der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Meinung wie auch mit folgenden Beweiß=Gründen besteiffen: Erstlichen; weilen sie / ungeachtsie klein / doch grosse und wundersame Würckungen haben; da hergegen bey keinem einigen E-lement wahrzunehmen ist / daß selbiges in einem kleinen Cörper schnell etwas grosses würckeoder leiste: wie dann ein kleines und geringes Feuer auf einmahl einen grossen Holtz=Hauffennicht verbrennen / noch ein wenig Wasser ein grosses Stuck Erdreich überflüssig benetzen kan.Zweytens; weilen die edelste und kastbarste Steine in denen Orientalischen Ländern / als in In-dien und Egypten / gefunden werden; indeme sie dorten fürnemlich die auffgehende und mittä-zige Sonne haben: da es hergegen in unsern Ländern, von denen die Sonne weiter abstehet,keine so kostbare Steine abgibt. Drittens; weilen sie wegen ihres Liechts / Klarheit / und voll-kommener Reinigkeit mit dem Himmel überem kommen; so daß auch nur hieraus leicht erhellet;es müsse der Himmel denen Edelgesteinen seine Kräfften zimlich reichlich und häuffig mittheilenJedoch damit dererley wunderliche Tugenden und Würckungen sich an den Edelgesteinen äussernmögen / wird auch eine ordentliche Zubereitung / Reinigkeit und Vermischung der Materi erfor-dert; gestalten die Himmlische Einflüsse leichtlich durch die Untüchtigkeit der Materi geringert /oder wohl gar gehindert werden können: dann / nach der Bewandnus der Materi nehmen dieHimmlischen Kräffte ihren Einfluß; wie Plato bezeuget. Ich will dahero in Erzehlung derEigenschafften und Gattungen der Edelgestein mit demjenigen Stein den Anfang machen / denman weder für einen edlen / noch für einen gemeinen Stein achtet; nemlich mit dem Christall.. 3. Der Christall ist ein hellgläntzender / Wasser oder Eiß färbiger / durchsichtiger und sechseggichter Stein. Ob aber derselbe durch die starcke Kälte aus dem Schneeoder Eyß entstehe; oder ob er ein in der Erde von der Kälte gehärteter Safft seye; darüber seynddie Authores ungleicher Meinung. Ich will die Beweißthume des einen und andern Theilskürtzlich anführen; und gleichwohlen die Beurtheilung dem Leser überlassen. Die eine grün-den sich fürnemlich darauf / daß der Christall gemeiniglich an denen Orten zu finden seye / wogrosse Schnee liegen; nemlich auf den unwegsamen Gebürgen / da man sich an Seilern herab-lassen / und selbigen zu sich ziehen muß. Dannenhero meldet Sebastian Verro, daß man denChristall auf den Alpen / die Italien und Schweitzerland von einander scheiden / häuffig antreffe.Die andere aber führen zu ihrem Behelff an; Erstlichen / daß / wann der Christall aus einem vongrosser Kälte gefrornem und erhärtetem Wasser entstünde / er von der Hitze zerschmeltzen würde;wiewohlen Scaliger darauff antwortet: Das Eyß / so noch keine Stein=Härte überkommenye annoch Wasser; und werde vom Feuer leicht zerschmoltzen; weilen es nur durch eine schnel= Scal. En-erc. 110.le und kurtze Kälte zusammen geronnen: sobalden es aber durch eine grosse und langwierigeKälte so starck und fest erhärtet seye / daß selbiges die Gestalt und Form eines härtesten Steinesangenommen / alsdann lasse es sich nicht mehr schmeltzen: Wiewohlen andere durch die Erfah-rung und genommene Proben behaupten wollen; der Christall könne auch geschmoltzen werden.Zweytens; daß man keine Ursach finde; warum der Christall / wann er ein Eyß wäre / eine sechs-eggichte Figur bekommen solte? dann dergleichen Figur seye an dem Eyß nicht wahrzunehmen.Drittens; daß aus dem Christall / wie bekannt / mit Hülff des Stahls ein Feur zuschlagen seye;welches man von dem gefrornen Wasser nicht sagen könne. Vierdtens; daß der Christall auchin den allerhitzigsten Ländern / als in den Jnsuln Madigascar, häuffig gegraben werde; da dochdorten es weder kalt seye / noch gefriere; und bezeuget Scaliger selbsten / daß man in Asien und Cy-pern auf den Feldern den Christall mit dem Pflug aus der Erden heraus hebe: Und dann / daß Seal. Ex.der Christall weit schwerer seye / als das Eyß; so ein Zeichen ist / daß er aus viel Erden bestehe.Im übrigen führt der Christall zuweilen ein grobes Bley=Ertzfärbiges Silber bey sich;und ist in Indien von dergleichen Materi ein so grosses Stück gefunden worden / daß man einGeschirr daraus verfertiget / so vier Nössel gefasset: wie dann auch Livia, des Augusti Gemah-lin / davon einen 50. Pfund schweren Kessel in das Capitolium gestifftet hat. Noch verwun-derbarlicher aber ists / was in der Histori des Königreichs Chili erzehlet wird: nemlich / es seye inselbigen Gegenden in einem tieffen Thal / so das Andische Gebürge abschneide / ein sehr grosserFluß / und in demselben eine Insul / in deren Mitte ein grosser gantz Christallener Felsen stehe / wor-ein die Lands-Inwohner durch verwunderliche Kunst einen Tempel ausgehauen / welcher allent-halben durchscheinend seye. Sonsten solle der Christall auch mit vielen Kräfften und Tugen-den begabt seyn; insonderheit solle er wider den Schwindel helffen, wann man aus einem vonihm gemachten Becher trincke. Nicht weniger hält man ihn für ein sicheres Mittel wider denGifft; und soll er ebenfalls die Krafft haben / den Durst und die Hitze zu legen..4. Der Diamant ist unter allen edlen Steinen fast der fürtrefflichste / härte-ste und schwereste; auch durchsichtig wie Wasser. Seine Härte kommt von einer allge-meinen Ursach / nemlich von der vielen Erden / wie auch überdiß von einer wohlgeleuterten Feuch-tigkeit her; und daß seine Theile auffs genaueste und festeste mit einander verbunden sind. Wieeinige vorgeben / so wächset er entweder ausser/ oder in dem Gold. Der Indianische Demantwäch-
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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