Philosophische und Politische Beschreibunggen können. Zum Fünfften; wann man das geschmoltzne Bley mit einem Stecken hefftig um-rühret, so wird ein sehr zarter und subtiler Sand daraus, der gar bequem zu den Sand-Uhrenzu gebrauchen ist: dann gleichwie aus der gerührten Milch ein Butter entsteht / weiln die wässerige Feuchtigkeit ausdämpffet; also und auf eben solcherley Weiß wird das Bley auf das zar-teste zerstossen und zerrieben.Hier kommt die Frage für; Erstlich: Ob das Bley / wann es lang an der feuchten Lufftlieget / wachse und zunehme? Antwort: Die Scribenten seynd ungleicher Meinung; einige be-jahen; und andere widersprechen es. P. Honoratus Fabri gestehet zwar / daß das Bley am Ge-wicht zunehme aber darum doch nicht wachse: dann es könne solches leichtlich von einer neuendarzu schlagenden Feuchtigkeit seinen Uhrsprung haben. Nichts destoweniger ist es wahrscheinlich, daß aus einem volatilischen Wesen, so sich an etwas fixes und beständiges anhenget, neuebleyerne Theile entstehen mögen; zumahlen da man auch sonsten weist, daß ein an die Lufft ge-legter Salpetrischer Erdkloß noch mehr oder von neuem mit Salpeter geschwängert werdedergleichen auch an dem Alaun und dem Todten-Kopff des Vitriols wahrzunehmen ist. Boyleberichtet / wie er beobachtet habe / daß zwey Unzen calcinirten Vitriols nach 6. Monat=Zeit überJoust. de den zehenden Theil angewachsen seyen. und Jonstonus bekräfftiget solches aus eigner Erfah-admir.rung; wann er schreibt: Ich habe öffters gesehen / daß die bleyerne Band an denen Bild=Säu-Fost. c. 30. len / die darmit fest gemacht worden / mercklich gewachsen / ja etliche sich dergestalten ergrössert /daß sie wie Christall-Zapffen an denen Steinen herab gehangen.Zum Andern: Ob das Bley durch das öfftere waschen in Zihn oder mit der Zeit ab-sonderlich dasjenige / wormit die Dächer und Thürne gedeckt worden / gar in Silber verwandeltwerde? Antwort: Beydes ist ein Mährlein; dann das erste hat noch niemand durch ein blos-ses waschen zuwegen bringen können: und das andere hat ebenfalls keinen Grund in der Er-fahrung. Es ist zwar wohl wahr / daß solcherley Bley-Blatten an der Sonne wegen abneh-mender Feuchtigkeit ein wenig härter; aber doch deßwegen noch nicht in Silber verwandeltworden.Zum Dritten: Was das Bley=Ertz seye? Antwort: Es ist eine Bley=Ader, oder eineaus der Ader herkommende Materi: wobey zu bemercken fürfällt, daß in einem Bley=Berg-werck zuweilen untermischtes Silber, oder Zihn; zuweilen auch keines von beyden, nachdemnemlich die Dünste un=erschiedlich beschaffen / und das Erdreich geartet ist / gefunden werde. De-rerley Bergwercke aber gibt es in den kalten Ländern mehr ab / als in andern: Dannenherodieses Metall in Europa nach Uberfluß anzutreffen ist; da es hergegen in Indien sich nirgendsehen lässet.Politische Schluß=Rede.Alle Dinge sollen nach der Waag der Billichkeit abgewo-gen und gehandelt werden.An siehet gleich Anfangs / daß ich nach derjenigen Billich= und Gerechtigkeits=TugendCic. l.3.abzwecke / welche einem jeden das Seine giebet. „Dieselbe ist der Grund eines immer-wehrenden Lobs und guten Nahmens / ohne welche nichts preisens=würdiges geschehen„kan. Fragstu mich: In welcher Stadt zum sichersten zu leben und mit welchem Volck auf-Plutarch. richtig umzugehen seye? So antworte ich mit des Leonis Eurietatidis kurtzen Worten: Wodie Gerechtigkeit im Schwang gehet. Die fürnehmste Eigenschafft einer wohl=bestellten Stadt,und eines trefflichen Welt=Manns bestehet in der Billichkeit. Eine Republic ruhet sicher un-ter der Gerechtigkeit doppelter Schild, der aus ihren Waag-Schalen gemacht ist. Wo dieseletztere nach dem Gewicht der Verdienste entweder über sich oder unter sich schlagen; da ist dieRegierung nach der Himmlischen Vorschrifft eingerichtet: dann GOttes Weißheit hat auchalles in gewisses Maaß und Gewicht gesetzet. Bistu nun ein Richter / und hast Recht und Ge-rechtigkeit zu verwalten; so bleibe in dem Mittel=Punct des Zirckels; weiche weder zur Rechtennoch zur Lincken; und erweise dich gegen jedermann gleich=gültig / wie es nemlich das Recht er-fordert / und die Verdienste erheischen. Ein guter Schutz schiesset gerad nach dem Ziehl; undnimmt sein Absehen weder rechts noch links. Dieses soll das Schwartze aller deiner Hand-lung= und Verrichtungen seyn / daß du weder Verwandnuß / noch Freundschafft / noch Nutzbar-keit; sondern mit einem standhafften Aug / wie der Adler die Sonne / nur das Zünglein der Ge-rechtigkeit ansehest. Die Sonne ist so gerecht / daß sie die Zeichen des Thier=Creisses / und zwareines wie das andere durchlaufft / und ihre Pferde niemahlen austretten lasset / sondern immer-dar in der Mitte ihres Circkels forttreibet. Es würde die Sonne nicht hoch geachtet werden /wann
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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