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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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I. Die vorliterarische Zeit.

ländische Christentum gegeben waren und, wenn auch mit etwas verändertemText, immer wiederholt wurden. Sie können darum nicht als unmittelbareZeugen für deutsche Sitten gelten. Immerhin ist an einem deutschen Tanz-lied in vorliterarischer Zeit nicht zu zweifeln, und da alle heidnischen Ver-gnügungen der Geistlichkeit ein Greuel waren, so konnten solche Verboteauch auf deutsche Verhältnisse passen, wie besonders folgende, die gegenheidnisch geltende Tänze, Gesänge, Scherze und Spiele gerichtet waren: 1 )Nullus Christianus neque ad ecclesiam neque in domibus neque in triuiis neein mülo loco ballationes, cantationis, iocus et lasa diabolica facire nonpresumat, und: Ballationis et saltationis uel cantica turpia etluxuriosa uelut sagitta diabolica fugite nee ad ipsas ecclesias nee indomibus uestris nee in plateis nee in ullo alio loco facire non presumatis,quia hoc de paganorum consuetutine remansit (Caspari, KirchenhistorischeAnecdota (1883) S. 176.188; Benedictus Levita VI, 96, Mon. Germ. Script. IV, 2).Die feierlichen Umzüge, 2 ) die an Festen der Götter oder zu Be-segnungen des Wachstums der Erde, manchmal unter Vortragung einesGötterbildes (vgl. oben S. 8), von dem Volke veranstaltet wurden, konntenvon der Kirche nicht ausgerottet werden, wenn auch die heidnische Be-deutung mehr und mehr in Vergessenheit geriet. Noch heute haben sichsolche Gebräuche erhalten, besonders der zu Beginn des Frühlings gefeierte,den Sieg des Sommers über den Winter darstellende 'Sommertag', an demein festlicher Zug von Kindern mit farbigen Stäben unter Absingung eineskleinen Liedes durch die Straßen sich bewegt. Aber solche Umzüge be-standen nicht nur bei den Germanen, sondern auch bei andern Völkern,z. B. in Italien, in Rom. 3 ) Die Kirche hat diese heidnische Sitte, wie so mancheandere, in ihren Dienst gestellt und ins Christliche umgewandelt, indem schonseit dem vierten Jahrhundert an ihre Stelle die Bittgänge, Prozessionen,Litaneien gesetzt wurden. Die Verdrängung des christlichen Elementes durchdas heidnische zeigt ein Kanon der Statuta Salisburgensia (um 800): Utomnis populus honorifice cum omnis supplicationis devotione humiliter etcum reverentia absque praetiosarum vestium ornatu vel etiam inlecebrosocantico et lusa saeculari cum laetaniis procedant et discant Kyrieleysonclamare ut non tarn rustice ut nunc usque sed melius discant (Boretius,Cap. 1 S. 229 Nr. 34). Ein sicheres Beispiel für diesen Gebrauch in Deutschlandist das Verbot im Indiculus superstitionum, das also gegen das Heidentumder Sachsen gerichtet ist (Wadstein, Kl. as. Sprachdenkmäler S. 66): De si-mulacro quod per campos portantA) Aber gewiß sind die Frühlings-, Sonn-

J ) Kögel, LG. 1,24 27, Grundr. 2 S.47f.;Kelle, LG. 1,4749.69.307309.325 f.; der-selbe, Chori saecularium, Cantica puellarum(s. oben); Gröbers Grundr. 2, 1, 444446;Voretzsch, Einführung 2 S. 7376. Eineinzelnes Beispiel eines solchen schandbarenTanzes: Edw. Schröder, Die Tänzer vonKölbigk, Z. f. Kirchengeschichte 17,94164,

s. unten.

2 ) Müllenhoff, De antiq. poesi chor.S.20 22;Kögel,LG.1,27 30,Grundr. 2 S.48.

3 ) Albr. Dieterich, Sommertag, Z. f. Re-ligionswissensch. 8, Beiheft.

4 ) Und wohl auch der Artikel 'De sulciscirca uillas', wo sulcus soviel als Flurgangbedeuten wird.