Philosophische und Politische Beschreibung260ter das Wasser verberge / und allda seine Sonne suche; hergegen / wann sie auffgehet / auch wieKirchart. der hervorkomme. Vierdtens; P. Kircherus berichtet von einer gewissen Art der Sonnen-Blumen / so die Kauffleute aus Arabia bringen; daß man darvon Uhren in ein Glaß mit einemMagn. I.Zeiger mache / welcher Nachts und Tags die Sonnen-Stunden weise; und sich so Tags / als3. p. 4.Nachts nach der Sonnen wende; gestalten ersagter Kircherus bezeuget / er habe zu Rom vorgrossen Herrn und andern Leuten zu derselben nicht geringer Verwunderung hiervon die Pro-be gemacht. Aus welchem allem soviel abzunehmen / daß der Mond / ob er schon unter demHorizont stehet / dannoch auf die Meer=Geister auf unserem Horizont würcke; zumahlen da ermit selbigen eine genaue Sympathi und Verwandschafft hat / und solchergestalten den Ab= undZulauff des Meers verursachen kan.Zum Dritten: Warum die Ebb und Fluth an dem einen Ort länger / dann an dem an-dern währe? und warum die Wasser an etlichen Orten geschwinder zu=dann ab=fliessen / oder imGegentheil ehrnder ab=als zulauffen? Antwort: Hieran mag Ursach seyn / beedes das Lager derOerter / wie auch die Höhe der Uffer; und dann daß die Wasser etwa durchaus niedriger stehenoder sich weit ausbreiten, oder einen seltzamen krummen Lauff haben, oder etwas anders vorhanden / wodurch die Bewegung des Wassers verhindert oder befördert; und dem Zufluß mehroder weniger Bequemlichkeit / als dem Abfluß gegeben wird. Worzu uberdiß die zerschiedlicheEigenschafften der Länder, item die widrige Winde annoch ein grosses beytragen; also daßnicht an allen Orten sich einerley Tüchtigkeit findet, diese oder jene Himmlische Einflüsse anzu-nehmen; oder einerley Bewegung zu verrichten; eben wie auch die Sonne / wann sie gleich al-lenthalben die Krafft hat / Dämpffe und Regen zu erwecken; dannoch selbige nicht aller Ortenzuwegen bringen kan. Die Haupt-Ursach aber, daß die Meere nicht überall einerley Ebb undFluth haben / bestehet darinn / daß erdeute Meere nicht viel schwefflichte und salpetrische Geister /wie auch nicht die behörige Vermischung / und natürliche Eigenschafft haben / die Anlaß zur Er-regung und Auffschwellung geben sollen: Dann diese aus dem Grund des Meers herauffge-brachte Geister seynd gleichsam ein Saurteig / der gantzen Wasser-Hauffen auffblähet / und zurEmpfahung der Himmlischen Einflüsse geschickt und tüchtig machet.Aus eben diesen Grund=Ursachen wird auch die Frage auffgelöset: Warum in etlicherGegenden / als in dem Euripo, die Ebb und Fluth alle Tag zum offtern sich einfinde? Danngleichwie wir / wann nur bey gewissen / nicht aber bey allen Personen das drey=oder vier=tagigeFieber / so ebenmässig von dem Mond regiert wird / sich anmeldet / solches der Vermischung undEigenschafft der Feuchtigkeiten zu schreiben; also hat man nicht minder bey der Erklärung derErregung- und Auffschwellungen des Meers sich mit der Vermengung und Eigenschafft derschwefflichten und salpetrischen Geister / die in Ansehung des Monds gleichsam des Meers Feuch-tigkeiten seynd / zu behelffen.Zum Vierdten: Warum etliche Bronnen / die an einigen Orten / als einer zu Hispolisund in andern Landschafften alle Tag wegen der mit der Ebb und Fluth durch unterirrdiseGänge habender Gemeinschafft zu=und abnehmen / nicht samtlichen zu eben der Zeit / wie dasMeer, bewegt werden; sondern einige, wann selbiges anwächst, ab- und wann es ablaufft, zunemen; andere aber hergegen mit dem Meer hierinn einerley Zeit beobachten? Antwort: Diesesist der Figur und Gestalt / oder dem Lager der Oerter und Gegenden beyzumessen: Dann wanndie unterirrdische Gänge und Höhlen, mittelst deren die Wasser mit einander ihre Gemeinschaffhaben / weit und gerad seynd; so wird das Wasser in den Bronnen sich mit dem Meer zugleichbewegen: wann aber ermeldtes Wasser durch enge, abhängige und krumme auch weit entlegneCanäl sich mit dem Meer vereiniget / so erzeigt sich das Widerspiel: gestalten zu welcher Zeit dasWasser in den Bronnen hinauff zu steigen anfahet; zu eben solcher Zeit wird auch das Meerwegen des langen Verzugs / womit das Wasser in seinem Lauff von den engen Wegen und an-dern Verhinderungen auffgehalten wird / abzulauffen beginnen.Aus bißhero angeführtem kan man die Ursach ersehen / warum das Meer steiget und wie-der fället / wann der Mond über dem Horizont auf=oder untergehet? Nemlichen / weilen / je mehrder Mond gegen dem Mittags=Circkel hinzu nahet / je grösser seine Würckung ist / in Ansehungder Meer-Geister, die er erreget: und je weiter er sich davon entfernet, je schwächer erdeute seineWürckung zu werden pflegt. Eben diß ist auch die Ursach; warum in den Neu= und Voll-monden die gröste Auffschwellung geschiehet; dann in den Neu= und Vollmonden berühren dieSonn und der Mond zu gleicher Zeit den Mittags-Circkel; und können demnach / wann siesolcher gestalten ihre Kräfften zusammen setzen, unter den Meer-Geistern eine grössere Bewe-gung verursachen.Poli⸗
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