Druckschrift 
Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
Seite
32
Einzelbild herunterladen
 

32 I- Die vorliterarische Zeit.

bari steht Nlone . vt ferunt harafleiche . f. (d. i. francisce), Nlone ist =nenia, hier in der Bedeutung Possen, nuga (vgl. außer den latein. Wörterb.auch Du Cange-Favre 5,586 c); die Auslegung von harafleich als Possenliedberuht auf der Verachtung, die die Geistlichen für volkstümliche Dichtungenhatten. In der Verbindung mit haraf ist unmittelbar das Wesen des Leichsals eines Tonstückes ausgesprochen (an. leika hprpu). 1 )

Ebenfalls die Bestimmung zum Gesang drücken aus die ahd. Kompositasancleich (Graff 2,154), in sancleichen (in) canücis Notkers Ps. 76,18, seitscalsänghleichis psalmus cantici ebda 67,1, lobsanc leichis laudem cantici ebda90,1, äne da; sängleich dero gezelio nisi choros castrorum Williram 110,1 f.(hier jedoch Tanz mit Gesang, nicht bloß musikalischer Vortrag), dasselbeim Hohenburger Hohenlied (Jos. Haupt) 106,10.

Die chorische Totenklage wird in Zusammensetzung mit -leich bezeichnetdurch karaleich, wainlaich (s. unten S. 43).

Mit chlafleich drückt Notker das Dröhnen des Donners aus: der chläf-leih heilet töner Marc. Cap. II, 15, Piper 1,796,16; die dumpfen Schläge desTamburins sind gemeint ebda 1, 34, Piper 1,743,24; mitprüteliehen chläfleichenbombis terrentibus; also ein Klang ohne Worte.

In den Zusammensetzungen scinleich und rangleich ist der Sinn vonTonspiel nicht enthalten. Scinleih bedeutet Zauber, vgl. monstrum zauparvel scinleih Gl. 1,212,11, monstrum skinleichi 2, 316,42, zu ahd. sein Schein,giskin fantasma (Tatian 81,2), ferner imitatio uelgrima seyna 4,335, 2 (4,399,38). 2,341,4. 2 ) Ags. scinläc trügerisches Phantom, Zauber, Aberglaube, Wright-Wülcker Voc: fantasia i. imaginatio, admiratio, delasio mentis, reuelatio,multitudo, fantasma scinlac 1,236,8; monstra scinlac 444,18; nebulonisscinlcecan (Zauberer) 34,9; falsi nebulo pees leasan scinlaecan 235,8; magiscinlcecan 450,16, nebulis scinlaecan 454,1. 494, 35; s. ferner sein und Zu-sammensetzungen bei Bosworth-Toller S. 832834. Sein also ist 'Schein,Phantom', leich hat die Bedeutung von Spiel, das man mit einem treibt, wiegot. bilaikan verlocken, an. leika einem einen Streich spielen, betrügen, ags.forläcan betrügen, mhd. leichen sein Spiel mit einem treiben, betrügen, mund-artlich s. Schmeller-Frommann 1,1418 f.; Schweiz. Idiotikon 3,10091013. Inrangleich ist leich Kampfspiel (mhd. rangen schw. verb. = ringen, luctari,subst. rangunge palaestra, lucta, DWb. 8,96 f.; Mhd. Wb. 2,1,715; Lexer2,341):näh temo salbe des rängleiches post unetionem palestricam Notkers Marc.Cap. II, 2, Piper 1,772,5.

Im Mittelhochdeutschen ist der Leich eine besondere Gattung derLyrik, bei der die musikalische Komposition einen großen Teil der Wirkungträgt (s. Bd. II). Auch die Belege in den mittelhochdeutschen Epen lassendas Vorherrschen des melodischen Elementes erkennen. Der Leich ist ein auf

l ) Ein harafleich war auch das Klagelied, I sang, s. unten S. 64.das der Vandalenkönig Gelimer auf sein Elend | 2 ) Schönbach, Wiener SB. 142 (1900), 79.