Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
336
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Philosophische und Politische BeschreibungVersicherung / und Donner-Keule in die Hände gegeben / die Widerspenstige darmit zu straffen.Gleichwolen aber träget er die Waffen der rächenden Gerechtigkeit also / daß er mit der gewap-neten Gnade vielmehr schonet / als straffet. Ein Fürst hat die Natur des Ætnæ und Vesuvü;er ist auswendig mit Schnee und Eyß überzogen; er frieret vor Gütig= und Langmüthigkeit: jaer ist ein pures Eyß/eben als wann er zur Gerechtigkeit erfroren/ und zur Straffe erkaltet wäre.Jnwendig aber hegt der Ætna ein immerwährendes Feuer; auswendig ist er kalt/ und innenbrennet er. Er speyet ohne Mühe Flammen aus / weilen sein inwendiger Hauß=Rath in einerlauteren Brunst bestehet. Wer weist nicht / daß die Fürsten Berge unter den Menschen seynd?dann sie ragen über alle Menschen hinaus. Sie gehen nicht nur allen vor, sondern auch überalle: Sie seynd Bildnusse der Gottheit, Lebens-Geister der Republic, guldene Conterseite GOt-tes, Wächter des Menschlichen Geschlechts, die Fürnehmste unter den Sterblichen, und dieNächste nach GOtt. Wer diese lebendige Abbildungen der Gottheit / die denen Unterthanenlauter Gutthaten erweisen / verachtet / der begehet einen Kirchen=Raub; und wer sie erzörnet / thutein schweres Verbrechen. Die Fürsten verzehren sich dem gemeinen Wesen zum Nutzen wiedie Facklen; sie behalten nichts vor sich / wie die Bronnen; sie erstrecken sich in die unten liegen-de Thäler wie die Berge; weil ihr Vorzug nichts anders ist, dann eine Vorstehung. Wernun zum Zorn reitzen / und ungestrafft bleiben? ungeachtet sie nun ein zur Barmhertzig-keit geneigtes Gemüth haben / und von Liebe brennen; so tragen sie doch Flammen bey sich / da-mit sie im Straffen auch ihren Ernst zeigen mögen. Pythagoras pflegte zu sagen: Schlagenicht mit dem Schwerdt in das Feuer. Wer die Botten und Gesandten GOttes erzörnet, derblaset in das Feur / oder machet eine Oeffnung in den Berg Ætna, damit er desto grausamerDiog. La- seine Flammen auswerffe.Gleichwie das Feuer je mehr und mehr zunimmt / je hefftiger mandemselben zuschieret; also wird auch der Zorn / wann man ihn reitzet immerdar stärcker undgrausamer. Der Diamant wird unter dem Hammer nur härter; und daß zum Liebengenaturte Hertz des Königs von einem störrigen Unterthanen erbittert gemacht. Es bleibt wohlwahr / was Publius sagt:Mutat se bonitas, cùm irrites injuriâBonus animus laesus graviùs multò irasciturFuror fit laesa ſæpiùs patientia.Die Güte ändert sich / wann man ihr Schmach alleget:Es wird ein sanfft Gemüth viel hefftiger bewegetUnd die Versöhnung findt bey ihme wenig StattSo man dasselb einmahl gar hart beleidigt hat.Ja / die Gedult / muß sie sich offt mißbrauchen lassen /Wird letzt zu einer Wuth / die keine Maaß kan fassen.Was ist lieblicher als die Bienen? Sie seynd Müttere und Gebährerinnen der Süssigkeitdoch wann man sie erzörnet / findet man sie nicht ohne Stachel. Ihre Gütigkeit ist bewaffnet,Plut apud und das Hönig ist mit Wunden vergesellschafftet. Wer die Süssigkeit verfolgt / der wird denDiog. La. Stachel fühlen. Plutarchus ermahnet; man solle ja die Gewaltige nicht zum Zorn bewegen.Dann wer dieselbe antastet / der beleidiget des Juppiters Kinder. Soll man dañ nicht der See-ert. l.8.le des Volcks / dem Haupt der Menschen / dem Gestirn des Menschlichen Geschlechts und demSchatten der Gottheit Ehre erweisen / und dessen Majestät erkennen? Welch grosser Unterschiedfindt sich zwischen dem Gemuth / und dem Leib? Jenes ist Göttlich; dieser elend und verächtlich.Welcher Unterschied / zwischen dem Haupt und den Füssen? jenes ist die Haupt=Stadt der Sin-nen / und das Capitolium des Gemüths; diese seynd zum tragen / und für die Erde gewidmet.Welcher Unterschied ferner / zwischen der Sonnen und dem kleinen Sieben=Gestirn? jene ist dasAug der Welt / und der Schatz-Kasten alles Liechts; dieses aber unstet und dunckel. Eben die-ser Unterschied zeigt sich auch zwischen dem König und dem Unterthanen / zwischen dem Fürstenund einem gemeinen Mann. Dann den Ersten schmählich angreiffen / und die Majestät erzör-nen / ist ein straffbahres Verbrechen. Rühre die Berge an / so werden sie rauchen. Der FürstenZorn ist feurig / und obschon das Feuer leicht ist / so hat doch der Könige Zorn allzeit ein schweh-res Gewicht: dann wo der Zorn und die Gewalt beysammen seyn / da folget gewiß ein Donner-schlag. Das lang zuruckgehaltne/ und wider eines gutigen Fürsten Willen eingesteckte Schwerdtfähret viel härter daher / als ein immer saur=sehendes Angesicht / welches ohne Unterlaß die Stirnrüntzelt. Dann des ersten vermuthet man sich nicht; da hergegen man das letztern schon ge-wohnet