Vitruo.Archit,Cassiod.Kircher.Mund.subterr.
Philosophische und Politische BeschreibungDie II. Frage.Von denen Wasser=anzeigenden Zeichen der Bronnen; wieauch von ihren Adern / und Uhrquelle.Achdem wir bißher von dem Uhrsprung der Bronnen gehandelt: wollen wir nun auchein und anderes von ihren Anzeigungen, Adern, und Quellen vermelden. UndErstlichen zwar gibt Vitruvius nachfolgende Art und Weise / eine Quelle zu erfin-Aden, an Handen: „Ehe und bevor die Sonne auffgehet, soll man an den Orten, wo-„man eine Wasser=Ader sucht / sich auf den Bauch niederlegen; das Angesicht aber zum Abse-„hen / auf das Kihn steuren / und sich also fleissig umhersehen: dann da das Kihn also auf de„Erden auffsteht / so wird das Gesicht dardurch unbeweglich / und nicht höher von der Fläche„des Bodens, als vonnöthen, über sich gehalten. Wo man demnach merckt, daß ein Dunst„oder Dampff in einander gekräusselt sich von der Erden erhebt; daselbst soll man graben: in-„dem an einem trucknen Ort dieses Zeichen nicht gefunden wird. Und soviel hievon aus ge-dachtem Vitruvio: Wobey zu mercken; daß dieser sehr subtile Rauch oder Dunst gleichsamwie eine Säule gestaltet seye; auch das Wasser so tieff unter der Erden sich finde / als hoch er-deute Säule sich über sich in die Lufft ziehe.Sonsten werden von ihme noch andere Maniern / Wasser zu suchen vorgeschrieben;nemlich / wann man muthmasset / es möchte irgendwo eine Wasser=Ader verborgen seyn / so solleeine Grube auf 3. Schuh breit gegraben / darem ein Becken oder ander Gefäß / so man vorheromit Oel inwendig bestrichen / umgekehrter gesetzt / und oben mit Röhricht / Stroh / Mist oder Er-den zugedeckt werden. Lassen sich des andern Tags in berührtem Becken Wasser-Tropffensehen / so ist es ein Anzeigen / daß allda eine Quelle vorhanden; Gleichergestalt so man ein ungebrandtes irrdenes oder kreydenes Geschirr oder ein Fell in eine solche Grube stellet oder leget,und dasselbe samtlich folgends naß und insonderheit das Feld dermassen feucht erscheinet / daßman es austrucken kan; Item / wann man eine mit Oel angefüllte und angezündte Lampe ineine dergleichen Grube setzet / und selbige mit Gesträuß wohl bedecket / des andern Tags aber dieLampe ausgeloͤscht angetroffen / und doch weder am Oel / noch am Dacht ein Abgang gespührtwird: und dann wann man ein Feuer anzündt / und das dadurch erhitzte Erdreich einen neblichten Dampff von sich gibt; so ist an selbigen Orten Wasser vorhanden.Uber diß aus dem Vitruvio angeführtes / kan man auch ferners für ein Zeichen einesverborgnen Wassers halten und annehmen: Erstlichen; Wann ein Ort mit vielem grünemGraß und Bäumen bekleidet ist. Worüber des ersten Ostrogothischen Königs TheodoriciSendschreiben beym Cassiodoro zu lesen; worinnen unter andern folgende Worte stehen„Das Erdreich / wo man ein süsses Wasser ausgraben kan / ist allzeit häuffig mit gewissen jun-„gen Sprossen und Gewächsen besetzt; als mit Wasser=Binsen / röhrig / Brombeer=Stauden /„Weiden / Papplen und andern dergleichen Baum=Gattungen; die aber anbey über ihre Na-„tur sehr hoch auffgewachsen seyn müssen.Zweytens: Wann grosse Hauffen Frösche auf das Erdreich heraus kommen / und daselbsten sitzen bleiben. Ja Plinius versichert / daß man von gewissen Thieren wissen könne / woein Wasser verborgen seye; wann man nemlich beobachte / daß ein Frosch irgendwo auf demBauch lange Zeit liegen bleibe.Drittens: Wann die Eigenschafft und Natur des Erdreichs es mit sich bringet; gestal-ten sich in einer thonichten Erde ein süsses; im Thufft ein kaltes; im Kieß ein wohlgeschmacke-aber ungewisses; in einem roth=sandigen Boden ein gewisses / stetes und gesundes; in einemroͤthlichten Stein das beste Wasser zu finden pfleget. Hergegen wo die Erde kreydig / und ge-mengt ist / da hat man weder viel / noch gutes Wasser zu hoffen.Vierdtens: Wann sich ein blaulechter Laim oder Letten zeiget; so darff man glauben /daß man schon bey der Quelle seye: dann man hat durch die Erfahrung inne worden / daß mankeine Quelle ohne dergleichen Laimen finde: und obschon manche Wasser aus denen härtestenFelsen hervorfliessen / so wird doch wann man tieffer nach demselben fortgraben will / ein solcherLaim unfehlbar anzutreffen seyn; wie Becherus versichert.Hieher kan auch dasjenige gezogen werden / was Kircherus von der Wasser=Ruthen be-richtet / die er von einem Erlen=Ast abgeschnitten / und durch deren Niederschlagung oder Nei-gung Wasser gefunden haben solle. Diese Schlag= oder Neigung der Ruthen wollen einigeder Würckung in die ferne; andere aber der magnetischen Krafft des verborgnen Wassers beymessen; wiewohlen beederseits ohne Fundament: dahero besser und gründlicher mag gesagtwerden,
A FERCHY