der in der obern Lufft erzeugten Dinge.damit er nur einmahl auch in Ruhe leben könne: so muß man doch gleichwolen des Friedensalso gebrauchen / daß man mitten in der Ruhe nicht ruhig seye / und im Frieden des Kriegs nichtvergesse. Dahero dann die Minerva auch eine Göttin des Kriegs ist; welche sich im Friedenniemahl sicher achtet / einfolglich immerdar die Waffen träget / nicht anders als ob sie stets inForchten schwebte. Wer sich nicht förchtet / wird am leichtesten unterdruckt. Antiochus lebtegantz ohne Sorgen zu Ephelus, und bekümmerte sich wenig um den Römischen Krieg; gleichals wann die Römer nicht begehrten in Asien überzugehen; in welcher Sicherheit ihn seineFreunde und Fuchsschwäntzer auch besteifften. Allein / er muste zu seinem grossen Nachtheilerfahren / wie schädlich es seye / im Friede mussig / und zu Hauß ohne Soldaten seyn. Hätte ersich Anfangs geforchten / so würde er nachgehends nicht Ursach gehabt haben / sich zu förchten.Es ist eine grosse Kunst / recht wissen müssig zu seyn. Alle Gesetze die Lycurgus gegeben / ziehl-ten einig und allein auf die Kriegs=Kunst: und seine Bürger waren auch glücklich / so lang sieKrieg geführet; giengen aber zu Grund / als sie Frieden hatten: dann sie kunten sich nicht in denFrieden schicken / und lebten sicher dahin / nicht anders / als ob sie keinen Krieg mehr zu besorgenhätten. Der Friede muß mit und wider sich selbsten kämpffen: er bestürmet sich selbsten / wanman ihm die Waffen entzeucht; die dardurch seinem Nachbarn in die Hände gelieffet werden:dann es ist mit niemand besser zu fechten, als mit dem, der keine Waffen hat. Man muß zwarstille und in Frieden sitzen können; aber auch können Kriege führen / und unter dem müssig=seynnicht müssig stehen. Man muß niemal sich ohne Schwerdt betretten lassen / und selbiges / wonicht eben in der Faust, doch wenigstens in der Scheid und an der Seite führen. Kayser Tra-janus wird gerühmet / daß er / ungeachtet er im Krieg aufferzogen worden / doch den Frieden ge-liebet; und den Krieg mit dem Frieden also vermenget, daß er niemahlen weniger mussig gewe-sen / als wann er müssig gewesen; weilen er nemlich immerdar etwas zu thun gehabt. Dannwann es eine Schande ist / so man sich der Waffen nicht zu bedienen weist; so ist es gewißlichnoch viel schändlicher / wann man sich nicht in ein müssiges Leben schicken kan: es sitzet aber der-jenige nicht in Ruhe und Friede / welcher seine Aerme nicht gebraucht; sondern der / welcher imFriede nach den Waffen umsiehet / damit er sich derselben bedienen möge / wann es die Noth er-fordert. Man soll mit dem Alexander der Ruhe also geniessen / daß man doch stets den Degenin der Hand habe; und so balden der Feind die Trommel rühret / ohngesaumt in den Waffenstehe. Ein guter General trauet dem Frieden nicht / sondern rüstet sich allzeit zum Krieg; undhält selbigen für angekündigt / ob gleich die Truppen nicht zu Felde liegen. Die Historien-Schreiber berichten; daß Henricus IV., König in Franckreich / nachdem er mit den Spanni-ern Frieden gemacht / gleich als ob er noch im Krieg begriffen wäre / seine Völcker auf den Bei-nen behalten habe. Dann wer mein Freund worden / kan wieder mein Feind werden / wie er eszuvor gewesen. Mein bester Freund kan sich verstellen; und mich alsdann / wann er mich sicherund unbewaffnet siehet / desto leichter angreiffen und überwältigen. Bias, einer aus den Grie-chischen Weisen / sagte: Die Menschen solten also gegen ihren Freunden sich verhalten / daß siegedächten; selbige könten ihre ärgste Feinde werden. Das Mißtrauen / so einen stetigen Arg-wohn zum Grund hat / ist nicht zu schelten; da man nemlich besorget / der Nachbar könne etwaandern Sinnes werden. Es ist aber die Sicherheit das gemeineste Übel / so alles künfftige Un-heil nach sich ziehet. Constantinus M. hat vermeinet / er seye sicher / nachdem er dem gantzenReich einen erwünschten Frieden verschaffet hat: als er nun hierauff die Armée abgedancket,die Städte ohne Besatzungen gelassen / auch sie weder mit Munition noch Proviant versehen;so erfolgte bald hernach / und da sie es am wenigsten geglaubt / ihr gäntzlicher und erbärmlicherUntergang. So lange die Zepter und Königreiche der Zweck und das Ziehl seynd des Neydsund Hasses (sie seynds aber ohne Auffhören) so lange muß man sie mit Truppen unterstützen;indeme die Mißgunst=Flamme / die unter der Asche verborgen liegt / und niemals recht ausge-löscht ist / leichtlich zu einem grossen Feuer aufflodert. Siehestu in die vorige Zeiten zuruck / sowirstu finden / daß Agrippa mitten im Frieden die vorher zerstörte Stadt=Mauren wieder auff-geführet: und wendet man sein Aug auf die nähere Tage / so erblickt man Albertum, Hertzogenin Braband / und höret von ihme; daß / da er mit den Feinden einen Stillstand getroffen / er diean den Gräntzen liegende Städte trefflich befestiget / und mit starcken Besatzungen versehen.Das Hauß Oesterreich, so den Ottomannischen Mond zum Nachbarn hat, und wegen der Kay-serlichen Krone von andern geneidet wird / ist niemahls sicher im Frieden; sondern bleibt desOesterreichischen Römischen Kaysers Maximiliani I. gewohnlichen Wahl=Spruchs immer in-gedenck: Alles und allzeit mit Fursichtigkeit. Dann man kan sich nicht gnugsam fürsehen,noch für der Feinde Hinterlist / und Meineyd hüten. Ein Fürst mag seine Sicherheit nichtbesser befestigen / als wann er nicht traut / und sich alles verdächtig seyn lasset. Das HaußOesterreich solle zu Friedens=Zeiten die Waffen führen / auf das Zukünfftige sich gerüst / und
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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