Druckschrift 
Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
Seite
33
Einzelbild herunterladen
 

B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 2. Leich. § 10. 33

einem Instrument, Saitenspiel, Harfe, Fiedel, gespieltes Tonstück, entweder mitoder ohne Gesang bezw. Text: König Rother (Rückert) 167177. 250729;Nibelungenlied (Lachmann) 1939,1. 1944,3; Gotfrids v. Straßburg Tristan3508.361234 (daselbst leichnoteltn 3624, Noten des Leichs); Krone 22085 f.;Rudolfs v. Ems Weltchronik 23887935 (Ahd. Texte Bd. 20); Konradsv. Würzburg Trojanerkrieg 545067; Albrechts v. Halberstadt Ovid bei JörgWickram, Z. f. d. A. 8, 414 (daselbst leichcere Leichspieler).

Eine mittelhochdeutsche Zusammensetzung mit leich ist, außer denoben angeführten htleich und brätleich, noch albleich, 1 ) Elfenleich: untvidelten alle den albleich, v. d. Hagen, Gesamtabenteuer 3,123,473.

Leich ist also der ursprüngliche germanische Name für den Tanz. DasWort 'Tanz' (DWb. 11,117 ff.) begegnet erst gegen das Ende des zwölftenJahrhunderts und ist romanischen Ursprungs, zusammengehörig mit ital.danza, verb. danzare, frz. danse, verb. danser, welche Wortgruppe wiederaus dem Germanischen stammt und in ahd. dansön ziehen, got. pinsan, ahd.dinsan, mhd. dinsen ziehen vertreten ist. Etwas früher als das Subst. tanzbelegt ist das Nomen actoris coraula tanzari Gl. 3,140,25, tanzmaister 4,214, 27 und symphoniacus denzere 3,383,3. Coraula, griech. xogavltjs, ist derChorpfeifer, der zum Tanz die Flöte bläst, Symphoniacus der die Symphonia,ein Saitenspiel, schlägt, wie Ruodlieb (harpa . . . in qua . . meus heros sim-phoniauit Ruodlieb, Seiler IX, 30 f.). Also beide Male ist nicht sowohl dieTanzbewegung selbst als vielmehr die musikalische Begleitung angedeutet.Jedenfalls erhellt aus der romanischen Abstammung des Wortes tanz, daßhier an Stelle des nationalen Leiches eine fremde Tanzart getreten ist, beider auch die Instrumentalbegleitung eine andere war.

Der germanische Leich lebt in mittelhochdeutscher Zeit weiter im Reien.Das Substantiv der reie ist im Althochdeutschen nicht belegt, aber das Verbumkommt vor in der Glosse precinebat fora sanc reh Gl. 1,287,34, wo forasancein Wort bildet (vgl. precentor vorsängere Gl. 3,133, 39) und reh die 3. Pers.Sing. Prät. Ind. vom Verbum rihan ist (vgl. Kögel, Grundr. 2 2 S. 37). Rthanbedeutet 'eine Reihe bilden', 'einreihen' (vgl. in derselben Glossensammlung:inducis inleitis inrihis 1,281,55). Die Glosse bezieht sich auf Exodus 15, 21:Mirjam sang den Weibern vor, die ihr mit Pauken folgten.

Da die deutsche Tanzart wesentlich von der der andern Völker ver-schieden war, so gebraucht schon Ulfilas für das fremde oQxsladai auch einFremdwort, plinsjan, ein slavisches Lehnwort (Matth. 11,17== Luc. 7,32, fernerMarc. 6, 22). Das Althochdeutsche hat statt dessen das Fremdwort salzönaus dem Lateinischen, aus saltare, entlehnt, und zwar schon vor der Laut-verschiebung, da t zu z verschoben ist: salzön Tat. 64,12 (= Matth. 11,17),gisalzön ebda 79,5 (= Marc. 6, 22); ebenso hat das Angelsächsische das verb.

») J. Grimm, Mythologie S. 389.756; Sim- i S.127f.; Panzer, Hilde-Gudrun S.227ff. 301 f.

rock, Mythologie S.447; E.H.Meyer, Germ. I s. unten S. 65); Kögel, LG. 1,10.

Mythologie S. 122.131; Golther, Mythologie |

Deutsche Literaturgeschichte. I. 3