Die Düsseldorfer Ordensbibliothek ging mit ihrem Bestand in mehr als einer Be-ziehung über das hinaus, was für die überall von den Reformmendikanten beson-ders geübte volksnahe Seelsorge notwendig gebraucht wurde. Auffallend ist derrelativ hohe Anteil an gelehrter Literatur im engeren Sinne. Er legt für zwei Beson-derheiten der Düsseldorfer Situation der Kapuziner Zeugnis ab. Einmal verlangtedie Atmosphäre in einer auch von den protestantischen Adeligen besuchten Resi-denzstadt besondere Kenntnis auch in den komplexeren Fragen der interkonfes-sionellen Kontroversen. Zum anderen hat die Düsseldorfer Neugründung von derfrühen, alle Gelehrsamkeit ablehnenden Phase in der Entstehungsgeschichte desKapuzinerordens offenbar kaum noch direkte Einflüsse empfangen.
Die relative Weite der Interessen der Düsseldorfer Konventsmitglieder kommt auchdarin zum Ausdruck, daß neben lateinischen und deutschen auch anderssprachigeTitel in der Bibliothek vorhanden waren. Schließlich fällt auf, daß auch rein huma-nistische oder juristische Werke in der Büchersammlung eingeschlossen waren.Dennoch bleibt selbstverständlich festzuhalten, daß die Bibliothek in erster Linieauch den Düsseldorfer Kapuzinern als Hilfe für die praktische Seelsorge zu dienenhatte.
Die Kapuziner in der bergischen Hauptstadt verfügten über eine Art "Außenstelle",denn 1682 wurde in Benrath eine Kapuzinermission errichtet, die bis zu ihrer Säku-larisierung vom Düsseldorfer Konvent abhängig blieb. Faktisch wurde deren Bi-bliothek aber stets getrennt von der des Mutterhauses in der Stadt verwaltet. In kei-nem einzigen Fall finden sich nämlich beim Restbestand der Benrather Bücher-sammlung in der Universitätsbibliothek neben dem Besitzvermerk der Kapuziner-mission konkurrierende Eigentumseintragungen des Düsseldorfer Konventes. Wie-gendrucke sind aus dem Benrather Bestand nicht erhalten.
Nach der Säkularisation des Kapuzinerkonvents 1803 wurde ein 1804 vollendetesBibliotheksinventar angelegt. Es nennt ca. 730 Werke, wobei die Bandzahl höhergelegen haben muß. Selbst die genannte Anzahl der bibliographischen Einheitenmuß wohl am ehesten als Untergrenze angesehen werden, da man in der damaligenSituation sehr wahrscheinlich rein erbauliche Werke, sowie veraltete Pastorallite-ratur, zumal wenn weniger voluminös, kaum der Verzeichnung für Wert hielt.
Der Bestand gelangte weitgehend geschlossen in die Landesbibliothek. Ein kleine-rer Teil muß auch in die Gymnasialbibliothek gelangt sein, denn in der Bibliothekdes Görres-Gymnasium in Düsseldorf finden sich noch einige Bände mit Besitzein-tragung der Düsseldorfer Kapuziner. Der Bestand an Wiegendrucken in dieser Or-densbibliothek war aber wahrscheinlich niemals wesentlich höher als die Anzahl
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