Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
354
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Philosophische und Politische BeschreibungZum Vierdten: Daß des Alberti M. Meinung nicht bestehen möge / welcher eine fetteFeuchtigkeit für der Metallen Materi angegeben: Item das der Agricola irre / der da glaubet /diese Materi seye eine mit Wasser vermischte Erde: ingleichem daß die erfahrneste Laborantensich verstossen / wann sie behaupten wollen / der Schwefel und das Quecksilber verschaffen denenMetallen die Materi, und bekommen aus derselben ihrer beeder unterschiedlicher Eigenschafftihre Vermischung. Wiewohlen die letztere von dem Aristotele eben nicht sonderlich abgehenindeme er die Dunste zu der metallen entferneten Materi; sie aber hergegen den Schwefel unddas Quecksilber zu der nechsten Materi machen; und sagen / daß die Metalle aus erst=bemeldtenDünsten / als aus der entferneten Materi / entspringen und zusammen wachsen.Hiebey wird noch gefragt Erstlichen: Wie die Schmeltzung der Metallen zu erklärenseye? Ich antworte; auf folgende Weiß: Die Hitze hat die Krafft die Feuchtigkeit auffzulösen /also daß dieselbe fliesset: Wann demnach in etlichen Dingen sich eine und zwar wol zusammengepreste / und mit seinen selbst=ständigen Theilen also vereinigte Feuchtigkeit findet / daß sie von sel-biger nicht kan geschieden werden; und erdeute Feuchtigkeit von der hefftigen Hitze auffgelöstund dergestalten verdünnert wird, daß sie fliesset; so muß alsdann das gantze auch selbst=stän-dige Wesen zugleich mit der Feuchtigkeit fliessen / weil es von seiner Feuchtigkeit sich nicht absondernlasset. Deßwegen dann zur Ursach, warum der Laim von der Hitze durr werde, das Wachsaber schmeltze und fliesse, dieses angeführet wird; weilen nemlich die Feuchtigkeit des Wachsesmit dem selbst=ständigen Wesen sehr wohl zusammen gepreßt ist: Dahero wann die Feuchtig-keit von der starcken Hitze zerfliesset / so fliesset auch das selbst-ständige Wesen das WachsesHerentgegen ist die Feuchtigkeit des Laims mit seiner Substanz und Wesen nicht gar wohl zu-sammen gepreßt; und daher kommt es, daß, wann eine solche Feuchtigkeit von der Hitze fliesset,sie von des Laims Substanz oder Wesen abgesondert wird / und also dieses letztre nach Abgangder Feuchtigkeit erhaͤrtet.Zweytens: Warum die Metalle auf jehen / unfruchtbaren und steinigen Bergen anzu-treffen seyen? Antwort: Darum; weilen, wann die metallische Dünste zusammen wachsensollen, die oben liegende Steine denen Dünsten den Ausgang verwehren müssen: welches daes nicht geschiehet, indeme etwa die Steine nicht dick genug seynd, so wird zwar ein an denSteinen anklebendes metallisches Wesen, aber sonsten keine Ertz=Ader gefunden.Drittens: Ob in denen Fluͤssen auch Metalle wachsen; weilen man in selbigen offtGold=Silber= und andere Metall=Spänlein antrifft? Ich antworte mit Nein? Dann in denFlüssen wächst / zum Exempel kein Gold; sondern sie führen selbiges / wann es vorher aus denErden wo sie vorbey lauffen, gegraben, und aus den Bergen mit den Ströhmen weggeflöstworden / mit sich fort: und ist auch kein schöneres als das Fluß=Gold / indem es durch das steteLauffen des Wassers gewaschen und poliret wird.Politische Schluß-Rede.Die Rathschläge sollen geheim gehaltenwerden.Je vortrefflichste Dinge werden von der Natur verborgen: Sie steckt das Gold unddie Perlen in finstere Ort; jenes nemlich in den Bauch der Erden, und diese in denKasten ihrer Muschel. Wir tretten offt einen ungeformten Erden-Kloß mit Füssen;aus welchem aber der, so mit dem Brenn-Ofen umzugehen, und durch den Brenn-Kolbendas kostbahre von dem schlechten abzusondern weist, ihme Schätze sammlen kan: DannDinge von hohem Werth liegen verborgen, und bleiben tieff vergraben. Die Rathschlä-ge kluger Leute seynd dermassen kostbahr / daß M. Aurelius Antoninus sie die Seele des Kö-nigs, und den besten Theil des Reichs genennet: Gleichwie aber rare Sachen, wann mansie jederman zu schauen gibt, viel von ihrem Werth verliehren; also kommen auch alleRathschläge in Verachtung / und ihre Krafft verschwindet / wann sie nicht in geheim ge-halten werden. Rathschläge seynd Kinder der Königlichen Brust, und mit einereingenaturten Majestät begabt: So balden sie offenbahr werden / seynd sie verachtet.