Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.unter dergleichen Erd=Gegenden das grosse angezündte Feuer so geschwind durch die viele engeGänge und Klüfften zu dem verordneten und offenen Lufft=Loch nicht hindurch kommen kan,was ist es Wunder, daß alsdann die Erde hefftig erschüttert wird? eben wie auch ein StückGeschütz sich starck beweget / und zuruck stosset / wann man es loßbrennet. Dieses hat sich für-nemlich bey der unter Kayser Tito bekannten Entzündung des Bergs Vesuvii, wobey Pliniussein Leben eingebüst / geäussert; wie auch Anno 1633. da besagter Berg viel entsetzlicher / als vorniemahlen gebrennt / und der Landschafft Campanien einen unüberwindlichen Schaden gethanvor welchem letztern Brand ein sieben=tägiges grausames Erdbeben vorher gegangen / undgleichsam der Vorbott des darauff folgenden Unglücks gewesen.§. 4. Die Winde helffen bißweilen auch sehr viel zu dem Erdbeben; weilen diewindige Ausdünstungen leichtlich sich in den Adern der Erden verschlieffen können: Dann siegehen wieder gegen der Erde zuruck / und stürmen öffters in zimlich weite Gänge und Klüfftenein; da sie solcher gestalten an die Seiten der Erden anstossen, und sie erschüttern. Item; eskan auch das unterirdische Feur in denen tieffen Erden=Gängen von den Winden aufgeblasen /und immer mehrers angezündet werden: Deßwegen entweder der meiste Theil der Dünste ausdem erwärmeten Wasser sich in die Höhe der Höhle ziehet; mithin die Verdünnerung und Zu-sammendruckung mächtig befördert / und zuletzt ein Erdbeben verursacht; oder aber es ist vielangezündte Materi vorhanden / die eine Flamme gewinnt / so den engen Raum nicht vertragenmag, sondern, indem sie auszubrechen suchet, ihren Kercker erschüttert. Dannenhero Aristo-teles vermeinet / es seye das Erdbeben / wodurch die zwey Peloponnesische Städte / Helice undBuris, versuncken / von dem Nord=Wind erreget worden.Hieraus nun folget / Erstlichen: Daß das Erdbeben von eingeschlossenen Dünsten ent-stehen koͤne; und zwar theils von solchen / die sich entzünden; da nemlich die Geister des Salpeters /Schwefels und Pechs in grosser Menge sich unter einander mischen / und entweder durch dieBewegung oder durch die Anreiburg oder durch das unterirrdische Feuer oder auch durch denUmherstand (antiperistasin) angezündt / und mittelst der Anzündung also verdünnert werdendaß sie ungehindert und frey ausdampffen mögen: theils aber von sothanen Dünsten / die sichnicht entzünden / sondern nur nach Art der Winde erregen: dann gleichwie die Geister / wann siein der Lufft erregt werden / dieselbe auffs gewaltigste bewegen / und Winde verursachen; nichtninder wann sie im Wasser seynd / dasselbe gleichfalls bewegen und ein stürmendes Ungestümmherbey bringen; also erschüttern sie auch die Erde / wann sie hin und wieder durch die innersteErd=Gänge schlieffen / und lauffen.Zweytens: Daß zur Entzündung der Dünste nicht allzeit ein unterirrdisches Feuer er-fordert werde: dann dieses letztere findet sich auch nicht unter einer jeden Erd=Gegend; so daßlbiges fast eben auf die Weise / unter der Erden wie in der Lufft angezündet werden kan; unddaher entstehen die Blitz / Strahl / und Donner rc. Welcher gestalten aber das Feur sich in derLufft entzündte / ist bereits angezeigt worden.Drittens: Daß ingleichem die Sonne (ist des Honorati Fabri Anmerckung) einigermassen eine Ursach der Erdbebungen seye; nicht zwar so fern sie die obgemeldte in den Erden-Klüfften zusammen getriebne Dunste erzeuget: dann dieses kan darum nicht geschehen / weilendie Sonnen=Strahlen nicht so tieff hinein dringen; sondern so fern die durch der SonnenKrafftaus der Erd=Kugel ausgezogne Dünste folgends sich in Regen / Schnee / und dergleichen ver-kehren; welche Dinge die Erden erweichen / und unter sich zwingen / auch endlich in denen sehrlangen und krummen Erd=Gängen gleichsam durchgeseihet werden. Und mittelst dieser Durch-seihung sammlen sich nicht allein viel Feur-Theile / wodurch eine neue Hitze entstehet; sondernis wird auch die Materi zubereitet / daß sie hernach sich in einen Dunst verwandelt / so leichtlichFeuer fahet; und zu einem Erdbeben erforderlich ist.Vierdtens: Daß nicht eine jede Ausdünstung ein Erdbeben würcke: Dann die Erdewird nicht erschüttert / so offt etwa in der Erden sich Ausdünstungen ereignen; sondern nur als-dann / wann selbige dermassen häuffig vorhanden seynd / daß die Erde sie in ihren Adern wo sieeingesperret stecken / nicht zu halten vermag / sondern dieselbe einen weitern Raum haben wollen;welches aber geschiehet / wofern entweder die Erde fester und dichter wird/ oder die Ausdünstungsich verdünnert / und auch mit Hauffen geschwind anwächset.Fünfftens: Daß das Erdbeben füglich nach denen Ursachen könne beschrieben werden;nemlich es seye selbiges eine Erschütterung der Erden / die von denen auffgehaltnen Dünsten / soentweder durch eine Anreibung / oder durch das unterirdische Feuer angezündet / oder nach Artder Winde erreget worden / herrühre und verursacht seye.Poli-1