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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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29
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B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 2. Leich. § 10. 29

Sinn, den -leich in den einzelnen Fällen hat, nicht geschlossen werden.Immerhin lassen sich Gruppen bilden. Unter den bei Förstemann verzeichnetenFällen kann -leich im Wortzusammenhang die Bedeutung Kampfspiel habenbei Gundleich, Haduleih, Hiltileih, Wigleich (gund-, hadu-, hilti-, wlg- =Kampf), Sigileich (sigi Sieg), Ekkileich (ekki Schwert- oder Lanzenspitze),Gerleich (ger Lanze, Speer), Scaftleich (scaft Speer); zur Bedeutung 'Opfer'paßt Gebaleich; zum Gesang Albleich, Winileich, Hugileich (hugi- Freude, ags.Hyjeläc), aber auch wiederum Wigleich, Sigileich, vgl. ags. wijleod, sijeleoct;in Folcleich, Theutleich, Herileich, die sich auf Volk und Heer beziehen,kann leich die Bedeutung von Kampfspiel oder von Gesang haben. Aberauf die Grundbedeutung von leich kann aus diesen Personennamen keinSchluß gezogen werden, vielmehr umgekehrt, erst aus den Belegen deseinfachen leich kann die Verwendung des Wortes in Personennamen beurteiltwerden.

Aus der Grundbedeutung laikan 'sich hin und herbewegen' ergibt sichdie von Tanz, Kampf und, da der Tanz von Gesang begleitet war, die vommusikalischen Spiel. Eine ähnliche Bedeutungsverschiebung hat dasnur im Deutschen vorkommende 'spielen' durchgemacht, 1 ) das ebenfallsvon dem ursprünglichen Sinn des sich rasch Bewegens auf den Tanz überging(vgl. Thiu thiorne spilode hrör aftar themu häse Hei. 2764 f.); und auf denKampf (an uuäpno spil Hei. 4686), ahd. stritspil (Graff 6, 330), spiles listiodo einuuigi (ebda); vom Kampfspiel besonders anschaulich im Ludwigs-lied 49 spilödun ther Vrankon; endlich auch auf das Spielen musikalischerInstrumente (ahd. seitspil). Insofern mit den Opfergebräuchen wohl cho-rische Aufführungen, Gesang und Tanz, verbunden waren, konnte dann ags.läc auch für Opfer und Gabe verwendet werden.

Aus dieser wortgeschichtlichen Entwicklung ergibt sich als Wesen desLeichs ein doppeltes: der Leich kann Tanz und musikalisches Spiel(musikalische Begleitung, sei es mit Gesang oder mit Instrumenten oder mitbeidem zusammen) begreifen und ist dann Bezeichnung für die chorischePoesie. In dieser Eigenschaft gehört er zu den sakralen Gebräuchen. Nurein Beleg ist uns allerdings dafür erhalten. Er betrifft den Opfergesangbei den Langobarden und findet sich in Gregors des Großen Dialogen III, 28(zum Jahr 579): 2 ) sie opferten dem Teufel das Haupt einer Ziege, wobei sie umdasselbe im Kreise herum liefen und gottlose Lieder sangen. 3 ) Auch die ags.Bedeutung von läc als Opfergabe deutet auf ursprünglichen Opfertanz hin.

Nachrichten über Tänze, besonders von Frauen, geben die in denKonzilsbeschlüssen, Kapitularien und Bußordnungen niedergelegten kirch-lichen Verbote. Aber diese gehörten zum traditionellen Bestand der Kirchen-verordnungen, die schon in früheren Jahrhunderten für das ganze abend-

') DWb. 10,2325 ff.; Haupt, Z. f.d. A. 11, 2 ) MOllenhoff, De antiq. poesi chor.

53 ff.; Scherer, Z. f. d. A. 19, Anz. 1, 254. i S. 11 f.

3 ) Ebda S. 12.