B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 1. Lied. §9.
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Winelieder sind also, wie aus den ahd. Belegen für wlnileod und ausder Bedeutung von wine hervorgeht, Volkslieder, im Gegensatz zu denlateinischen Liedern, Lieder, die unter Freunden, Gesellen, Gefährten, Ge-nossen gesungen wurden, von Kriegern im Lage;, von Trinkern beim Gelage,von dem Gefolge in der Fürstenhalle, oder auch vorgetragen wurden vomVolkssänger, Skop, bei irgendwelchen Gelegenheiten. Winelied ist Gesellenliedoder Gesellschaftslied. Der Inhalt kann verschiedener Art sein, episch undballadesk, gewiß auch erotisch. Beispiele sind jene barbari leudi des VenantiusFortunatus, das gotisch-lateinische Epigramm sowie einige der von Tacitusbezeugten Gesänge.
Eine anschauliche Schilderung solcher Gesellenlieder oder Gesell-schaftslieder, Rundgesänge mit Harfenbegleitung, gibt Bedas Bericht überden angelsächsischen Dichter Caedmon (Kirchengesch. 4, 24). Dieser warursprünglich ein Hirte. Bevor er durch eine Stimme, die er im Traume ver-nahm, zum Dichter berufen wurde, hatte er keine Verse gemacht, ja sogar sichvon den weltlichen Gesängen seiner Genossen ferngehalten: nonnunquamin convivio cum esset laetitiae causa, ut omnes per ordlnem cantaredeberent, ille ubi appropinquare sibi citharam cernebat, surgebate media cena . . .
Wie die lateinisch-gelehrten Mönche des achten und neunten Jahrhundertsdas winileod geringschätzig behandelten, so verspottet auch Neidhart, derAristokrat des dreizehnten, mit seinem 'wineliet' und dem ironisch ver-kleinernden 'wineliedel' den altmodischen, dörperlichen Volksgesang. DieGlosse endlich bei Venantius Fortunatus meint wohl nichts anderes als dasplebelos psalmos usw. der sonstigen Glossen. Wenn man ihr einen besondernWert beilegen darf, so würden winileodos hier volkstümliche Preislieder aufhohe Herren bedeuten, denn um solche handelt es sich hier.
§ 9. Seltener begegnende Liedgattungen. Scofleod ist nur einmal belegtund zwar in der oben angeführten Gl. 2,100, 59—64, wo es mit winileod zurÜbersetzung von plebeios psalmos usw. dient. Es ist das Lied, das ein Skop,Scof, Volksdichter (s. unten § 18) verfaßt hat oder vorträgt, im Gegensatzzum lateinischen geistlichen Dichter. 1 )
Gartleoth (s. unten gartsanc) findet sich als Glosse zu Thiasos bacchi ausVirgils Ecl. V, 30 in Gl. 2, 684, 49; thiasos Bacchi ist durch Servius kommen-tiert mit saltationes, choreas, also 'Tanzlied'. 2 )
scipleod, sciphleod, schipleod s ) (s. scephsanch, unten S. 35) in der Zu-sammenstellung epilogi celeuma ubaruuortes scipleod Gl. 2,322,25. 2,323,25.2,324,24—26. Die deutsche Glosse ist wörtliche Übersetzung des lateinischenTextes (Hieronymus, Episteln IV, Migne 22,353,10), denn celeuma, gr. y.elevafxa,
') Schönbach, Studien zur Geschichteder altdeutschen Predigt, Wiener SB. 142 (1900),7. Abhandlung S. 65.
2 ) Steinmeyer, Z. f. d. A. 15,104.
3 ) Müllenhoff, De antiq. poesi chor.S. 23; Kögel, LG. 1,10 Anm. 1; Grundr. 2 S. 34Anm. 1; Schönbach a. a. O. S. 66.