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I. Die vorliterarische Zeit.
errichtet, daran werden Helme, Schilde und Panzer gehängt (das ist diestrawa). Das Feuer wird entfacht, aufsteigt der Qualm, begleitet von demKlagegeschrei (wöpe bewunden) der Männer. Die Lohe verzehrt die sterb-liche Hülle des Helden, trauernd im Herzen beklagen wiederum die Kriegerden Tod des Fürsten. Auch die Witwe erhebt das Klagelied (jeömorjyd). 1 )Dann, nach zehn Tagen, ist der Hügel am Strand, weithin sichtbar denWogenfahrern, errichtet, der die Asche zusamt Rüstungen und Goldschatzumschließt. Nun nochmals eine Feier. Zwölf Edelinge umreiten den Hügelund singen das leidvolle Lied von dem Toten mit dem Preis seiner Tatenund Tugenden. So klagend ehrten die Gautenmänner (swä bexnornodonZeata le'ode) den Hingang ihres Herren, rühmten ihn, daß er sei ein überdie Welt hin ruhmvoller König, der freigebigste und gnädigste den Männern,dem Volke der mildeste und sehr nach Ehre verlangend. ■— Der Witwe alsÜberlebenden fällt die Totenklage zu in der Finnepisode des Beowulfliedes1114—1124: Hildburg bejammert ihr Elend am Scheiterhaufen der gefallenenAngehörigen, des Sohnes und des Bruders (ides ^nornode, leömorode ^iddum;s. auch 1076—1080).
Ausgedehnt also ist die königliche Bestattung Beowulfs beschrieben, dieaus mehreren einzelnen Akten besteht. Die Klage der Krieger wird erhoben,während die Flamme auflodert und dann nachdem der Leib verbrannt ist.Darauf folgt die Klage der Witwe, und nach zehn Tagen, beim Hügelrittsingen die Edelinge das Preislied des toten Helden. Während die Kriegeram Scheiterhaufen wohl mehr unartikulierte Wehschreie oder kurze typischeKlagerufe ausschreien und ebenso die Witwe ihren Schmerz in sittegemäßenFormeln ausdrückt, ist das Preislied ein Kunstgedicht, von einem Skopoffiziell für die Feier verfaßt, formelhaft in allgemeinen Wendungen gehalten,in dem die Taten des Verstorbenen nicht ausführlich erzählt, sondern nurangedeutet werden.
Das sind solenne, fürstliche Totenfeiern. Einfach und ohne fest-lichen Prunk ist das Leid der Mutter um den toten Sohn ausgesprochenim altsächsischen Heliand 2180 ff. (der Jüngling zu Nain): Thiu mdderaftar geng an iro hugl hriuuig endi handun slög, carode endi cümdeiro klndes döct, idis armscapan, traurigen Herzens folgte die Mutter derBahre ihres Sohnes, sie rang die Hände und erhob den Klaggesang überden Tod ihres Kindes. Aber Christus tröstet sie, het that thiu, uuidouuauuöp farleti, cara aftar themu klnde . . . .; „ne tharft thu ferah caronbarnes thines." Ferner die tröstenden Juden bei Lazarus: that sie so nikarodin kindiungas döä 4018; die Klage der bethlehemitischen Mütter umdie ermordeten Kinder: Thia mbdar uuiopun kindiungaro qualm. Carauuas an Bethleem, hofno hlüdost 744—746; die um Jesu Tod klagenden
J ) Der Inhalt der Frauenklage ist die Sorgeum die Zukunft, v. 3153—3155; ganz ähnlichin dem westfälischen Vers beim Tod des Haus-
wirts: Imme, Imme, din Heer is dood, Nubliw bi mi in mine Nood! E. H. Meyer, D.Volkskunde S. 269.