantia helliruna Gl. 2, 15, 20; nicromantiadot dohotrunu vel helliruna 2, 19, 12 (beide Glossen sind entnommen ausAldhelms De laudibus virginum); necromantia hellirun 4,81,11 (Gl. Salomon.aiphabet.); nicromantia sela f hello kihalota, nicromantia quotiens animaab inferis reuocata 4,8,26 (Gl. Je, aiphabet.). Hellirunen 4 ) sind Unter-weltsrunen (das erste Glied ist got. halja a<5???; an. Hei die Todesgöttin, Ortder Toten = Unterwelt, Tod; ags. hei helle, ahd. hella Unterwelt, Hölle), Toten-runen, Totenbeschwörungen, die am Grabe oder an der Leiche geheimnisvollgeraunt wurden, um denToten zu erwecken und ihn um dieZukunft zu befragen. 5 )

In dem altnordischen Svipdagsmöl (Grögaldr) erweckt Svipdag seineMutter, die Zauberin Gröa, aus dem Totenhügel und sie gibt ihm kräftige

x ) Siehe das Zitat aus Regino von Prüm(f 915) aus Wasserschiebens Ausgabe beiKögel, LG. 1,55.

2 ) Zu ululatus s. Müllenhoff, De antiq.poesi chor. S. 14, DAK. 4, 203205.

3 ) J. Grimm, Mythol. S. 10251029 u.Nachtr. S.365368; E.H.Meyer, Germ. My-thologie S. 74 f.; derselbe, Mythol. der Ger-manen S. 124.307; Kögel, LG. 1,52. Unter denZauberliedern der Frauen zählt Hans Vintlerin seinen Pluemen der Tugent auch auf, daßsie die Toten aufstehen heißen (Zingerle v. 7927bis 31, s. auch J. Grimm, Mythol., Nachtr. S. 425v.20812) und, wenn sie eineLeiche sehen, so

raunen si dem totten zue und sprechen:nuchum morgen frue und sag mir, wie es dirdort geel" (Zingerle v. 795660, J. Grimmv. 23741).

4 ) Zuerst begegnet das Wort in Jordanes'Gotengesch.Kap.24, fürZauberweiber: magasmulieres, quas patrio sermone Haliurunnasis ipse cognominat, d. i. got. *haljarüna,Mommsen, Jordanes, Mon. Germ. Auct. ant.V, 1 S. 89 und dazu Müllenhoff im RegisterS. 150; derselbe, Zur Runenlehre S. 44 ff.;Golther, Mythol. S. 643. 645.

5 ) Vgl. die Nexvia des 11. Buchs derOdyssee.