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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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21
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B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 1. Lied. § 7. 21

regnum tenuit, ut omnes etiam vicinas gentes ad plinitudinem de ipsolaudis canerent 1 ) (Mon. Germ. Script, rer. Merov. 2 S. 124).

Gesang bei den Alemannen ist belegt bei Julianus Apostata: es sindin Gesellschaft gesungene Lieder, über deren Inhalt jedoch nichts angegebenist: i&eaodjurjv xol xai xovg vjieq \bv 'Pfjvov äyoia fizky] leg~£i nenotijjUEva jiaga-nliqoia xotg xgcoyjuoig x<hv xgayh ßocövxcov uöovxag xal .svcpgaivovfievovc ev xdlgfiüemv (Juliani imperatoris Misopogon, Eingang).

Am reichsten ist uns der Sagenschatz der Langobarden erhalten, dankder treuen nationalen Gesinnung und des poetischen Gemüts ihres Geschicht-schreibers, des Paulus Diaconus (Historia Langobardorum, um 790). 2 ) DieseSagen gehen großenteils auf alte epische Lieder zurück. Der Ruhm Alboins,des Gründers des italienischen Langobardenreiches, war weithin in Liedernverbreitet: Alboin vero ita praeclamm longe lateque nomen percrebult, uthactenus etiam tarn aput Baioariorum gentem quamque et Saxonum, sedet alios eiusdem linguae homines eins liberalitas et gloria bellonimquefelicitas etvirtus in eorum carminibus celebretur (Hist. Langob. 1,27). DieTugenden des germanischen Fürsten werden hervorgehoben, Freigebigkeit,Kriegsruhm, Tapferkeit

Den größten Teil der Historia Langobardorum bilden novellistische Er-zählungen und christliche Legenden, wichtige oder bedeutungslose Episodenaus dem Leben der Großen, oder auch entscheidende Staatsereignisse. Dieganze Darstellung ist ein Zusammenspiel von Dichtung und Wirklichkeit.Das Stoffgebiet dieser Erzählungen ist recht umfangreich. Namensagen(etymologische Sagen) sind 1,8.15, 2.8 (Grimm Nr. 390.393.399); auf Volks-neckerei beruht die Sage 1,23.24 (Grimm Nr. 396); auf primitivem Volks-glauben 3,34 (J. Grimm, Mythol. S. 905 u. Nachtr. 312 f .)und 6,6 (Grimm Nr. 408);auf mythologischer Dichtung die eben genannte Sage 1,8 (Grimm Nr. 390,wird auch im Eingang der Origo gentis Langobardorum erzählt) und 4, 37(Grimm Nr. 407); das internationale Motiv der Brautwerbung ist enthalten inAutharis Brautfahrt 3, 30 (Grimm Nr. 402), das sich dann in dem mittelhoch-deutschen Spielmannsepos von König Rother wiederholt.

Sagen aus den letzten Zeiten des Langobardenreiches enthält die NovaleserChronik 3 ) (aus dem Kloster Novalese in Piemont, nach 1048 verfaßt). DerHeld in dem Vernichtungskampf gegen Karl den Großen ist Adalgis, derSohn des letzten Königs Desiderius. Diese Erzählungen sind langobardischenUrsprungs, da in ihnen aber fast überall die mächtige Gestalt Karls desGroßen mitwirkt, so gehören sie zugleich zum Sagenkreise Karls. 4 )

Zeugnisse für Lieder der Franken (Merovinger) haben wir in denvon Venantius Fortunatus erwähnten Preisgesängen auf den Herzog Lupus

*) Voretzsch, Das Merowingerepos und j bis 61; Brüder Grimm, D.Sagen Nr. 388410;

die fränkische Heldensage, Philolog. Studien, ' Brückner, Z. f. d. A. 43,4758.Festgabe für Sievers, S. 64 Anm. 3. 3 ) Kögel, LG. 2, 222 ff.

2 ) Kögel, LG. 1,115122, Grundr. 2 S.59 | ") Siehe unten S. 88.