Philosophische und Politische BeschreibungZweytens: Ob ein jeder truckner und löcheriger Cörper durch die Kunst in Stein ver-wandelt werden könne? D. Morean bejahet es / und schreibet zu dem Ende folgende Weise für„Nehme Sal gemmae; Felsen=Alaun / beedes gepulvert; ungebrannte und gepulverte Kißling;„geloͤschten Kalch; weissen Essig / jedes gleich viel. Menge alles unter einander / und wann es„anfangt zu fermentiren, so lege den Cörper, den du zu Stein machen wilt, darein; es seyen„hernach gleich Menschen=Gebeine / oder sehr dürres und löcheriges Holtz / oder Fisch=Bein oder„etwas anderes dergleichen. Sobalden als es von ersagten Materien vermittelst der Fermen-„tation durchdrungen ist; so wird es zugleich in einen Cörper dergestalten zusammen wach-„sen / daß es binnen 4. oder höchstens 6. Tagen eine dichte und steinerne Härtigkeit überkom-„men wird. Nach eben ernannten Autkors Bericht können nicht weniger vermittelst desBiers, Leims, Saltzes, Kalchs, Sands, und zerbrochner Stein-Stücker gemeine Steine; jaaus Gyps, Kalch, Saltz und Ochsen-Blut, darunter man weiters allerhand Farben zu mengenhat / auch ein Marmor selbsten gemacht; und dieser letztere / wann man ihn von selbsten trocknenund erharten lasset / zum Gebrauch geschliffen und poliert werden.Politische Schluß=Rede.Je mehr die Tugend getruckt wird / je höher steigt sieempor.ALle Dinge in der Welt werden durch eine stetswährende Abwechßlung erhalten; unter-drückt und wieder auffgericht: Sobalden sie hervor kommen / nehmen sie die Natur derSonnen an; und eilen vom Untergang zum Auffgang. Auf einen trüben Morgen fol-get ein heiterer Mittag; und die schöne Garten=Gewächse / welche in der Nacht erstorben zu seyngeschienen / geniessen bey Annäherung der Morgenröthe wieder einen angenehmen Lufft. AufDie Corallen liegen in der Tieffe vergraben, und seynd im Duncklen verborgen, nicht andersals wann die Natur ihrer vergessen hatte: doch kommen sie endlich aus dem Grund in die Hö-he herauff. Stehen sie an der Lufft, so werden sie zu einem edlen Gestein; und ziehen als Kö-nige unter den Perlen bey Erblickung des Himmels einen rothen Purpur an. Was ist die Tu-gend anders / dann eine Perle der Seelen; sie ist eine Coralle / eine Zierde des Hertzens / ein Ge-müths-Frucht / dem der Himmel selbst zur Gebuhrt verhülfft: Noch dannoch wird sie verachtet /nur weilen sie die Dunckelheit liebet; und durch den grossen Haß ihrer Verfolgung geräth sieCicer. lib. in die Finsternuß; gleich als wann sie der Lufft und des Liechts nicht würdig wäre! „Dann diede republ. „Tugend wird entweder von undanckbaren / oder neydischen Gesellen / oder mächtigen Feinden„ihres verdienten Lohns beraubet. Offt muß ein Socrates in einem Mist=Winckel liegen; dahergegen ein Fauler am Ruder sitzet. Die Tugend muß sich von der Welt verspotten lassen;und ist den Gottlosen ein Dorn in den Augen. Sie getraut sich nicht den Neidigen unter dieLips. ma. Augen zu tretten / weilen sie ein schlimmes Gesicht haben. „Was löblich / was ehrbar / was auff-„richtig ist, das ist bey bösen und knechtischen Gemüthern verhast. Die Tugend leidet zwarnuduct.l.i. dissert, aber aus fremder Schuld; sie wird verächtlich / aber nur durch die / so sie anschauen. „Doch„zuletzt, ob sie schon von Gottlosen Leuten getrucket wird, schwingt sie sich empor; und die Un-„schuld, so ohne Schutz seyn müssen, kommt endlich zu Kräfften. Ein aus dem Mund gestosse-Cicer. pro nes Wort laufft nach der Einsamkeit, als wann desselben ewig vergessen werden solte: kommetCluent.aber nur desto glücklicher wieder hervor, wann der widerschallende Eccho sein Lob verkündet.Die Tugend wird zwar ins Elend getrieben, und nicht anders, als wann alle Widerwärtigkei-ten allein auf sie zustürmen müsten / durch Federn und Zungen verleumdet; sie ist aber deßwegeneben nicht unglückseelig / sondern scheinet / wie die mit Wolcken bedeckte Sonne / wann selbigevorüber gegangen / nur desto heller. „Die Tugend ruhet / wann alles stürmet; sie leuchtet imCis. pro„Finsternuß; sie bleibet im Vatterland, ob man sie gleich hinaus stosset; sie gläntzet allzeit ausSextio.„eignen Kräfften; und wird durch fremden Unstat nicht beschmitzet. Die Rose erhält den Ge-ruch ihrer Blätter länger unter den Neßlen / als unter den Blumen selbsten. Die Stachlen desNeyds verwunden zwar die Tugend; allein, diese Wunden seynd die Striche, womit sie schönergemahlt, und zu grössern Ehren erhoben wird. „Wann die Tugend leidet, so überwindet sieDerjenige begehet einen starcken Fehler / der den Glantz der Tugend eine Zeitlang von sich leget /und die Hitze der Lasten anziehet, damit er der Welt, welche die Tugend haßt, wohlgefalle. Legedu ja das Kleid der Tugend niemahlen von dir: die Zeit wird dich zuletzt schon an das TagsLiecht bringen und in einen bessern Stand setzen. Dieses ist dem Kayser Ferdinando II. ge-Lamorm. meiniglich begegnet / der da in den grösten Gefahren versicherte: „Er wolte lieber des Reichs10 vii. „und aller Herrlichkeit beraubt seyn / und mit seiner gantzen Familie von Hauß zu Hauß das All-mosen
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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