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Inkunabelkatalog / Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
Entstehung
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Das Kanonissenstift Essen, in der letzten Phase seiner Geschichte fürstliches, frei-weltliches Damenstift genannt, ging auf einen um 850 durch den Hildesheimer Bi-schof Altfrid gegründeten, zunächst stark benediktinisch geprägten Frauenkonventzurück. Ihre höchste kulturelle Blüte erlebte die Kanonissengemeinschaft bereits inder Ottonenzeit, als wiederholt Angehörige und Verwandte des Liudolfingerhauses,zu dessen Kognaten (oder gar Agnaten?) der hl. Altfrid gehörte, der noch immerklosterähnlichen Gemeinschaft als Äbtissinnen vorstanden. Zwar wurde die geist-lich-kulturelle Bedeutung jener Zeit nicht wieder erreicht, aber schon im 13. Jahr-hundert erlangten Essener Äbtissinnen nach einem verwickelten Vogteistreit, der inder Isenberger Fehde kulminierte, eine reichsfürstliche Stellung. Freilich konntediese in Spätmittelalter und früher Neuzeit nur noch im Rahmen einer bankfürstli-chen Kuriatsstimme innerhalb der unbestrittenen Reichsstandschaft verwirklichtwerden. D.h. die Fürstäbtissin von Essen verfügte auf den Reichstagen nur nochüber eine (bzw. seit der Union mit dem maasländischen Stift Thorn zwei) Kuriats-stimme(n) auf einer der beiden Prälatenbänke des Reichsfürstenrates. Die Herr-schaft über die Stadt Essen entglitt dem Damenstift seit dem 14. Jahrhundert in zu-nehmendem Maße. Es gelang freilich Ende des 15. Jahrhunderts, die Reichsstand-schaft der Stadt nachhaltig zu verhindern, doch zogen sich daraus resultierendeProzeßhandlungen vor dem Reichskammergericht bis zum Ende des Alten Reicheshin. Die Reformation in der Stadt Essen konnte nicht verhindert werden. Im Stiftselbst und in den Dörfern des Stiftslandes konnten aber die Fürstäbtissinnen Elisa-beth vom Berge (1605-1614) und Maria Clara von Spaur (1614-1645) die Aus-schließlichkeit der katholischen Religionsausübung sicherstellen. Die zunehmendeVerweltlichung des Kanonissenstiftes verlief seit dem Spätmittelalter im Grundeohne retardierende Momente. Der formale Konservativismus der Essener hochade-ligen Stiftsdamenkorporation bewirkte aber indirekt einen Erhalt der mittelalterli-chen und frühneuzeitlichen Bibliothek.

Aus der Gruppe der mit der Seelsorge für die Kanonissen betrauten Priester ent-wickelte sich im Laufe des Mittelalters eine den Kanonissen sozial und säkular-rechtlich nachgeordnete Klerikergemeinschaft. Schließlich stand dem "Damenkapi-tel" ein juristisch nicht gleichwertiges "Herrenkapitel" gegenüber. In der landstän-dischen Verfassung des fürstlichen Damenstifts bildeten sie den ersten und zweitenStand, während der Stiftsadel und die Stadt Essen den dritten und vierten Land-stand darstellten. Damen- und Herrenkapitel verfügten auch über getrennte Biblio-theken, die zwar als Pertinenzen des Stiftes verschiedene Besitzer hatten, aber beidegleichermaßen Eigentum des Stiftes der hl. Cosmas und Damian in Essen als ab-strakter Rechtsperson waren. Da die juristische und letztlich auch faktische Verbin-

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