1951, pp. 1-9; E. Wisplinghoff: Mittelalter und frühe Neuzeit. In: Düsseldorf. Geschichte von denUrsprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Hrsg. vonH. Weidenhaupt. Bd. 1. Düsseldorf 1988, S. 161-445,hierS. 311-315.
7. Marienstift Düsseldorf
Über 50 der erhaltenen Düsseldorfer Inkunabeln stammen aus der ältesten im ur-sprünglichen Stadtgebiet nachweisbaren Büchersammlung, der Bibliothek der"ecclesia collegiata Beatae Mariae Virginis Dusseldorpiensis". Das der Gottesmut-ter geweihte Kollegiatsstift entstand an einer schon bestehenden, dem hl. Lambertusgeweihten Pfarrkirche. Am 8. September 1288 - also gut drei Monate nach derSchlacht bei Worringen und knapp einen Monat nach der Erhebung Düsseldorfs zurStadt - ermächtigte Papst Nicolaus IV. den Abt von Siegburg, die DüsseldorferPfarrkirche St. Lambertus in ein Kanonikerstift umzuwandeln. Die in Rieti ausge-stellte Urkunde nennt ausdrücklich den Grafen Adolf (V.) von Berg als Bittstellerund Veranlasser der Gründung ("ex parte dilecti fdii, nobilis viri Adolfi comitis deMonte, Coloniensis dioecesis, ftiit nobis humiliter supplicatum").
Dem faktischen Aufbau der neuen Gründung standen zunächst drei gewichtige Hin-dernisse entgegen. Zunächst besaß der Graf gar nicht - wie er dem Papst gegenüberfälschlich vorgegeben hatte - die Patronatsrechte an der Lambertuskirche, diese wa-ren vielmehr im Besitz des Kölner St.-Ursula-Stifts. Ein weiteres Hindernis war dieTatsache, daß der für die Gründung eigentlich zuständige Erzbischof von Köln Ge-fangener des Grafen war und daher begreiflicherweise wenig Neigung hatte, dieGründung seines persönlichen Feindes kirchlich zu bestätigen. Ein drittes Problemaber wog vielleicht am schwersten, die relative Mittellosigkeit Graf Adolfs V. Dieszwang ihn, schon bei der materiellen Grundausstattung "seines" Stiftes die Herrenvon Eller mit rund einem Drittel zu beteiligen. Unter solch unglücklichen Grün-dungsauspizien überrascht es umso mehr, wenn bereits knapp zwölf Jahre nach derpäpstlichen Gründungsbevollmächtigung von einer Bibliothek der DüsseldorferKollegiatskirche in einem Privileg des Patriarchen von Jerusalem die Rede ist, ob-wohl für diesen Zeitpunkt nicht einmal historisch absolut gesichert ist, daß das for-mal gegründete Stift schon in der Realität existierte. Nachdem in den ersten Jahrendes 14. Jahrhunderts der Aufbau des Lambertusstifts einen gewissen Abschlußfand, setzte schon bald die erste Niedergangsperiode ein. Da das Stift aber auchvon keinerlei ernsten Katastrophen betroffen wurde, könnte schon von daher dasBestehen einer wohl bescheidenen Bibliothek als gesichert gelten. Eine von Caeciliavon Eller, Mitinhaberin der Patronatsrechte, 1349 ausgestellte Urkunde liefert da-für sogar ein gewisses Indiz.
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