einer mehr oder weniger bedeutenden geistlichen Bibliothek von vornherein ein-schloß, geschah zum damaligen Zeitpunkt in Düsseldorf geradezu mit historischerNotwendigkeit. Einmal war es für die in Köln bereits seit 1544 (erste deutsche Nie-derlassung) und in Neuss seit 1615 vertretenen Jesuiten nur folgerichtig, weiter inRichtung auf die geographische "Frontlinie" der Konfessionen vorzurücken. Zumanderen war jede Residenzstadt, vornehmlich aber die eines neubekehrten Fürsten,in der religionspolitischen Konstellation jener Zeit bevorzugtes Tätigkeitsfeld ihresOrdens. Ein dritter Grund war noch dadurch gegeben, daß Düsseldorf 1619 den er-sten wirklich geeigneten rechtsrheinischen "Brückenkopf" für die Jesuiten an Mit-tel- und Niederrhein darstellte. Zwar war bereits 1613 in Essen eine ephemere Nie-derlassung entstanden, der 1614 eine auch nur kurzlebige in Wesel folgte, aber bei-de waren ungeeignet, zum vollen Status eines wirklichen Kollegs aufzusteigen.
Wenig günstig war zunächst die Stimmung der Düsseldorfer Katholiken, die durchdas Stift, die Kreuzbrüder und die Kapuziner seelsorglich ausreichend betreut wa-ren, den neu hinzugekommenen Vätern der Gesellschaft Jesu gegenüber. HerzogWolfgang Wilhelm ließ die Verhandlungen mit dem Provinzial Johannes Copperusin Köln durch den Geheimen Rat Ritz führen. Vorangegangen war ein persönlichesSchreiben des Herzogs mit der Bitte um Entsendung von Patres nach Düsseldorf.Schon im März 1619 trafen die ersten Jesuiten in der niederrheinischen Residenzein, es waren die Priester Bernard Buchholz und Gerard Lippius sowie der Laien-bruder Michael Esser. Im Laufe des folgenden Jahres kamen nicht weniger als 12weitere Mitbrüder nach Düsseldorf, so daß an der Energie, mit der der Orden denAufbau seines Düsseldorfer Hauses von Anfang an betrieb, kein Zweifel seinkonnte. Am 5. Juli 1622 wurde der Grundstein für die dem heiligen Andreas ge-weihte Jesuitenkirche gelegt. Bereits 1621 hatten die Jesuiten durch Geschenk desFürsten ein eigenes Wohngebäude erhalten, das sie am Andreasfest (29. November)bezogen. Der Bau der Andreaskirche erfolgte vom Stil her in Anlehnung an dieHofkirche der Dynastie in Neuburg, sie selbst wurde ebenfalls lange Zeit auch alsHofkirche bezeichnet. Die Verbindung der Düsseldorfer Jesuiten zum Herrscher-haus kam aber am stärksten darin zum Ausdruck, daß ihrer Kirche schon währendder Erbauung das fürstliche Mausoleum an der Chorseite angefugt wurde.
Bereits am 14. August (am Datum der Stadtgründung, das auch - s.u. - in der Ge-schichte des Kreuzbrüderkonvents eine Rolle spielt) 1621 wurde den Jesuiten dasDüsseldorfer Gymnasium übergeben, seit 1620 hatten sie schon dort unterrichtet.Sie konnten aber bald ihre Position insbesondere im Bereich der Bildungsarbeitnoch mehr ausbauen. 1623 gründeten sie das Seminarium ad sanctum Salvatorem.
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