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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
312
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Philosophische und Politische Beschreibungweisen Schülen verbannet worden. Anaximenes Milesius lehrte; die Erde seye selbsten ihrerBewegung Ursacherin; angesehen sie sich inner sich selbsten abfresse, und schwäche, daß sie her-nach schnell sincken und fallen müsse. Nun ist zwar nicht zu laugnen / daß die Erde zuweilen er-schüttere / wann etwa binnen derselben ein grosses Stück sich abreisset / und niederstürtzet; es istaber solches nicht die alleinige Ursach der Erdbebungen / wie Anaximenes sich selbsten fälschlichberedet. Endlichen traumte auch Bodinus; die Erde werde von den bösen Geistern erschüttertund beweget: Man hat aber diesen Mann um so weniger anzuhören / als selbiger gewohnt ist /fast alle Wercke der Natur bloß darum / daß man sonsten keine andere gewisse Ursache beybrin-gen könne / denen bösen Geistern zu zuschreiben. Derowegen wir mit dem Aristotele für un-fehlbar halten:§. 2. Das Beben und Bewegen der Erden komme her von einem Dunst oderWind / der in der Erden verschlossen stecke / und hervor zu brechen suche. Die Ursachist; weilen dergleichen Dünste / wann ihrer viele in der Erden eingeschlossen seynd / ohne Zweiffeleinen Ausgang suchen / den sie aber nicht finden können / es werde dann mithin die Erde hefftigbeweget: immittelst waltet doch kein Zweiffel / daß viel Dünste in der Erden verschlossen seyen:dann die Erde wird theils von der Sonnen, theils von dem unterirrdischen Feuer erhitzet; unddahero mag auch von dergleichen eingesperrten Dünsten ein Erdbeben entstehen. Damit nunnicht jemand es für unglaublich halte / daß die grosse Erden=Last durch einen so geringen undleichten Cörper / wie der Dunst ist / erschüttert werde / so gibt Aristoteles zu verstehen; es habeder Dunst eine wundersame Gewalt; allermassen solches so wohl an der Lufft / als auch an denThieren wahrzunehmen seye; und zwar an der Lufft; weilen bekant / daß ein hefftiger Sturm-Wind grosse Steine von einem Ort zum andern fortzuführen; Bäume / ja gantze Wälder um-zureissen; item starcke Gebäude / und gewaltige Thürne niederzuwerffen pflege: an den Thierenaber; weilen durch Erregungen der Geister / als Werckzeuge / unterweilen ein einiger Kranckerdasjenige verrichtet / was etliche starcke Männer mit einander nicht zu thun vermögen: wie zumExempel bey einem seiner Sinne beraubten und rasenden Menschen geschiehet / welcher mit derHänden die Ketten und Bande entzwey reisset / die von ihrer vielen nicht hätten zerbrochen wer-den können. Woraus dann offenbahr ist / daß auf eben die Weise / als die Erschutterungen beyden Thieren geschiehet / auch selbige in der Erde sich ereignen müsse: dann gleichwie sie bey denThieren daher entstehen / daß die eingeschlossene und auszubrechen suchende Winde die Gliederbewegen; also wird ebenfalls die Erde von denen in ihren Höhlen eingesperrten Dünsten undWinden erschüttert.Dieses beweist der weise Mann ferner theils mit der Zeit / worinn; und theils mit demOrt / wo die Erdbebungen sich zutragen. Mit der Zeit; weilen / obschon zu allen Jahrs=Zeitenein Erdbeben geschehen kan / doch gleichwie die Winde im Frühling und Herbst hefftiger regie-ren / dann im Sommer und Winter; also selbige auch öffter in den erstern als in denen letzterngespühret werden: dann im Frühling und Herbst gibt es vielmehr und häuffigere Ausdünstun-gen / die sich in der Erde verschlieffen; wie aus folgenden zu ersehen seyn wird. Mit dem Ortaber; weilen / ungeachtet zwar an allen Enden der Erden sich ein Erdbeben ereignen kan / selbigesjedoch an weichen / schwammigten und hohlen Orten / als woselbsten die Dünste sich häuffigeransammlen / und von dar heraus brechen / auch öffters zu spühren ist.Sodann last sichs weiter aus demjenigen Gethoͤn oder Gebrumm ebenfalls erweisen,welches gemeiniglich bey einem Erdbeben vernommen wird: Dan indeme ein jeder Thon ausder Zusammenstossung der Lufft seinen Uhrsprung nimmt, so ists gantz richtig und ohnfehlbar,daß beedes das Erdbeben / und dann das dabey gehörte Gethön von dem zuruck prallendenStreit und Toben des eingeschlossenen Dunstes herrühre.s. 3. Das Erdbeben kan auch von den unterirrdischen Feuern verursacht wer-den; und zwar auf zweyerley Weiß: Erstlichen / wann sie durch ihre gewaltsame Hitze entwe-der die unterirrdische Wasser verdünnen / so daß sie hernach mit desto grösserer Macht und Un-gestümm aus ihren engen Behaltnussen heraus zu dringen trachten; (welches da sie es zuweilenetliche mahl nach einander versuchen / kan daraus gar wohl ein Erschutterung und Bebung derErden entstehen; ja manchmahlen gantz neue Flüsse herfür kommen); oder aber wann sie ausdem Wasser oder einem andern Naß die Dünste ausziehen; die folgends / indem sie in wohl-verstopfften Höhlen zusammen gezwungen werden / endlich diesen Kercker entzwey reissen; nichtanderst als die verdunnerte und getruckte Lufft auch die allerdickeste Gefässe zerbersten machet.Zweytens: Wann eine neue Materi Feur fahet und sich entzündet / auch solches Feuer hefftignähret / und ergrössert: inmassen dardurch eine ungemeine Gewalt erreget wird: wie man andem groben Geschutz und denen Minen wahrzunehmen hat. Dahero kommt es / daß die Feur-speyende Berge und Oerter dem Beben und Erschüttern am meisten unterworffen seyn; alsSicilien / die Jnsul Lipara / item Campanien / und wo es warme Bäder abgibt: Dann weilen