A. Einleitung. Allgemeine Voraussetzungen. § 2.
Eine Göttertrilogie bezeugt Cäsar (Bellum Gallicum VI, 21): Deorutnnumero eos solos ducunt, quos cernunt et quorutn aperte opibus juvantur,Solem et Vulcanum et Lunam. Also auch hier eine Naturreligion, eine Ver-ehrung sichtbarer und hilfreicher Naturkräfte, welcher das ethische Gesetzvon Dienst (colere) und Lohn (juvare) zugrunde liegt. Spuren des Sonnen-und Mondkultus haben wir noch in unseren Tagesnamen 'Sonntag' und'Montag', Überreste des einstigen Sonnendienstes sind in Volksgebräuchen(Sonnwendfeuer, Johannisfeuer) erhalten.
Auch Tacitus nennt eine Dreizahl von Göttern, den Mercur, Her-cules, Mars, dazu eine weibliche Gottheit, die Isis 1 ) (Germ. Kap. 9; Her-cules auch Kap. 3 und Annalen 2,12), und später (Kap. 40) die Nerthus.
Unter Beiziehung der reich ausgebildeten nordischen Mythologie läßt sichdiese Dreiheit sicherstellen. Es sind: an. Tyr (Tyr), alem. Ziu (der Mars desTacitus), der alte Himmelsgott (ai. Dyäus, gr. Zsvg, lat. Jü-piter), ursprünglichder oberste der Götter, später Kriegsgott; nd. Wodan, obd. Wuotan, an. Odin(Ödinn), der Windgott, der Seelenführer, der später den Tyr aus seinerführenden Stellung verdrängt und Gott des Himmels und des Krieges war(er entspricht dem Mercurius des Tacitus); und Donar, an. Thor (pörr), derGott des Donners (= Hercules). An diese Gottheiten erinnern die Namender Wochentage: alemann. Ziestig (= Dienstag), Tag des Ziu; engl. Wednes-day = Tag des Wöden (der deutsche Mittwoch); Donnerstag = Tag des Donar.Aus den Wochentagsnamen ist für die deutsche Mythologie noch zu er-schließen die Fria, an. Frigg, die Gemahlin Wuotans, aus Freitag = Tagder Freia. Auch das sächsische Taufgelöbnis enthält noch eine Göttertrilogie:Thunaer, Wöden und Saxnöt. Sie entspricht der obigen, denn Saxnot (Ge-nosse der Sachsen) ist gleich Tyr als Kriegsgott.
Der Kultus hängt zusammen mit den Lebensinteressen des Volkes. DieTätigkeitsgebiete der Germanen^ sind Ackerbau und Kampf, die Geschäftedes Bauern und des Kriegers. Dem entsprechen nun auch zwei Schichtenunter den Gottheiten, Fruchtbarkeit spendende und Schlachten lenkende,Vertreter der friedlichen Kultur und solche des Heroentums, die vielleichtauch verschiedenen Zeitaltern entstammen und deren Funktionen nicht genauverteilt sind, sondern wechseln oder ineinander übergehen können.
Ein Unterschied im Rang der genannten obersten Götter besteht je nachden sie verehrenden Volksstämmen. So hatten die drei deutschen (west-germanischen) Volksverbände 2 ) jeder eine über die andern göttlichen Wesenhervorragende Hauptgottheit, die Ingwäonen (die Nordseedeutschen) denFrö, die Istwäonen (entsprechend den Franken) den Wodan, die Erminonen(den Alemannen und Baiern entsprechend) den Ziu. Frö, an. Freyr, war
') Vgl. bes. MOllenhoff, DAK. 4, 212bis 220.
2 ) MOllenhoff, DAK. 4,115 ff.; Bremer,Ethnographie der germanischen Stämme, Pauls
Grundriß 3 2 §§ 81,82,163 u. ö\; Kauffmann,D. Altertumskunde 1 §§ 62. 402; J. Grimm,Mythologie S. 286 ff., Nachtr. S. 105 f.