Philosophische und Politische Beschreibungdem Meer=Wasser benehmen kan, vermeldet worden, nachfolgendes zu mercken: Wann maneinen gesaltznem Schwam in das Meer=Wasser tauchet / und hernach beede miteinander kochetso solle / etlicher Meinung nach / der Schwam das Saltz an sich ziehen. Welches dann ebendas ist / was auch die Köch zu thun pflegen / wann sie einem Fisch das Saltz benemmen wollen;da sie selbigen in einem Wasser / so mehr als der Fisch gesaltzen ist / sieden / und darvor halten; eswerde das wenigere Saltz von dem mehreren an sich gezogen. Einige hergegen binden einWeitzen=Meel in eine Leinwand; welches / wann es in das Meer=Wasser gelegt wird / das Saltzan sich ziehet. So seynd auch noch andere Dinge / die das Saltz dergestalten zwingen / daß eszu Boden sincken muß: dann wann ein Alaun in eine Laugen geworffen wird, so ziehet er dasSaltz mit sich auf den Boden nieder.Zum Siebenden: Warum saltzige Speisen Durst erwecken? Antwort: Weilen dieSaltzigkeit sich an den Boden des Magens setzet / und sich härtet. Solche nun auffzuweichen /sehnet sich die Natur nach einer Feuchtigkeit; und wo selbige zugeschuttet wird / so ziehet erdeut-Natur alle andere Feuchtigkeiten zur Auff= und Ablösung des Saltzes herbey: und dahero pfie-gen der Mund und der Halß vom Durst trucken zu werden.Sonsten ist zu beobachten; Erstlichen: Daß es wahrscheinlich seye / die Saltzigkeit desMeers komme nicht bloß von einer einigen Art des Saltzes her; sondern es finden sich dererofft zerschiedene beysammen; also daß der Vitriol, der Salpeter, der Alaun, und das Pechmanchmahl in dem einen Meer=Strich mehr Saltzigkeit dann in dem andern verursachen: wi-dann wegen Menge des Pechs die Wasser in dem todten Meer im höchsten Grad saltzig be-funden werden.Zweytens: Daß das Meer-Wasser sowohl wegen der Saltzigkeit / als auch seiner dar-aus entstehenden klebichten Dicke halber / weder zum Leinwand=waschen / noch zum Feuer=löscheLiv. Dec. tauglich seye: gestalten Livius bezeuget / daß einsmahls das Meer gebronnen: und Theopha-nes bey dem Baronio meldet; daß Anno 726. zur Sommers=Zeit ein Dampff / wie etwa das3. l.31.Theph. ap. Feuer aus einem Kamin / aus der Tieffe des Meers zwischen den Inseln Thera und Therasiaetliche Tag lang hervor gegangen; welcher allgemach sehr dick worden / und sich wie eine grosseBaron.Feur-Brunst ausgebreitet / so daß der Rauch gantz feurig geschienen.tom. 9.Anno 726Politische Schluß=Rede.Unsere Verrichtungen sollen mit dem Saltz der Fürsichtigkeitgewürtzet seyn.Ch sage mit dem Tullio: Die Fürsichtigkeit ist die beste Meisterin unsers Lebens / die Un-3 terweiserin unserer Rathschläge / die Auffseherin unserer Verrichtungen / die Verursacherinunserer Glückseeligkeit / ja endlich die Vorgang und Führerin aller Tugenden, Mit demPlato: Die Fürsichtigkeit allein gehet voran, und zeiget den Weg zum Recht-thun. Mit demAristotole: Es ist unmöglich / daß jemand ohne die Fürsichtigkeit für einen ehrlichen und aufAristot. l.richtigen Mann mit Warheit passiren könne. Und dann mit dem Satyrico: Wo sich die Für-6. Eth.sichtigkeit findet / da sind auch die Götter zugegen. Diese ist die recht Königliche und GöttlicheTugend / in welcher allein des Jupiters höchste Fürtreflichkeit sich sehen lasset / und welche vonallen Tugenden begleitet wird: seynd des Plutarchi Wort. Dahero komt es / daß weder Kö-nig / noch Fürst / noch irgend eine Obrigkeit ohne die Fürsichtigkeit zum Regiment tauglich undgeschickt seyn mag: so urtheilet ein gewisser Pythagorischer Weltweiser. Gleichwie man ohnedas Aug leicht in eine gefährliche Tieffe abstürtzet; also kan ohne die Fürsichtigkeit nichts nutzliches verrichtet werden: Dann / spricht Sophocles, was in dem Auge die Sehens=Schärffe istdas ist die Fürsichtigkeit in dem Gemuth: In welcher Absicht auch Aristoteles die Fürsichtig-keit das Aug der Seele nennet; und eben darum haben die Egypter dem Königlichen Zepterein Aug beygemahlt: Sintemahlen ein Staat ohne die Fürsichtigkeit nicht behörig regiert wer-den; und das gemeine Wesen sowohl / als eines jeden Menschen privat=Stand ohne vernünff-tiges Nachdencken gedeyhlich nicht bestehen kan. Es ist aber die Fürsichtigkeit ein richtiger Ver-nunfft=Schluß / der dem Gemüth ein Liecht beybringet und weiset / was ohne Irrthum entwederzu fliehen oder zu ergreiffen seye. Selbige wird von Tyrio Maximo ein Werck des Gemüths;von denen Poeten / eine aus des Jupiters Hirn entsprossene Minerva; vom Pythagora, einestarcke Gewalt / Waffen und Maur; vom Cicerone, eine Kunst zu leben; vom Isocrate, einegetreue Hüterin eines Koͤnigreichs genennet wird. Dieselbe soll demnach eines Welt=MannsVerrichtungen durchwürtzen / mithin denenselben einen Geschmack und Leben geben; nicht an-ders als wie das güldene Himmels=Aug / die Sonne / in dem Erden=Schoß das Saltz ausko-
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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