5. Kapuzinerkonvent Düsseldorf
Die Düsseldorfer Kapuzinerniederlassung war die erste "gegenreformatorische"Konventsgründung in der bergischen Residenzstadt. Schon im Juni 1614 beglück-wünschte ein Kapuziner in einer anläßlich des herzoglichen Religionswechsels inDüsseldorf gehaltenen Festrede die Bevölkerung der Stadt zur Konversion ihresLandesherren. Am 24. November 1617 begann mit der Ankunft der von Köln, woseit 1611 ein Kapuzinerkloster bestand, entsandten Patres die Geschichte des Düs-seldorfer Kapuzinerkonvents. Durch ihren selbstlosen Einsatz bei der Pflege derKranken während der 1622 in Düsseldorf wütenden Pest wurden die Kapuziner beider Stadtbevölkerung sehr schnell außerordentlich beliebt. 1624 wurde die neuer-baute Konventskirche in der Flingerstraße eingeweiht. In die zwanziger Jahre des17. Jahrhunderts kann auch mit einiger Wahrscheinlichkeit die Entstehung der Düs-seldorfer Kapuzinerbibliothek datiert werden, möglich ist aber sogar ein Bestehender Bibliothek von Anfang an, d.h. seit 1617. Es ist zumindest schwer denkbar,daß ein Kapuzinerkonvent unweit der Konfessionsgrenze ohne eine Handbibliothekfür die Predigtvorbereitung, Katechese etc. selbst nur für kurze Zeit hätte auskom-men können. Freilich lassen sich bisher weder für solch frühe Bucherwerbungen,noch gar für das Mitbringen von Büchern aus dem Kölner Konvent Beweise inForm von Besitzeintragungen in erhaltenen Bänden vorlegen. Als reformierte Bet-telmönche in einem neugegründeten Haus scheinen die Düsseldorfer Kapuzinerüberhaupt wenig prädestiniert für eine exakte, stets durchgeführte Besitzkennzeich-nung bei jedem einzelnen Buch gewesen zu sein.
Wo sich später ein Besitzeintrag findet, steht er häufig ohne Datum. Typisch fürviele Mendikantenbibliotheken, aber besonders auffällig in der Büchersammlungder Düsseldorfer Kapuziner ist der große Anteil von durch Schenkung erworbenenBüchern. Diese enthalten in aller Regel den Namen des Stifters und besonders beidenen, die durch testamentarische Schenkung in die Bibliothek gelangten, die Bitteum das Gebet für den Stifter ("orate pro eo").
Insgesamt ergibt sich der Eindruck, daß die Düsseldorfer Kapuziner sich nicht ir-gendwelche Bücher für ihre Bibliothek schenken ließen, sondern über die selteneGabe verfügten, auch bei dieser Erwerbungsart - die einem Bettelorden so ange-messen war - einen vernünftigen Bestandsaufbau zu erreichen. Die Patres habenwohl auf dezente oder direkte Weise bei wohlbepfründeten rheinischen Klerikernauf ihren Wissensdurst aufmerksam gemacht, ja die Besitzer benötigter Werke so-zusagen aufgrund einer exakten Desideratenkartei der Bibliothek um ihre brüderli-che Spende gebeten.
21