24 I- Die vorliterarische Zeit.
aut uuinileod 2, 83,10. 85, 32. 86, 42. 4, 319, 5. 320, 38; Plebelos psalmosmstigiv sanch. vel vulniliot 2,113,28; Plebeios psalmos. [seculares can-tilenas vel] rusticos [psalmos] sine auctoritate. vel cantus aut uuinileod2,95,73; Plebeios psalmos. cantica rustica et inepta. ödo uuinileod. ödoscofleod 2,100,59, dazu 4,323,2, und dann noch einmal in den as. Virgilglossen:Plebeios psalmos id est seculares psalmos id est uuinilieth (Gl. 4, 246,5;Wadstein, Kl. as. Sprachdenkmäler 112,13); ferner als Glosse in einer St. GallerHs. des 9. Jahrh. zu der oben aus Venantius Fortunatus angeführten Stelle bar-bara carmina leudos, wo leudos i. e. uuinileodos glossiert ist. Außerhalb derGlossen findet sich winileod nur einmal, nämlich in dem Kapitulare Karls desGroßen vom 23. März 789 (Boretius Capitularia 1S. 63), in welchem eine strengereKlosterregel für die Nonnen eingeführt wird, wobei ihnen unter anderm gebotenwird, ut nullatenus ibi uuinileodos scribere vel mittere praesumant, 'daß siesich nicht herausnehmen sollen, winileodos zu schreiben oder zu schicken'. 1 )
Diese Stelle ist von besonderer Wichtigkeit für die Frage nach demAlter der deutschen Liebeslyrik. Die den Nonnen verbotenen Liedersind doch wohl, wie die meisten Erklärer annehmen, erotischen Inhalts ge-wesen und die Stelle ist dann der älteste Beleg für die Existenz von deutschenLiebesliedern. Aber dieses Problem kann erst von der Beurteilung des mittel-hochdeutschen Minnesangs aus angefaßt werden (s. Bd. II).
Zum Verständnis dieser besondern Art von Liedern sind noch die beideneinzig vorhandenen mhd. Zitate beizuziehen: Neidhart von Reuental läßteinen üppigen Bauerngalant an Feiertagen wineliet (Haupt 62,33) und wine-.liedel (96,14) 'in einer höhen wise' singen. 2 )
Ahd. wini heißt Freund, Geselle, Geliebter, amicus, sodalis, dilectus(Graff 1, 867), ags. wine, as. wini, an. vinr. In den Epen, Beowulf, Heliand,bezeichnet es besonders einerseits den Fürsten als den Freund der Krieger:ags. Beow. wine = Hrodgar und Beowulf, winedryhten, freawine, fre'owine,wine Scyldinja, joldwine der Fürst als goldverteilender Schatzspender; as.Hei. 1017 wini = Christus der Herr; andrerseits umgekehrt den dem Fürstenergebenen Krieger, besonders also den Gefolgsmann: as. Hei. 2557 die Jüngergegenüber Christus in dem Verhältnis von thegnos zum thiodan 2554; un-wanda wini unwandelbare Freunde, die Krieger des Herodes 70. Noch imMhd. ist goltwine der mit Gold von seinem milden Herrn belohnte Kriegsmann(Rolandslied, Bartsch, 4675), der wineholde ein auserwählter Kämpfer (Straß-burger Alexander 2255); sonst allerdings betrifft im Mhd. wine die Liebenden,die Ehegatten, in welcher Bedeutung es auch im Ahd. mehrfach überliefert ist(Graff 1, 868 f.). Endlich sind noch hier anzuführen die germanischen Eigen-namen mit wini (Ahd. bei Graff 1,868; Förstemann, Altdeutsches Namenbuch1, 1900, S. 1608—1617), wo dieses Wort gewiß auf das Verhältnis zwischenFürst und Krieger und nicht zwischen Mann und Weib geht.
') Die Literatur s. bei Uhl, Winiliod, Teutonia 5, 30 ff.2 ) Uhlands Schriften 3,392.471.