der in der obern Lufft erzeugten Dinge.bens; werden sie gar zu hart für= und angezogen / so seynd sie dem gemeinen Besten verderblich.Dann unser Zustand sehnet sich nur nach der Freyheit / und hat Begierde zu verbottenen Din-gen. Viel und angehäuffte Gesetze werden verächtlich. Das Verbott erweckt erst eine Lust,dieses oder jenes zu begehren. Die Abmahnung selbsten gibt Anlaß und reitzet zur Vollfüh-rung: DannNitimur in vetitum, cupimusque negata.Was man soll unterlassen /Nach dem geluͤstet man:Wir pflegen stets zu hassenDie rechte Tugend=Bahn.Es stehet übel um diejenige Republic, die täglich mit Gesetzen muß gebessert werden; sie seyndeben so wenig gesund / als die / welche immerhin mit Artzneyen ihre Gesundheit suchen müssen.Es ist nicht daran gelegen / daß man viel Gesetze habe / sondern daß man selbigen gebührlichnachlebe. Wenig Gesetze seynd die Grund=Säulen des Menschlichen Lebens; wiewohlen auchdurch viele / wann sie nur erträglich sind / das gemeine Volck eingeschrenckt und innen gehaltenwird. Wer ohne Auffhörn dem Pferd die Sporen gibt / der stürtzt mit demselben; wann manaber ihme den Zaum gar zu viel anziehet / so bleibt es müssig stehen: Derowegen ist nichts bes-sers und annehmlichers als die Maaßhaltung. Gleichwie ein Staat ohne Gesetze zu Grundgehet; also verachtet endlich das Volck die Gesetze / an welche selbiges übermässig will gebundenwerden / weil es dieselbe nicht zu halten getrauet. Höre / was Plato sagt: Wo viel Gesetze seynd /da gibt es viel Zanck/ und Streit/ und böse Sitten. Was einem Steurmann der Compaß/ ei-nem Feldmesser sein Instrument / einem Baumeister sein Richtscheid / einer Uhr das Gewicht ist;eben das seynd auch die Gesetze denen Burgern. Allein / wann ein Camel sich überladen spüh-tet / so bleibt es unbeweglich still stehen; und ein Maulthier / dem die auffgelegte Last zu schwer /wird entweder darunter niederfallen / oder ausschlagen / und sich nicht regieren lassen. Durchdie Menge der Gesetze und Verordnungen macht man nur das Volck verwirrt, so daß da siezu Einschrenckung der Freyheit erfunden und angesehen seynd / sie vielmehr zu einem unbezaum-ten Wesen Anlaß geben. Hippodamus hat ein mit Gesetzen mässig eingerichtes Regiment Hippod.dem Amalteischen Uberfluß=Horn verglichen: dann eine gute Verordnung hält etwas gutes in lib. de fech: wann sie aber allzu sehr drücket / so müssen die Schultern darunter brechen. Des Susidis licitate.Ochsen liessen ihnen nicht mehr dann ihre gewöhnliche Arbeit / nemlich alle Tage hundert Eymer Alian.Wassers zu schöpffen / aufferlegen; so daß sie auch nicht einmahl einen einigen Eymer über die de anim.hunderte weiters auffziehen wolten. So bald man die Zahl überschreitet / und keine Maaß c.i.beobachtet / wird alles zerrüttet: Dann welcher siehet / daß ihme die Last zu schwer ist / der weigertsich / dieselbe zu übernehmen. Das Volck will guldene und gute / nicht eiserne oder schlimme Zei-ten haben. Die Maaßhaltung in Aufflegung der Beschwerden ist gulden; und macht doch ei-nen Staat gegen seinen Feinden Eisen=fest: dahero auch der Talus eisern genennt worden / wei-len er die Cretenser mit sehr heilsamen und tapffern Gesetzen regieret hat; als die sie / weilen sieweder unmöglich noch unnützlich zu halten gewesen / gantz willig angenommen / und für ihrenGesetz=Geber wie eine eiserne Maur gestanden. So haben auch die Leßbier die Satzungen / diesie von dem Macare empfangen / unverbrüchlich gehalten: selbiger nannte das Gesetz einen Lö-wen; dann er gewöhnte seine Burger dergestalten / daß sie niemanden wiechen. Derowegenrichte die Beschwerden / die du denen Deinigen auffbürden willt / also ein / daß sie ihren Kräfftengleich gehen. Man muß des Minos Exempel nachfolgen / Gnosnischen Höhle sich auffgehal-ten / und sich allda von dem Vatter Jupiter unterrichten lassen / wie er gute Gesetze geben undanordnen solte. Galenus pflegte alle Gesetzgeber und Richtere GOttes Schüler zu nennen / alsvon welchem sie unterwiesen wurden / das Regiment mit Vernunfft zu führen; wie man dan vorZeiten darfür gehalten / es seye Pompilius bey der Göttin Ægeria, Solon bey der Minerva,Charon bey dem Saturno, Lycurgus bey dem Apolline, Zoroaster bey dem Horomasde, Tris-megistus bey dem Mercurio, Zamolxis bey der Göttin Vesta in die Schuhl gegangen; ja eswurden so gar die Regenten / welche in Aufflegung der Beschwerden rechte Maaß zu gebrau-chen wusten / Götter genennet: Der Charondas und Zaleucus, Timaratus und Theaetetus,der Helicam und Aristocrates, Pithius und Zamolxis regierten weder allzu gelind / noch allzuart / und wurden dahero Göttlich verehrt. Die Götter legen uns nicht mehr auf / als unsereKräfften ertragen mögen: Dann sie wollen / daß ihre Befehle können gehalten werden.Erum-.Nr 2
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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315
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