Philosophische und Politische BeschreibungMenschen / wann er sich verächtlich macht; noch schandlicher / wann er sich unterwirfft; amschandlichsten aber / wann er sich von Bestien und wilden Thieren bezwingen läßt. Wir sindHorat.Tursell. I. zu hohen Dingen gebohren / und stehen in einem weit höhern Grad / dann die Thiere. Wasseynd die Begierden und böse Neigungen, als wilde Bestien? was seynd die ungezäumte Affe-9. epist.cten anders / als rasende Thiere? Des Tammerlans that ist verflucht / weil sie viehisch war: dañder Türckische Kayser Bajazeth muste ihm den Rucken unterlegen / wann er zu Pferd steigenwollen: und eben ein solcher Fuß=Schemel muste auch zu gleichem Ende der Griechische KayserDiogenes dem Ottomannischen Sultan seyn. Hergegen ist diß ein heiliger Stoltz / und preiß-würdiger Hochmuth / wann man die viehische Gemüths=Bewegungen unter die Füsse trittüber die unbändige Affecten herrschet, die Begierden bezäumet, und die Laster niederdrucket.Siehe / wie der Neptunus dem Meer Gesetze vorschreibet; wie er den Wellen Graͤntzen setzet;wie er die ungestümme Wasserwogen zwinget; wie er den Wasser=Thieren den Zügel anziehetWas Wunder aber? Er ist ein Gott; Die See wird still / so bald er will. Allein / was istder Mensch? Plato spricht: Ein Mensch soll erkennen / daß er vom Geschlecht der Götter her-stamme / derowegen muß ein Herr über die Thiere seyn / und selbige zahm machen. Trismegi-stus hat dem Menschen ein herrliches Lob beygelegt / wann er sich vernehmen lassen: „Der irr-„dische Mensch seye zwar ein sterblicher Gott; aber der Himmlische GOtt seye ein unsterblicherCal.Rhod „Mensch. Gebühret es nun den Göttern nicht / daß sie herrschen; daß sie Gesetze geben; daßl.1. c.17. sie regieren? deßwegen je mehr du GOtt gleichest / und die Thiere übertrifft; jemehr solt duüber die viehische Begierden die Herrschafft führen. Du bist ein irrdischer GOtt/ und himmli-schen Geschlechts: als eine himmlische Geburth solt du dich in die Höhe schwingen / und überder Thiere Köpffe dahinauff steigen; keinesweges aber den viehischen Regungen dich unterwürf-fig machen. Hercules und Achilles, Æneas, Romulus, Alexander wurden für Götter=Söh-ne gehalten / weil von soviel überwundnen Feinden ihnen einiger Gottheit Glantz zugewachsen.Ein Mensch solle sich selbst erkennen: dann es ist keine geringe Gabe / sich selbsten erkennenund Seneca sagt: Der Mensch seye vom Himmel uhrsprünglich abgekommen. Dahero mustedie Ungeheur der Begierden / und die wilde Willen der Laster bezaͤumen / die einheimische Feindeunterdrucken, dich selbsten mit dem Zügel der Klugheit bezwingen, und dich GOtt ähnlich er-Plato de weisen; das heist / so du es mit drey Worten fassen willt; überwinde dich selbsten: „Dann sie„selbsten überwinden ist der gröste und beste Sieg; sich aber von sich selbsten überwindenlas„sen / ist die gröste Schande und Schade.Ardua res, vicisse alios: victoria majorEst, fluctus animi composuisse suos.Es ist ein grosser Ruhm / viel Völcker überwinden;Und seiner Feinde Fäust wie eigner Sclaven binden:Doch gleichet dieser Sieg noch lange jenem nichtDa den Begierden man den Halß und Kehle bricht.Plutarchus bezeuget; daß Alexander darfür gehalten / es seye weit Königlicher / sich selbsten / alsdie Feinde überwinden. Dannenhero sagte Seneca Sprichwortsweiß: der überwindet dop-pelt / der sich selbsten überwindet. Wieviel wilde Regungen / und viehische Affecten sich hervorthun; eben soviel Fecht=Plätze zum Kämpffen / und soviel Felder zum Obsiegen stehen einem ko-litico offen. Der Zorn ist eine Murene; die Liebe eine Syren; die Forcht ein See=Hund; derHaß ein Wallfisch; die Traurigkeit ein Delphin; die Wollust ein Meer=Pferd; die Rache eineMeer=Asche: diese alle erregen in dem Gemüth eine Ungestüm / und drohen lauter Schiffbruch,wer nun solche Ungeheuer der innerlichen Regungen bezwinget / der hat den grösten Feind über-wunden. Der beredte Römer Cicero, hat so wahr als vernünfftig gesagt: „Nur die TepfCic. proMarcell. „fersten wissen das Gemüth zu überwinden / und den Zorn zu bändigen: Wer dieses thut / denvergleiche ich nicht allein den berühmtesten Leuten, sondern halte auch darvor, er seye GOt„ähnlich. Wie hoch und treflich konte wohl des Egyptischen Königs Sesostris triumphierli-cher Einzug gerühmet werden? da selbiger an statt der Pferde von vier überwundnen Königenauf seinem Triumph=Wagen gezogen worden? Allein / er war hierinn ein Sclav seiner Afe-cten, und wuste sich selbsten nicht zu beherrschen. „Nur den kan man tugendlich und Lobwür-Sen. ep. 37. „dig preisen / welcher seinen eignen Regungen die Fessel anleget. In der höchsten Würde ste-hen, und doch unter denen Lastern gefangen liegen; auffm Königlichen Thron sitzen, undsich doch im Koth herum weltzen; das stehet tapffern und fürnehmen Männern nichtwohl an. Dem Hercules ist zu der grösten Schande gediehen, daß er zwar der vielhäupti-gen Schlange die Köpffe abgeschmissen; aber sich von seinen Begierden bezwingen lasser; unddie Mannheit aus Liebe eines Weibes abgeleget; anbey an dem Rocken gesponnen; auch
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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