Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
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Philosophische und Politische Beschreibunglen biß an ihre Spitze begreiffen; allein / es wird solches sonder Zweifel / wie wir zuvor erinnert /nicht von ihrer gerad abfallenden Lini zuverstehen seyn müssen.Sechstens: Warum die höheste Gebürge immerdar mit Schnee bedeckt seyen? Ant-wort: Die Ursach dieses stetsbleibenden Schnees mag von der Kälte herrühren; indeme bekannt /daß von den zurückschlagenden Sonnen-Strahlen die zweyte Lufft-Gegend / als biß in welcheermeldte Berge hinauff reichen / nicht berührt oder erwärmt werden könne. Uber erst=ersagteOlaus l.3. Gebürge finden sich auch in Schweden die Doffrinische Alpen, von welchen der abfallendeSchnee zu einer solchen ungeheuren Grösse sich auffwältzen und anwachsen solle / daß er gantzeDörffer, die unten in der Nähe liegen, überdecke und gleichsam begrabe. Von dem BergLibanon wird dieses merck=und wunder=würdige berichtet / daß selbiger und zwar fürnemlich imSommer alle vier Jahrs=Zeiten an seinen vier Theilen / wann er der Höhe nach betrachtet wird /vorstelle: Dann unten an dem Berge ist eine grosse Hitze / so den Sommer anzeigt; ein wenighöher hinauff grünet und floriret alles / und spühret man eine liebliche gemässigte Lufft; nochweiter oben wehet eine Herbst-Lufft, und stehen die Früchte daselbsten in voller Zeitigung; zuoberst aber verursacht der dorten häuffige Schnee und Eyß eine hefftige Kälte; so daß sich da-hero die höchste Spitze durchaus nicht besteigen lässet.Siebendes: Woher auf den Spitzen der Berge die Seen und Brunnen entstehen?Antwort: Solches kan man unschwer aus dem, was bey denen Bron-Quellen gemeldet wor-den / ersehen: nemlich / die Seen auf den Bergen mögen einen doppelten Uhrsprung habendann entweder bekommen sie ihr Wasser von denen Regen=Güssen / und stets liegen=bleibendenSchneen; oder sie haben ihre Gemeinschafft und Zufluß von dem Meer / wie die Flüsse: wie aberdie Wasser wider ihre Natur in die Höhe steigen / davon haben wir an derjenigen Stelle Nach-richt gegeben, wo wir von den Flüssen gehandelt. Ein dergleichen See wird auf der Spitzedes Carpatischen Gebürgs / so man sonsten das Meer=Aug zu nennen pfleget / gesehen; und indenselben / ohngeachtet er ungemein weit von dem Meer ablieget / öffters Stücke von zerscheiter-ten Schiffen schwimmend gefunden: Da dann glaublich ist / daß solcherley traurige Zeichen ei-nes Schiffbruchs durch einen verborgnen unterirrdischen Gang dahin gekommen seyen. Sokan man sich auch nicht genugsam verwundern / daß ausser diesem noch viel andere Dinge aufden höchsten Berg-Spitzen wahrgenommen werden / die sonsten eigentlich nur in dem MeerHirnb. de und tieffen Flüffen anzutreffen. Hieronymus Hirnbaim erzehlet / daß es auf den höchsten Spi-thypogen. tzen der Veronesischen Alpen sehr viel Muscheln abgebe. So gedencket auch Zeilerus eineshum. c. 9. Bergs in Franckreich / der an der Garonne nahe bey dem Schloß Cadilac von zimlicher Grössemitten in einem weiten Feld lieget/ und aus lauter Ausster-Muscheln bestehet.Achtens: Was noch weiters bey und von den Bergen herkomme? Antwort: Es wirdvon denen Scribenten viel und mancherley angeführt / so ich aber meistentheils für Fabel=Werckachte; weil es mit denen Meteorologischen Grund=Saͤtzen nicht uͤberein stimmen kan. P. JoannesPaës in seiner Abyssinlschen Histori beschreibt einen parabolisch=ausgehöhlten Berg / der da diegegen ihm ausgelassene Stimme bey 50. Schritt weit wiederum zuruck geben solle. Dieseswiderhallenden Bergs verborgner Natur=Krafft nun wissen sich die Götzen=Pfaffen gar wohlzu bedienen / und ertheilen denen elenden Leuten durch solcherley heimliche Stimmen Nachrichtvon ihrem künfftigen Schicksel; wiewohlen die arme betrogne Menschen, welche glauben, daßsie einen Göttlichen Ausspruch hören / wann sie das anbefohlne mit blinder Unvorsichtigkeit ver-richten wollen / öffters in das gröste Unglück gestürtzet werden. In dem Schweitzerland nichtweit von Lucern ist ein Berg / dessen Abgrund / wann ein Stein darein geworffen wird / ein großses Ungewitter erreget: Welches / da es sich also verhält / die Muthmassung an Handen giebet;als ob unter ersagtem Abgrund einige verborgne Pfützen wären, die durch die kleinste Bewe-zung ihre Dünste von sich stossen / und einfolglich überflüssigen Regen verursachen; zumahlenda es auf dererley Bergen wegen der haͤuffigen Ausduͤnstungen selten ein heiterer Himmel sicheiget / und sie vielmehr beständig mit Wolcken bedecket seyn. Von eben einem solchen Berg inder Tartarey berichtet auch Vincentius Bellovacensis; daß in selbigem ein gewisses Loch seye /woraus zu Winters=Zeit ein so ungeheurer und hefftiger Wind hervorgehen solle / daß fast keinMensch allda ohne ausgenscheinliche Gefahr vorbey reisen könne.P. Hazart in seiner Kirchen=Histori von Peru gedencket eines in einer Peruvianischen Pro-vintz liegenden Felsen / De los Conchucos genant; bey dessen Wurtzel oder unterstem Theil eineBeer=schwartze Materi hervorwachsen, und in derselben durch wunderbahres Kunst=Spiel derNatur gantz weisse Steinlein befindlich seyn sollen: erdeute schwartze Materi ist das allerstärck-ste Gifft; die weisse Steinlein aber geben die heylsamste Artzney sowohl wider dasselbe Gifft / alsauch wider andere Kranckheiten; so daß die Lands-Einwohner vermeldte weisse Steinlein in sehrhohem Werth halten; und ferner dieses dabey billich zu bewundern stehet / daß an statt der weg-genommenen in kurtzem an demselben Ort wiederum andere anwachsen.