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I. Die vorliterarische Zeit.
zu denken, die in einer Reihe, zlla (Zeile), im Kreise um den Altar herumstehend- oder sitzend singen (Du Cange-Favre 1,360a; Kelle, Wiener SB. 161S. 3 f.).
Mit dem kirchlichen Gesang ist dann eine große Zahl von neuenFormeln aufgekommen, die den lateinischen, zum Teil bald wieder auf-gegebenen, Namen führten wie chör, salm, imno (Hymnus), cantico, metar(Metra des Boethius, Versmaß, Vers, dazu metersanges musicl carminis),prösa, vers, versiclin.
Für den geistlichen Hymnus führte die Klostersprache endlich nochein Fremdwort ein: nlumo modulatio, canticum, sonor, verb. niumöti jubi-lare, psallere, welche Notker mehrfach gebraucht (Graff 2,1089 f.). Niumoist der wortlose Jubelsang, wo die leidenschaftliche Freude sich nur inTönen äußern kann, aber auch der begeisterte Psalmgesang zum PreiseGottes. 1 ) Gleichbedeutend damit ist juwen jubilare, jwwezunge jubllatio(Graff 1, 578 f.), abgeleitet von dem Freudeausruf ja, wie von jach das nhd.jauchzen.
§ 12. 4. Klagelied, Totenklage.
Kelle, LG. 1, 3.19 f. 37. 68 f. 71. 291. 295 f. 301. 323 f.; Kögel, LG. 1,47—55, Grundr. 2S. 40—43; Piper, Spielmannsdichtung 1,40.44; MOllenhoff, De antiq. poesi chor. S.25—31;Böckel, Psychologie der Volksdichtung 2 S. 100—103; J.Grimm, Über das Verbrennen derLeichen, Kl. Schr.2,211—313; K. Weinhold, Die heidnische.Todtenbestattung in Deutschland,Wiener SB. 29 (1858), 117—204. 30 (1859), 171— 226; E.K.Blümml, Germanische Todtenliedermit besonderer Berücksichtigung Tirols, Archiv f. Anthropologie 33 (1906), 149—181; C. Kraus,Z. f. d. Österreich. Gymnasien 47 (1896), 309; Wolf v. Unwerth, Untersuchungen über Toten-kult und OctinnVerehrung bei Nordgermanen und Lappen mit Excursen zur altnordischenLiteraturgeschichte, Breslau 1911; Franz Kondziella, Volkstümliche Sitten und Bräuche immhd. Volksepos, in: Wort und Brauch, hrsg. von Th. Siebs und M. Hippe, Breslau 1912,S. 129—149; s. unten §13.
Eine besondere Dichtgattung in der germanischen Poesie bilden dieKlagelieder, unter denen besonders die Totenklagen begriffen sind.Kultus und Sitte geboten die Klage um den Dahingeschiedenen als einennotwendigen Bestandteil der Totenfeier. Diese Sitte ist bei vielen primi-tiven Völkern verbreitet, hat sich aber auch in höher entwickelte Kultur-zustände hinein erhalten. Sie bestand bei den Juden (Jerem. 9, 17), beiden Indern, den Griechen (Klage um Hektar, II. 22, 477—515. 24, 703—776),den Römern, und besteht noch jetzt in zurückgelegenen Gegenden Frank-reichs, Italiens, Rußlands und der Südslaven. So auch bei den Germanen.In Deutschland selbst zwar ist dieser Brauch ausgestorben, er findet sichaber noch bei den Deutschen in Gottschee (Krain), Siebenbürgen und Nord-ungarn und in den Sette Communi.
■) Eine Erklärung der Jubilatio gebendie Windberger Psalmen (Graff S. 444): lu-bilum et iubilatio, daz ir diche uindet in demesaltare, daz chiut rehte in diutisken iu undeiuwe zunge; daz ist so der menniske so frowirdit, daz er uore froude neweiz, waz er in
al gahen sprechen oder singen mege undeheuet ime ein sänge ane wort, so ir ofteuernomen habet uon den gebaren iouh uoneden chindelinen, die dennoh dere worte ge-biliden ne weder ne magen noh ne chunnen.