Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
359
Einzelbild herunterladen
 

1

der in der obern Lufft erzeugten Dinge.wiewolen diese letztere Meinung unschwer darum zu widerlegen wäre / Erstlich; weilen das Saltzmehr Safft aus dem Oehl / als das Oehl aus dem Saltz sauget; und zweytens / weilen / obschondas Saltz einen fetten Safft mittheilte / wodurch die Flamme ernährt würde / so wäre doch inWarheit derselbige so gering und wenig / daß man ihn für einen mercklichen Zusatz und Bey-huͤlffe gantz nicht halten koͤnte.Zum Andern: Warum das Saltz, wann es auf glüende Kohlen geworffen wird, knalleund darvon springe? Antwort: Weilen die wenige Feuchtigkeit und Lufft / so in demselben ist /durch die Hitze sich verduͤnnert / auch dahero einen grosseren Raum suchet / und mit einem Ge-prassel heraus bricht. Doch wann man es in ein starckes Feuer wirfft / so knallt es nicht; in-deme die grosse Gewalt der Hitze alsbalden die Ober-Hand gewinnet.Für eine Zugabe wollen wir noch folgendes / so zur Historischen Wissenschafft dienlich /beyruͤcken: Ramusius erzehlet: Das gegrabene Saltz seye in der Provintz Tabetha in so hohem Kamus. 1.Werth / daß man sich desselbigen / wie des Golds / für eine Müntz bediene. Der Tarentinische 2.1.2.c.3.See trücknet im Sommer dermassen ein, daß er gantz zu Saltz wird: ja es verwandlet sich dieOberfläche etlicher Flüsse in Saltz / also daß das übrige Wasser wie unter einem Eiß hinfliesset;dergleichen bey der Caspischen Meer-Enge zu finden / die man deßwegen Saltz-Flüsse nennet.In den Podolischen Wüsteneyen ist ein See, dessen Wasser durch der Sonnen=Hitze zu einemso dicken und dichten Saltz gerinnet / daß Menschen und Vieh darüber gehen können / und das=Thuanselbe zerstückter hin und wieder verführet wird. In Datien gibt es viel gegrabnes Saltz ab. 1.56.In Arabien wohnen die Leute in Häusern / die von lauter Saltz=Steinen auffgebauet seyn. InIndien wird das Saltz auf dem Berg Oxomeno wie aus einem Stein=Bruch gegraben / unddardurch den Königlichen Zoll=Gefällen mehr nutzen / dann durch den Gold= und Perlen=Han-del geschafft. Nicht weit von Astracan stehen zwey Berge / die einen solchen Uberfluß an Saltzhaben / daß / ob man schon alle Tag funffzig tausend Stuck davon hauet / es doch scheinet / alswann fast nichts davon wäre genommen worden: ja je mehr man hinweg hauet, je mehr im= Petr. Pe-mer dargegen wieder anwächset: welches auch Johann Gerundius von einem Saltz=Berg in trejus, inspanien berichtet: und mag die Ursach eines so grossen Uberflusses etwa diese seyn; daß das descript.selbsten eine sehr haͤuffige Materi von Ausdünstungen sich finden muß / welche alsbalden wieder= Russ.um zu einem Saltz gerinnen.Politische Schluß=Rede.Ein Staat empfähet seinen grösten Nutzen von guten Künstenund Wiſſenſchafften.ZInweg mit der Bäurischen / und vom Acker=Wesen hergenommnen Meinung! die derzum Pflug gebohrne und aufferzogne C. Valerius Licimus geführet: Nemlich / gute,Künsten und Wissenschafften seyen der Republiquen Pestilentz. Es verdienet derjenigekeinen Lorbeer-Krantz, der die Lehrer freyer Künsten verjaget. Wer die studirende Jugend einGifft der Städte nennet / solle billich bey dem Pflug und Holtz=Axt sein Leben hinbringen: dannwelcher die Wissenschafften hasset, ist blind und kan nimmermehr ein richtiges Urtheil fällen.Ein Ungelehrter ist sehend blind / wie Aristoteles bekräfftiget. Es bleibt bey dem / was KönigAlphonius von einem Fürsten / der keine Gelehrte an seinem Hoffe leiden wollen / zu sagen pfleg-te: Diß ist keines Menschen / sondern eines Ochsen Stimme. Auf was für einem Grund dasgemeine Wesen bestehen; durch was für Mittlen ein Politischer Staat erhalten; und wie dieHöfe und Rath=Häuser gezieret werden sollen; das last uns von dem Ungarischen König La-dislao vernemmen. Derselbe versicherte; daß er den für keinen Menschen hielte / welcher nichtstudiret hätte. Des Apicii Taffel hat nichts schmackhafftes / wann es ihr an Saltz ermangelt;a es erwecket einen Eckel, wo man die herrlichste Speisen ohne Saltz geniessen soll. Das-Saltz erfrischet den Mund / und gibt den Speisen einen Geschmack: Aus ihm entsproßt diebeste Kost. Das Saltz ist des gemeinen Lebens Unterhalt; und die Wissenschafften seyndeine Blüthe der Weißheit. Das Saltz verwahret die todte Leichnam vor der Fäulung; und dasLeben ohne Wissenschafften ist ein Todt / und ein Grab eines lebendigen MenschenDerjenigeLeib ist ohne Haupt, so von einem Haupt regieret wird, worinnen keine Weißheit befindlich: 83.dann es ist ein Haupt=Schade / wann man van einem Haupt regieret wird / das kein Hirn hat.Worinn der Unterschied zwischen einem Gelehrten und Ungelehrten seye / hat uns Aristoteles an-gezeiget; Nemlich eben darinn er sich zwischen einem Todten und einem Lebendigen zeige.;Ein Reich ist todt / dem die Weißheit / das ist / die Seele / mangelt. Ein Haupt / das an Wissen-schafften leer ist / wird höchst unrecht mit Lorbeer gekrönt: dann die Lorbeer wachsen nur für dieWei⸗