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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 2. Leich. § 10. 31

wend- und Neujahrsfeste in der Zeit des Heidentums mit Volksumzügen, Ge-sang und Tanz gefeiert worden. Tanz und Gesang begleiteten auch dieHochzeitsfeier, 1 ) daher das ahd. hlleih m., htlelhl (f. od. n.?), 2 ) gihilelh m.(hi-lelch eine Bildung wie ht-rät Heirat, deren erstes Glied in got. heiwa-fraujaHausherr, ahd. hvwo Gatte, htwa Gattin, hiwiskl Familie enthalten ist), dasaber, ebenso wie mhd. hileich m., in den häufigen Belegstellen (Graff 2,153 f.)schon die Hochzeit im allgemeinen bedeutet, = conjugium, connubium, ma-trimonium, nuptiae, copula, foedus, thorus, thalamus, also mit demselbenBedeutungswandel wie gr. vjusvaiog Hochzeitsgesang und Hochzeit. Dasselbeist der Fall bei dem nur einmal belegten hymeneos leichod Gl. 2, 636, 46(Tegernseer Virgilglossen, 11. Jahrh., zu Virgils Georgica III, 60).

Brautgesang und Tanz bei den Franken 3 ) erwähnt schon Sidonius Apol-linaris (430487): Fors rlpae colle propinquo Barbaricus resonabat hymenscythicisque choreis nabebat flavo slmills nova nupta marlto (Carm. 5,218,Mon. Germ. Auct. antiq. VIII).

Mhd. brütleich Brautempfang mit Gesang, wie brautet und brütesang,begegnet in der Tochter Syon Lamprechts von Regensburg (Weinhold) 3210bis 13 mit stierem minnesange, (da- h sint epithalamica) mit den brütleichenwart sie da in da^ palas gecondwieret; *) verb. brütleichen sich vermählen.

'Leich' kann aber auch auf das musikalische Spiel allein angewendetwerden, und an den althochdeutschen Stellen (Graff 2,153) ist leich meistensnicht mehr Tanz oder Tanzlied, sondern nur Melodie, = modus, modulus,also nur in bezug auf das musikalische Spiel an sich ohne Rücksicht auf denunterlegten Text gebraucht, gleichbedeutend mit ahd. wisa, mhd. wise Lied-weise, so wie lat. modus sowohl allgemein 'Art und Weise', als auch spezielldie'Weise eines Liedes' bezeichnen kann: modos leichi Gl. 2,54,14, modileichi 2, 61, 48 (beide Glossen aus Boethius De consolatione Philosophiae);modulis leichon 2, 486,56, modulis leih leihchin 2, 558, 47, modulis leichin2,576,9 (diese drei aus Prudentius); as. Prudentiusglossen sonantibus mo-dulis leichin (Wadstein 90 a); modos leiha Gl. 2, 36,7 (aus Ara'tor); leichemodi Notk. Boeth., Piper 1,223, 4.8. Mit Beziehung auf Textworte steht leichnur in der Glosse uersibus leichen 2, 27,7 (Arator) und besonders in deroben S. 15 zitierten Stelle aus Notkers Marc. Cap. II, 24. 5 ) Bloße Töne, Sprach-klänge (lautliche Erinnerungsbilder) sind leicha in Notkers Boeth.: alle natür-liche leicha ünde alle rdrtä habet tiu sela in Iro Piper 1,341,26 ff.

Zusammensetzungen mit leich deuten größtenteils auf das musikalischeElement hin. harafleich: in der Anmerkung zu Gl. 1, 682,17 ridiculi huoch-

') Müllenhoff, De antiq. poesi chor.S. 23-25; Kögel, LG. 1,44-46, Grundr. 2 S. 39 f.

2 ) hileihi ist nur einmal sicher belegt,Gl. 1,494, 26 (Glossar Ja, 9. Jahrh.); hileichimatrimonio Gl. 1,807,46 ist Dat. Si. und das ikann = schwachem e sein, da die Hs., Clm

antiq. poesi chor. S. 23 Anm.; Kögel, LG. 1,45,Grundr. 2 S. 39 f.; Weinhold, Deutsche Frauen1,408 ff.

4 ) Siehe auch Lachmann, Kl. Sehr. S.329;Müllenhoff, De antiq. poesi chor. S. 24.

5 ) Lied und Leich sind hier kirchliche

14689, i oft für schw. e gebraucht. j Gesänge und sind unterschieden wie Hymnus

3 ) Bei den Friesen, s. Müllenhoff, De | und Sequenz.