Philosophische und Politische BeschreibungGleichwie in der Gebuhrt die Kinder Seelen kriegenDie bey denselben ungleich sind:So wann man neue Städte gründtBringt auch der erste Tag daran der Bau gestiegenUnd das Werck in den Anfang trittEin eigen Schicksel ihnen mit.Dieses hat keines Beweises nöthig: Dann / wie der Poet dichtet:Omnia vertiCernimus, atque alias assumere pondera gentes;Concidere has.Wir sehn / daß alles sich in einem Creyß umdrehet;Daß diß Volck mächtig wird / und jenes untergehet.Doch / wie sehr auch ein Land und Koͤnigreich sich zu seinem Fall zu neigen scheinet / so wird selbi-ges doch keinen Sturtz zu förchten haben / wann es auf dem Grund=Pfeiler der Gottesforchtruhet. Deßwegen Sinesius solche denen Regenten aufs eyfrigste mit folgenden Worten anbe-fiehlet: „Die Gottesforcht solle die Grund-Veste seyn / worauff das Bild des Königreichs„unbeweglich stehen möge. Die Heyden selbsten haben diese Erinnerung für höchst nutzbahrund heilsam angesehen: Dahero es dann geschehen, daß Romulus, der Uhrheber der StadtRom / als er den ersten Grund=Stein daran gelegt / zugleich eine / wiewohlen irrige Religion ein-geführet / und dem alles erhaltenden und tragenden Jupiter Götzen=Tempel auffgerichtet / auchandern Göttern auf Albanische Weiß / item dem Griechischen Hercules geopffert. Livius mel-Liv. l.1det / es habe nachgehends Numa Pompilius, der zweyte Römische König / das wilde und unge-äumte Volck mittelst der Anordnung einer Religion / und nutzlicher Gesetzen gebändiget / undsein Reich dermassen befestiget, daß so lang er regieret, ihne niemand mit Krieg überzogen.Nemlich / die Gottesforcht ist zu allen Dingen nutz. Was durch die Religion fest gesetzt ist / dasbringt dem Königlichen Thron keine Veränderung. Die Kron lieget sicher genug / die von derLiebe GOttes bewahret wird. Das unbändige Wesen eines frechen Volcks kan nicht besserCie. I.1. de als durch die heilige Forcht GOttes in die gebührende Schrancken getrieben werden. „Wonat Deor. „keine Gottesforcht vorhanden ist / da kan auch unmöglich weder Treue / noch Menschliche Ge-Joseph. I. „sellschafft / noch die edelste aller Tugenden / die Gerechtigkeit gefunden werden. Josephus er-6. de bello zehlet / daß die Römische Kayser den herrlichen Tempel Salomonis nicht nur hoch geachtet / son-dern auch trefflich beschencket, damit sie dardurch auch einen fremden GOtt ihnen zuwenden,und seine Gnade erlangen möchten. Derowegen Cicero sich nicht gescheuet / zu rühmen:„Alle Völcker und Nationen würden von denen Römern nicht zwar eben an Listigkeit und„Stärcke, sondern fürnemlich an Frömmigkeit und Gottesforcht übertroffen. Gleichwie abereines Fürsten gröste Sorge zur Erhaltung seines Reichs Wohlfahrt diese seyn solle / daß er seinenUnterthanen die Gottesforcht einflösse / also muß er seines Theils sich auch fürnemlich derselbigen befleissigen. Der mächtige Arragonische König Alphonsus hat pflegen zu sagen: „Die„so über andere herrschen / sollen und müssen um so viel besser und frömmer / als die gemeine„Leute seyn / um wie viel sie diesen letztern an Ehren und Würden vorgehen. Und zwar nichtunbillich: Dann was bührt sich mehrers / als daß der denjenigen für seinen Herren erkenne undehre / welcher ihn zu einem Herren gemacht? Demnach hat Agapetus Diaconus den KayserJustinianum gar geschicklich angeredet: „Weil du das Reichs Zepter von GOtt empfangen /„so soltu nur dahin gedencken / wie du deme gefallen mögest / der dir selbigen in die Hände gege-„ben; und weil du allen Menschen vorgesetzt bist / so soltu auch ihn vor allen zu verehren nicht„verweilen. Und auf diese Weiß kan ein Fürst die Göttliche Güte zu seines Reichs beglücktemWohlstand erwerben; und dardurch zuwegen bringen / daß GOTT mit und für ihne streitet.Wer in Noth und Gefahr um Liecht und Verstand von oben herab bittet / dem wird die Gött-liche Weißheit guten Rath ertheilen: Wer die Himmlische Hülffe wider seine Feinde anruffet /dem wird der Arm durch Göttliche Krafft gestärcket: Wer durch innerliche Unruhen und hin-terlistige Nachstellungen in Gefahr kommet / den wird der Höchste mit seinem Schutz bedecken;und er also mit GOtt / gleichsam als ein anderer Gott / keiner Veränderung unterworffen seyn;auch sein Reich / weil es auf Atlantischen Schultern ruhet / wider alle Sturm=Winde des widri-gen Geschicks unbeweglich stehen. „Alsdann befindt sich euer Reich in dem besten Wohlstand,„ (läst sich S. Leo gegen den Kayser Theodosium vernehmen) wann man den ewigen und un-„wandelbahren Drey=einigen GOtt erkenet / und ihme dienet. Wer GOtt ehret und förchtet /
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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