ßig bedeutende Zugang aus den frühen neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts fürdie Stiftsbibliothek bekannt ist.
Schon im 15. Jahrhundert begann der neue Glanz des Marienstiftes bald wieder zuverblassen. Wirtschaftlich verschlechterte sich die Situation bereits unter WilhelmsSohn Herzog Adolf VII. (1408-1437) so sehr, daß die in ihrem Unterhalt aufwen-dige Propsteiwürde wieder abgeschafft werden mußte (s.o.). Auch die Klagen überden geringen religiösen Eifer der Stiftskleriker sprechen eine eindringliche Sprache.Aus dem Jahre 1437 ist ein weiteres Schatzverzeichnis erhalten, in dem rund 40Bücher erscheinen, von denen zwölf als neu bezeichnet werden. Als Dekan fun-gierte von 1446-1448 Wilhelm von Berg, ein natürlicher Sohn Adolfs VII., dernicht einmal die Subdiakonatsweihe empfangen hatte. Die wirtschaftliche Lage hatsich - nicht atypisch für das Spätmittelalter - in dieser inneren Verfallszeit offen-sichtlich aber dann wieder gebessert. 1454 erwirbt das Stift aus eigenen Mitteln denSteinhof zu Huckingen, ein adeliges Freigut. Freilich sollte das geistige und geistli-che Leben jener Zeit im Marienstift auch nicht in zu dunklen Farben gemalt wer-den. Sowohl für die Bibliothek wie für den unmittelbaren liturgischen Gebrauchwurden immerhin auch damals Handschriften erworben, ja sogar eigens angefertigt.
Die über 50 erhaltenen Inkunabeln des Marienstiftes wurden nur zum kleineren Teilwährend des Wiegendruckzeitalters vom Collegium Beatae Mariae Virginis erwor-ben. Der größere Teil der Inkunabeln kam erst während des 16. und 17. Jahrhun-derts vornehmlich durch Vermächtnisse einzelner Kanoniker (die ja wie alle Säku-larkleriker über Privatbesitz verfügten) in die Stiftsbibliothek. Bei den bereits im15. Jahrhundert und durch das Stift als Korporation erworbenen Inkunabeln fälltauf, daß diese häufig im Düsseldorfer Kreuzbrüderkonvent sowohl rubriziert bzw.illuminiert wie auch gebunden wurden. Als Beispiel sei auf ein Missale Coloniense(Basel: Michael Wessler 1487) verwiesen, das vom Marienstift unmittelbar odersehr bald nach der Drucklegung erworben wurde und 330 Jahre der Meßfeier amThomasaltar diente. Die von den Düsseldorfer Kreuzbrüdern in Auftragsarbeit fürdas Stift durchgeführte Buchausstattung unterschied sich natürlich stilistisch nichtvon der für den eigenen Bedarf gearbeiteten. Die Art der Lombarden und (seltene-ren) Initialen ist prinzipiell gleich, bei Inkunabeln des Stifts aber eher etwas auf-wendiger ausgeführt.
Während der Reformationszeit wurde die Kollegiatskirche aufs äußerste in die Kir-chenpolitik der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg hineingezogen. Unter Herzog Wil-helm dem Reichen (1539-1592) und Herzog Johann Wilhelm I (1592-1609) trat dieStiftskirche in Kleve deutlich an Bedeutung hinter der Düsseldorfer Stiftskirche zu-
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