Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.selbigen noch zu Gesicht bekommen / süsses Wasser aus ihme schöpffen. Ein anderer diesem letz-tern nicht ungleiche Strohm fliesset durch die Königreiche Congi und Angola; und hat / wo erin das Meer fällt / eine Breite von sechs und dreyssig tausend Schritt; behält auch sein süssesWasser biß auf achtzig tausend Schritt weit in die See hinaus. Zum Vierdten: Es gibt inerschiedenen Ländern ein und andere Flüsse / die sich unter die Erde verbergen / sind durch unter-urdische Gänge in die See auslauffen; als / der Timanus in dem Aquilejensischen Gebiet; derEralinus in Griechenland; der Po auf dem Alp=Gebürg; der Anas in Hispanien / der nicht weißvon seinem Uhrsprn sich ohngefehr 5. Meilen lang unter die Erde verbirgt / und nahe bey derStädtlein Villa Martha hernach wiederum hervor kommt; ingleichem der Erotas in Arcadierder im Peloponneso auch wieder herfür bricht. Es finden sich auch Ströhme / welche gleich-sam aus Haß gegen das Meer / einen Durchgang durch dasselbe suchen: gleichwie ein Fluß inJonien / der in einem verborgnen Rinnsaal mitten durch das Meer hinlaufft / und sodann ausselbigem wieder heraus fliesset: So ist auch der Fluß Alphaeus bekannt / der sich zwar an demPeloponnesischen Ufer in das Meer versencket / aber in Sicilien in dem Bronnen Arethusa wie-der verspühret wird; indem alles was man in den Alphaeum geworffen in besagtem Bronnenwiederum zum Vorschein kommet.AnhangAchdem wir in vorstehender Frage fürnemlich von der Bewegung und dem Lauff desWassers gehandelt; so kan ich hiebey nicht umgehen / etwas von dem in gantz Italienberühmten Wasser=Fall des Flusses Velin zu gedencken: Dieser Fluß stürtzet sich von sehr ho-hen und jehen Felsen in einen bey 300. Schuh tieffen Abgrund mit solchem Gebrauß herunter /daß / wer es ansiehet / nach des Kircheri Zeugnus / leicht einen Schwindel darüber bekommen; Kircheund auch über diß kein Mensch den andern / er mag auch schreyen / so starck er will / vor dem Mund.Brausen des abschiessenden Wassers vernehmen kan: wie dann dieses entsetzliche Geräusch bey subterr.iller Nacht biß in dem 5. Meilen davon gelegnem Städtlein unschwer gehöret wird. So zer= I. 2. c. U.lägt sie ebenfalls das Wasser von dem Fall dergestallten / daß selbiger Ort fast immerdar §. 4.leichsam mit einem Nebel bedeckt ist / und die Reisende nicht anders / als von einem starckenRegen benetzet seynd; auch / welches das merckwürdigste / bey hellem Sonnenschein / eben wie indenen Thau=Wolcken / beständighin ein Regen=Bogen wahrgenommen wird.Politische Schluß=Rede.Wodurch ein Hochmüthiger gestiegen / dadurch stürtzet erwieder zu Boden.Er Zustand Menschlicher Dinge ist wie ein Circkel-Kreyß-Geschaffen; am Ende kommtman wieder zum Anfang: wo wir beginnen zu wachsen / da gelangen wir / nachdem wirdie höchste Spitze erreicht / wiederum hin. Alles gehet in einem Kreyß herum. Wasnur von unten auf in die Höhe steiget / das muß sich wieder hinunter trucken lassen. Wer übersich gestiegen; kan nicht anders / als wieder hinab steigen; er wird von der Höhe zuruck hinabgestossen. Manche Bronnen und Flüsse rauschen und brausen in ihren hohen Uffern; aber wiegeschwind fallen sie offt in einen Abgrund? und stürtzen wieder in die Tieffe / daraus sie ent-sprungen. GOtt pflegt es also zu halten; daß er denjenigen / so sich durch Hochmuth erhoben /durch widriges Schicksaal in Staub und Verachtung werffe: Dann der Welt=Lauff bestehetdarinn; daß niedrige Dinge erhöhet / und erhöhte erniedriget werden. Eben des Wegs / da er Chilonsich in die Lufft geschwungen / hat lcarus den Fall ins Meer gethan. Die Natur ist auf dasVergeltungs=Recht gegründet: Wormit jemand sündigt / darmit wird er gestrafft: Ein jeder apudist ein Schmidt oder die Ursach seines eignen Glückes. Marius hat ihme selbsten das Schwerdtgeschmiedet / womit er als ein Soldat gefochten / und die Kayserliche Krone erhalten; er ist aberdurch sein eigen Schwerdt / wodurch er gelebt / umgekommen. Aus des Marii Schmidte ist der Cicero.Soldat hervor gegangen / der den Marium niedergestossen / und gesprochen: Diß ist dasSchwerdt / so du selbst geinacht hast. Es ist nichts gefährlichers / als wann man auf der höch-ten Staffel stehet: entweder muß man zuruck kehren / oder aber fallen; dañ man kan ohnmög-lich stehen bleiben; weil alles unter und über sich fortgerissen wird. Wie leichtlich das Glückdich zu einem grossen und ansehnlichen Mann gemacht; eben so leichtlich stößt sie dich wieder zuBoden: Dann schwere Dinge sencken unter sich; und das Glück bleibt nicht immerdar in ei-nem Stand stehen; weilen es durch ein Rad umgedrehet wird. Das Auffsteigen ist ein Abstei-gen. Was man in die Höhe wirfft / das fällt gerad wieder herab. Schwere Dinge werdenNn 1