B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 1. Lied. §9. 27
ebda 7201—3; nach der Schlacht: ir wicliet si sangen sam da ain bare istgewannen ebda 2034 f.; die bare si gewunnen, ir wicliet si sangen ebda5303 f.; von fröaden si du sangen ir sigetichia wicliet Konrads v. WürzburgTrojanerkrieg 439701 Eine äußerst lebendige Darstellung eines beginnendenKampfes mit der Erhebung des Schlachtgesangs gibt das ahd. Ludwigslied46—56: der König singt ein herrliches Lied, die Krieger zusammen schließensich an mit dem Ruf Kyrrieleison; nachdem das Lied gesungen ist, beginntder Kampf. Unter dem Einfluß des Christentums ist der Inhalt des Kampf-liedes ein religiös-christlicher geworden, der in der heidnischen Zeit demPreis des Kriegsgottes galt. Auch die Form ist hier liturgisch, indem derRefrain Kyrrieleison durch die Menge gesungen wird wie bei einem kirch-lichen Responsoriengesang. 1 )— Nach den gegebenen Beispielen sind zweiArten von Schlachtgesängen zu unterscheiden: das Einzellied eines Vorsängersund der gemeinsame Gesang des Heeres.
Mit den nach siegreicher Schlacht angestimmten Kriegsliedern [sigelichiawicliet) ist der Übergang gemacht zu dem sigeliet (vgl. Haupt zu Erec9660), vgl. si slageten mit handen, si lobeten got mit mande, si sangen ander stände ze himele michel sigeliet, Gotfrids Tristan 7100—3.
Brautlieder 2 ) sind bezeugt durch mhd. brütliet, ags. brydleoi (vgl. ahd.brütleich, unten S. 33, brütesang, unten S. 35): Brautlied: hbhia brütliet,epitalamitd, singen die Engel der Magd Marie, Reinbots Heil. Georg (v. Kraus)1008 f.; die ritterlichen Brautführer geleiten die Braut mit Gesang zur Burg desBräutigams (Die Hochzeit, Karajan, Deutsche Sprach-Denkmale des 12. Jahr-hunderts 26,1—4. 37,9—12; Waag, Kleinere deutsche Gedichte des XI. undXII. Jahrhunderts 91, 303—308. 107,806—811); im Ruodlieb singt die Fest-gesellschaft, nachdem das junge Paar sich verlobt hat, den Hymeneus (SeilerXV, 89); ebenso „sangen alle" nach der Verlobung im Meier Helmbrecht(Panzer) 1533.
Weitere Bezeichnungen sind tanzliet, minneliet, huorliet (vom geistlichenStandpunkt aus: Ich bin scaldig . . . in huorlieden Bamberger Glaube undBeichte, MSD. Nr.91,186.192); sageliet{= episches Lied); klageliet(s. untenTotenklagen); hägeliet (Freudensang), vgl. ahd. hugisangön; lobeliet (Preis-lied auf Fürsten), das Gegenteil räegeliet, schimpfliet; dann die speziell mittel-hochdeutschen Verhältnissen entsprungenen tageliet, kriazliet u. a. (s. Mhd.Wb. 1,984 f.).
Spottlieder müssen schon für die vorliterarische Zeit vorausgesetztwerden (s. unten S. 94). 3 )
') Spielleute als Schlachtensänger, wie I Gymnasien47(1896),309;SCHÖNBACH,Wiener
der Normanne Taillefer, sind für Deutschland I SB. 142 (1900), 106 ff.
nicht nachgewiesen, s. Heinzel, Über die ost- i 3 ) In dem Moselidyll des Ausonius wer-
gotische Heldensage, Wiener SB. 119 (1889), , den die Winzer von Wanderern und Schiffern
88 f. durch Spottrufe gehöhnt (Ausonius, Moseila
2 ) MüLLENHOFF, De antiq. poesi chor. [um370],Mon.Germ.Auct.antiq.Vpars2S.87;
S.23-25;Wackernagel1 2 ,291 Anm.4;KöGEL, Kögel, LG. 1,56, Grundr. 2 S. 48 f.; Kelle, LG.
Grundr. 2 S. 39f.; C. v. Kraus, Z. f. d. Österreich. 1, 293 f.).