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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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A. Einleitung. Allgemeine Voraussetzungen.

3, 4.

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letzten Grunde der germanische Glaube fatalistisch. Und nur ein Wissengibt es vom Leben: das ist der Tod. Zu ihm führt am Ende das Schicksal.Das ist das Tragische in der germanischen Weltanschauung.

Die Mythologie der Germanen ist eine Lehre von den Göttern, denBeherrschern der Welt. Woher aber die Welt gekommen ist und was aus ihrwerden wird, ihren Anfang und ihr Ende, das konnte der germanische Geistnicht ergründen. Wohl gab es eine Theogonie und Anthropogonie(Tacitus, Germ. Kap. 2): die Mutter Erde ist der Urgrund der Götter undMenschen; aus ihr entsproß der Gott Tuisco. 1 ) Sein Sohn ist Mannus,der Stammvater der Menschen. Dieser hat drei Söhne und von ihnen, alsovon göttlichem Geschlecht, leiten die drei Stämme, die westgermanischenIngwäonen, Istwäonen und Erminonen, ihren Ursprung ab. Die ger-manische Mythologie hatte also eine Theogonie, aber eine Kosmogonie, eineWeltschöpfungslehre, finden wir in den ältesten Zeugnissen nicht.

§ 3. Dichtung und Recht. Die poetische Anschauung erstreckt sich beiden Germanen auf alle höheren Lebensgebiete. In der Religion schafft siedie Mythologie, den Kultus und die zu demselben gehörenden Gesänge(Götterlieder, Opfergesänge); im Recht 2 ) die symbolischen Handlungen, unddas ganze Rechtsleben ist in Anschauungsformen gekleidet, auch die Rechts-sprache, der Formelschatz, ist stark dichterisch gefärbt. Eng mit der epischenSprache zusammen hängen die stabreimenden Rechtsformeln wie Erbe undEigen, Haus und Hof, Leib und Leben, Land und Leute, Mann und Mage,Witwen und Waisen u.a.; ebenso der poetische Schmuck durch Epitheta:der helle Tag, die dunkle, die schwarze Nacht, der grüne, graue, düstreWald; Formeln für die Unermeßlichkeit von Raum und Zeit: so weit derHimmel blau ist, so lang der Wind weht. Besonders episch ausgeführt sinddie solennen Verbannungs- und Eidesformeln.

§ 4. Dichtung in Personennamen. Sprachliche Symbole sind auch ur-sprünglich die Personennamen. 3 ) Es sind Vorbilder germanischer Lebens-ideale, ursprünglich Wunschbilder, wie sich die Zukunft des Benannten ge-stalten möge. Ihrer sprachlichen Form nach bestehen sie aus zwei Teilen,sind also Komposita aus zwei Gliedern, Substantiven oder Adjektiven. Essind Namen, wie sie Helden und Herren, den Vornehmen im Volke, ge-bühren, deren Eigenschaften sie aussagen: Heldentum und Ruhm: Sigimär,bestehend aus Sigi- Sieg und mär = got. mers, ahd. muri berühmt; Hludo-wic = hludo- berühmt (gr. xlvzog, lat. in-clutus) und wie Kampf; Gundobaldaus *gundi- Kampf und ahd. bald kühn; Adel, Macht und Besitz zeigen anAdalbert (ahd. beraht glänzend); Uodalrich (ahd. nodal = edles Geschlecht,

') Tuisto-Tuisco, Literatur bei Helm,Religionsgeschichte S. 329 f.

2 ) J. Grimm, DRA. 3 S. 109207; Von derPoesie im Recht: J.Grimm, Kl. Schriften 6,152191.

3 ) M. Schönfeld, Wörterbuch der alt-

germanischen Personen- und Völkernamen,German. Bibliothek hrsg. von W. Streitberg,Wörterbücher Bd. 2, Heidelberg 1911; GeorgWerle, Die ältesten germanischen Personen-namen, Beiheft zum 12. Bd. der Z. f. deutscheWortforschung, Straßburg 1910.