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I. Die vorliterarische Zeit.
zunächst ein allgemeiner Name für den als obersten Herrn angesehenenGott, denn es bedeutet 'Herr' (got. frauj'a, ahd. frö, wozu fröno zum Herrngehörig, jetzt noch in Frondienst = Herrendienst, Fronleichnam = Leib desHerrn, fronden = dem Herren dienen, frönen). Im Althochdeutschen (imHildebrandslied) wird dieser höchste Gott auch mit Irmingot, 'der allgemeineGott' bezeichnet, wo aber schon der Christengott gemeint ist. 1 )
Neben diesen höheren, von der poetischen Phantasie mit individuellemLeben begabten Göttergestalten geht eine niederere Art von Dämonen,die in dieser künstlerisch ausgebildeten Mythologie ebenfalls schärfere Um-risse gewonnen haben. Es sind meist Verkörperungen von Naturerscheinungenund Naturkräften, die sich eben durch ihre stärkere Vergeistigung von demprimitiven wirren Geister- und Gespensterglauben abheben, also eine höhereStufe desselben darstellen. Die Riesen sind Belebungen zerstörend wirkenderNaturgewalten, von Wind und Wetter, Eis und Winter, sie hausen in Wasserund Wald, in öden Felsgebirgen,, die großen, plumpen Vertreter einer rohen,den Menschen hemmenden Unkultur. Noch gefährlicher als sie sind dieDrachen, eiterspeiende Wurme, die den Menschen aus den Höhlen desHochgebirgs überfallen oder in das neblige Moor hinunterziehen.
Das Gegenstück zu den ungeschlachten Riesen sind die Eiben, feinereGeister, lichtglänzend und schön, meist ganz klein. Zu ihnen gehören dieflinken, klugen, doch ungestalten Zwerge, Berggeister, die im Innern derBerge Schätze hüten und als geschickte Schmiede kunstreich verarbeiten,den Menschen häufig freundlich gesinnt. Eibennatur haben auch die Nixen,die Wasserfrauen; sie erscheinen manchmal als Schwanenjungfrauen, Feder-gewänder tragend.
Mit dem Kriegsgott in enger Beziehung stehen die Walküren (ahd.idisi), Kampfgöttinnen, die schon ihrem Namen nach das Schlachtenschicksalbestimmen (Walküre, an. valkyria, aus an. valr 'die Leichen auf dem Schlacht-felde', ahd. mhd. wal 'Kampfplatz', in nhd. 'Walstatt'; kyria gehört zusammenmit dem deutschen Verbum küren; der Name bedeutet also die Jungfrauen,welche die dem Tode verfallenen Helden auswählen. 2 )
Die Tatsachen des Weltgeschehens liegen also in der Hand göttlicheroder dämonischer Wesen. Aber die Gründe ihres Handelns werden nichterkannt. Wohl glaubt man, daß die Walküre oder Wuotan, der über dieWalstatt waltet, nur demjenigen Helden den Sieg bestimme, auf dessen Seitedas Recht ist, denn der Kampf ist ein Gottesurteil und Gottesgericht. Aberweshalb ist gerade diesem Menschen Glück, jenem Unheil beschert? Warumerfaßt den der Tod? Niemand weiß es.
Diese letztentscheidende Macht ist das unbarmherzig waltende Schicksal.Von ihm gibt es kein Wissen als: ihm kann niemand entrinnen. So ist im
1 ) Braune, Beitr.21,1— 7.
2 ) Zum Namen und Wesen der Walküren:Müllenhoff, DAK. 4, 205; KöGEL, Idis und
Walküre, Beitr. 16,502-s. Register.
-508 ;Neckel, Walhall,