Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
352
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Philosophische und Politische Beschreibung§. 2. Gleichwie die Materi aller harten Dingen / welche in der Höhe oder in der Luffter-zeugt werden / ein zweyfacher Dunst ist / ein trockner / und ein feuchter; also ist die Materi derenharten Dingen / die in der Tieffe der Erden ihren Wachsthum haben / auch ein zweyfacher pro-portionirter Dampff / ein trockner und ein feuchter. Dannenhero wie die Eigenschafft einertrocknen Ausdünstung darinn bestehet / daß selbe sich anzünden lasse / und ausrauche; hergegeneines feuchten Dampffs / daß er schmeltze und fliesse: also kommen die harte Dinge / so sich an-zünden lassen und ausrauchen / aus einem trocknen; und diejenige / so schmeltzen und fliessen / auseinem feuchten Dampff her.§. 3. Aristoteles erhärtet gantz recht / daß die gegrabne unmetallische Dinge auffolgende Weise entspringen? Nemlich, vermittelst der so wohl innerlichen Hitze, so die Erdeselbsten in ihrem Busen nähret, als auch der äusserlichen, die von den Sonnen=Strahlen her-kommet / werden in der Erden trockne und sehr hitzige Dünste erreget; welche die irrdische unddicke Materi, an die sie sich anhängen, und selbige durchschlieffen, austrücknen, verändern, fär-ben / und solchergestalten als Werckzeuge / zur Erziehlung tüchtig machen; wodurch auch hernachgeschiehet / daß die Haupt=Ursachen insonderheit der Himmlischen Cörper, wie auch der unterirr-dischen Feuren ein Mineral oder Ertz hervor bringen.Hieraus nun machet man den Schluß; Erstlich: Daß diejenige Mineralien die einemgefaͤrbten Pulver gleichen / als da seynd der Schwefel / die Mini / der Alaun und so fort / sich als-dann erziehlen / wann die trockne Ausdünstung oder Hauch eine solche Krafft hat / daß sie die di-cke Materi / an die sie sich anhenget / etlicher maffen anbrennt / und verursacht / daß fast alle / auchdie subtileste Feuchtigkeit ausrauchen muß: Da hergegen Steine wachsen / wann eben gemeldtetrockne Ausdunstung die Materi nicht versengt / sondern bloß die dicke und überflüssige Feuchtkeit ausdämpffen macht; die subtile aber vollkommlich mit denen trocknen und irrdischen Thei-len vermischet und vereiniget.Zum Andern: Daß in denen Mineralien allzeit etwas feuchtes zuruck bleibet; sonstenwürden die trockne Theile nicht aneinander hangen.Zum Dritten: Daß die Hitze und die Kälte / als pur lautere Zufälligkeiten / nur blossewürckende und tauglich machende Ursachen der Mineralien seyen: dann die ausgegrabne Din-ge haben ihre eigene wesentliche Form, und bestehen nicht aus der verschiedenen Zusammenfü-gung der Cörper allein: Unterdessen ists unlaugbahr / daß aus einem Accidens oder zufälligemDing auch nur zum Theil einiges selbst=ständige Wesen nicht entstehen kan.Zum Vierdten: Daß die Haupt=Krafft oder Tugend der ausgegrabnen Dingen voneinem Himmlischen Coͤrper herkomme; welche denen Mineralien einige verborgene Eigenschaff-ten mittheilet / wodurch sie wunderbarliche Sachen würcken; wie an dem Magnet, der das Ei-sen an sich ziehet, und an mehr andern edlen Gesteinen zu ersehen.Zum Fünfften: Daß der Unterschied der Mineralien von dem Unterschied der Ausdün-stungen herrühre: Dann die Ausdünstungen sind nicht alle von einerley Art; gestalten wie dieMinern und Bergwercke unterschiedlich seynd / also schicken sie auch unterschiedliche Ausdün-stungen von sich; und wie in einem Land nicht alles wächset / also haben ebenfalls nicht alleBergwercke einerley Ausdunstungen.§. 4. Die Erzeugung der Metallen wird gantz recht von dem Aristotele auf fol-gende Weiß erklärt: Nemlichen / die feuchte Ausdünstungen werden in der Erden durch diestarcke Hitze erregt, und steigen so dann in die Höhe, stossen mithin an denen oben stehendenSteinen an / hengen sich an dieselbe / und werden durch ihre grosse Kälte / also zusammen getrie-ben, daß sie mit denen häuffigen Eisern und trucknen Cörperlen wie ein Thau oder Reiffe zu-sammen rinnen; welcher Thau hernach weiters / wann die Kälte mit ihrer Würckung fortfäh-ret, und daß darunter liegende Bergwerck neue Dünste über sich schicket, mehr und mehr an-wächset, dick und hart, und endlich zu einem Metall wird. Daraus last sich schliessen.Erstlichen: Daß die Materi der Metallen ein feuchter unter der Erden fürnemlich in de-nen Steinen eingeschlossner, und wegen der Erden und der Steine Kälte und Trockenheit zu-sammen geronnener Dunst seye; der gleichwie der Thau und der Reiffe aus einem von derErden auffgestiegnem, und durch die Kälte der umherstehenden Lufft verdicktem Dunst entste-het; also auch die Metalle aus einem in der Erde steckendem und wegen vorgemeldter Kälte zu-sammen getriebnem Dunst ihren Uhrsprung nehmen. Welches dann am besten darmit erhär-tet werden kan, daß zuweilen auch in der Lufft aus denen über sich steigenden Dünsten Eisen,Ertz / und dergleichen / wie die Erfahrung lehret / sich zu erziehlen pfleget: Dann in Persien hates öffters eherne und denen hackigen Pfeil=Spitzen ähnliche Cörper in einem Donner=Wettergeregnet; und ist auch einsmals ein 50. Pfund schweres und so hartes Stuck Eisen / daß man esnicht zerbrechen können / vom Himmel gefallen. Dahero dann eine Ausdünstung / wann sie inder Lufft zu einem Metall werden mag / noch viel leichter in der Erden darzu gelangen kan;Dann