B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 1. Lied. § 6.
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wöpleoä Klagelied; füsleoä, licleoti nenia, Totenlied, dasselbe bedeutenauch berjelsleoct, byrjenleoä, byrijleoct; jaldorleod: Zauberlied; bismerleoctSpottlied; brydleoä, jiftleod Brautlied; sMeoä celeuma Ruderlied; leoäals erstes Glied in leoäweorc und dem Nomen actoris leodwyrhta Wright-WülckerVoc. 188,30.31, Bosworth-Toller 634. — Die Etymologie von Hupist unsicher.
Für das Ahd. findet sich der älteste literarische Beleg schon inder Merowingerzeit bei dem fränkischen Dichter Venantius Fortunatus(a. 530—600). Mit Geringschätzung sieht er, wie überhaupt die gelehrtenlateinischen Dichter der Zeit, die sich als Nachfolger der Römer fühlten, aufdie ungebildeten Barbaren herab. Ubi me tantundem valebat raucum gemerequod cantare apud quos nihil disparat aut Stridor anseris aut canor oloris,sola saepe bombicans barbaros leudos arpa relidens; ut... non caneremsed garrirem, quo residentes auditores inter acernea pocula salute bibentesBaccho iudice debaccharent (Mon. Germ. Auct. antiq. IV, 2, Praef.) 1 ) = „Beidiesem Volke war es gleich, ob ich heiser brummte oder ob ich sang, dennsie können den Gesang des Schwans nicht von dem der Gans unterscheiden,immer nur ihre Harfe läßt schnarrend barbarische. Lieder zurücktönen; unterihnen . . . konnte ich nicht singen, sondern nur schnattern, wo die bei denAhornbechern sitzenden Hörer dem Bacchus Heil kneipten." 2 )
An einer zweiten Stelle setzt der Poet die römische Leier und diebarbarische Harfe, die römischen Verse und die Strophen der barbarischenLieder in Parallele, anspielend auf fürstliche Preisgesänge, die dem HerzogLupus von der Champagne dargebracht wurden: Romanusque lyra, plaudattibi barbarus harpa . . . nos tibi versiculos, dent barbara carmina leudos(ebenda Carmina liber VII, 8, 61 ff.).
Wir lernen aus diesen Andeutungen des Venantius Fortunatus, daß esin der Merowingerzeit Lieder gab, die bei Trinkgelagen, und solche, die zumPreise von Fürsten gesungen wurden (Gesellschaftslieder und Preislieder);ferner daß der Gesang des Liedes von der Harfe begleitet war und endlich,daß leudus m. die einzelne Strophe des Gedichtes 3 ) (wie im Altnordischenund Mittelhochdeutschen) bezeichnete.
In ahd. Übersetzung ist leod liodn. = Carmen (Graff 2,199f.; DWb. 6,982 ff.), aber es kommt nur in der geistlichen Literatur vor und ist hier zunächstals religiöses Lied zu fassen. Es wird gesungen (Otfrid 4,4,54, so viel wie sankebenda v. 41; Notker, Marc. Cap. II, 24, Piper 1,808,25 f., däj zesingenne getanist diso lied ünde leicha). Das Verbum ist liudön canere, modulari, jubilare, bom-bare. Die einzige ausführliche Erklärung gibt Notker Ps. 32,3: benepsallite ei in
*) JosTES,Z.f.d.A.49,311— 313; Meiss-ner, ebda. 52, 84—90.
2 ) Das lächerlich verschnörkelte Lateinkann nur im allgemeinen dem Sinne nachwiedergegeben werden. — Derselbe Gedanke,der Gegensatz zwischen der römischen Kunst
und der Roheit der Barbarengesänge, ist auchausgesprochen in dem gotisch-lateinischenEpigramm der lat. Anthologie (Streitberg,Got. Elementarbuch 3 - 4 , 1910 S.37; van Hel-ten, Beitr. 29,339—343).3 ) Meissner a. a. O.