Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.269dige Flüsse und Bronnen um somehr daraus entspringen / als die Materi der Dämpffe nie-mahlen ermangelt / sondern immerfort mit neuen Regen und Schnee unterhalten wird. ZumAndern; das Regen= und Schnee=Wasser verschliefft sich durch die Ritze und Gänge zwischendie Felsen hinein / und bricht wieder hervor / wo es einen Ausgang findet. Dahero kommt es /daß an den Seiten der Berge viel Broen anzutreffen seyn / welche zur Winters=Zeit häuffiger /dann im Sommer fliessen; und wann eine grosse Dürre einfället / gäntzlich versiegen / und aus-sen bleiben. Auf welche Weiß auch auf den höchsten Bergen offt grosse See entstehen; indemdas Regen- und Schnee-Wasser in einen hohlen Ort, der etwa aus Laim oder Pech bestehet,und also das Wasser halten kan / zusammen lauffet. Ferner siehet man nicht viel Bronnen undFlüsse / wo es wenig Regen abgibt; als zum Exempel in den Æthiopischen Wüsteneyen / in deminnern Africa / und in andern hitzigen Ländern; hergegen aber in Teutschland / Franckreich undtalien finden sich ohnzähliche Flüsse und Bäche; weilen besagte Länder mit Regen häuffig be-lossen werden. Hieher kan man auch dasjenige ziehen / was der gelehrte Gassendus von demAnwachsen und Zunehmen des so wunderbahrlichen Nil=Flusses angemercket: nemlich / es rüh-te dasselbe von nichts anders, dann von denen Regen her, die in Mohrenland ungefehr vonMitten des Heumonats an biß in den September zufallen pflegen. Dahero auch diejenigenicht gar unrecht daran zu seyn scheinen / welche darvor halten; es seyen in der Erden zerschiede-ne Höhlen und Gänge / worem die grosse Regen sich verschiessen; und von denen hernach einigeBronnen und kleine Fluͤsse hervor rinnen.§. 3. Jedoch können die grössere Flüsse / und stärckere Quellen und Bronnenbloß und alleinig aus den Regen=Güssen nicht entstehen. Die Ursach ist / Erstlichen:Weilen kein Regen / er mag so starck und groß seyn / als er immer will / über 10. Schuh tieff indie Erde eindringet; sondern der Obertheil der Erde ziehet meistentheils die Feuchtigkeit an sich /und schickt selbige durch die Regen=Bäche in die grosse Flüsse fort. Zum Andern: Die mei-sten Bronn=Quellen brechen aus den härtesten Felsen hervor / die doch sich von denen Regen-Güssen allda nicht können zusammen sammlen; angesehen die dicke und harte Felsen kein Was-ser in sich trincken. Zum Dritten: Weilen man an sehr dürren Orten / wo Bronnen bey 200biß 300. Schuh tieff ausgegraben werden / starcke Wasser=Adern in solche Tieffe antrifft / dahin /wie oben gemeldt / doch das Regen=Wasser keines wegs reichen und durchdringen kan. Undzum Vierdten: Weilen / wie Aristoteles auch vermeint / es eine Ohnmöglichkeit ist / daß alleTag und ohnauffhörlich eine so grosse Menge fliessenden Wassers nur allein aus den Regen-Güssen entspringen sollen.§. 4. Glaublich ists / daß auch etliche stets quellende Bronnen / und kleinereFlüsse aus der Lufft und den Dünsten / die zu Wasser worden / und in der Erde wegen derKälte desselben Orts sich verdicket / entspringen mögen; welches Wasser hernach / in irgend ei-nen unterirdischen grossen See oder Höhle zusammen laufft / und allda solang verbleibt / biß essich durch immer mehrern Zulauff ergrössert / und endlich an einem bequemen Ort aus= und her-vor bricht: und diese Meinung führt Aristoteles. Die Ursach dessen ist / Erstlich: Weilen Arist. I.1.es sehr viel unterirrdische Klüfften abgibt / worinnen die Lufft und der Dampff zu Wasser wer= Met. 3.den / und also von dorten her einige Bronn=Quellen stetigs abrinnen können. Dieses wirdmit einem Gleichnus bekräfftiget: dann wir sehen / daß die Lufft an den Fenster=Gläsern sich ver-dickt / und letztlichen zu Wasser=Tropffen wird, die öffters auf den Boden herab fliessen: dero-wegen mag ein gleiches auch in den unterirrdischen Höhlen / so die Natur eines Distillier-Kol-bens haben / geschehen. Zweytens: Last sich aus der Natur selbsten des Luffts beweisen; in-dem selbiger, weil er warm und feucht ist, nach Abweichung solcher Wärme, so ein Zeichen derFeuchtigkeit / mit dem Wasser sich wohl vergleicht / und also leichtlich zu Wasser wird. Drit-tens: Weilen es ungereimt waͤre, wann das Wasser aus eben der Ursachen, aus welcher esober der Erde entspringet, nicht auch in= und unter der Erde herkommen könte. VierdtensWeilen aus den Bergen meistentheils Quellen und Flüsse heraus fliessen; welches dan ein An-zeigen ist / daß innerhalb derselben das Wasser aus denen gesam̄leten Dämpffen entstehe. Da-hero / wie kurtz vorhero angemerckt / einige nicht unbillich die Gedancken fuhren; es seyen dieBerge nichts anders als Distillier-Kolben, wo die Dämpffe durch den Trieb des unterirrdi-schen Feuers in die Höhe gezogen / und sodann sowohl vermog der innerlichen Form des Was-sers, als auch wegen der naturlichen Kälte der Felsen erkühlet werden.§. 5. Jedoch last sichs nicht von allen Bronnen=Quellen / und grössern Flüssenbehaupten / daß sie aus der zu Wasser gewordnen Lufft und Dampff entspringen. Ur-sach: Weilen die Flüsse und Bronnen soviel Wasser gebrauchen / daß ihnen hierzu kaum dergröste Theil der Lufft zulänglich seyn könte; bevorab da der Lufft von dem Wasser und der Erdegar wenig zukommet: deßwegen auch weit mehr Lufft zu Erlangung wenig Wassers nothwen-dig erfordert wird. Zum Andern: Weilen auch Bronnen und Flüsse in denen Ländern / die