Aristotel.text. 46.1.1.Met.
Philosophische und Politische Beschreibungdie Schwalben, wann sie auf dem Wasser daher fliegen; die Gänse, wann sie lang mit ihremGeschrey anhalten; die Ochsen, wann sie an der Lufft riechen; die Ameisen, wann sie sich ver-lauffen und verkriechen; die Erdwürme / wann sie hervor kommen; und sofort. Sechstens /wann leblose Dinge als Steine und Mauren schwitzen: weilen dieselbe Feuchtigkeit aus vielenfeuchten und dicken Dämpffen entspringet / welche / nachdem sie nicht geschwind in die Höhestei-gen können / an denen Steinen bekleben bleiben. Und eben dieses ist auch aus dem Oehlwahr-zunehmen / wann dasselbe in den Ampeln spritzet; weilen die angezogene Feuchtigkeiten sich mitselbigem vermischen.5. Der Regen ist dem gantzen Erdboden höchstnöthig: Ursache; weilen ohnedenselben alle Früchten / so vielerley Arten es deren abgibt / austrocknen, und verdorren würden:dann der Regen nähret die Bäume, Blumen und Kräuter; verleihet denen Dingen, die gegra-ben werden, eine Klebrigkeit; mäsigt sowohl die Hitze der Sonnen, als deß unterirrdischen Feu-ers; und schlägt durch seine Schwere die schädliche Dünste / die zum Verderben der Menschenund deß Viehs die untere Lufft=Gegend erfullen / zuboden: so daß es für eine nicht geringe Gut-that der Natur zu halten / daß der Regen nachdem er aus den Wolcken auf die Erde fället / sichwiderum zu einem Dampff verdünnert / und von neuem in die Höhe steiget. Jedoch regnetesin Egypten fast niemahlen; und seynd einige, welche die Ermanglung deß Regens der Hitzezuschreiben wollen; ungeachtet es gleichwohlen in vielen hitzigen Ländern zu regnen pfleget: an-dere hergegen vermeynen; wo es keinen Wind abgebe, da regne es auch nicht; allein, werweiß nicht / daß in Egypten viel kühle Lüfftlein gehen? Es ziehlen demnach dißfalls meine Ge-dancken dahin / daß der Regen Mangel allda fürnehmlich daraus entstehe / weilen die Wol-cken, so sich nach selbigem Lande ziehen, wegen der Salpetrischen Geister, welche die Zerlas-sung der Wolcken verhindern / sich in keinen Regen auflösen können. Im Gegentheil berich-tet Plinius, daß in dem Narnevensischen Gebieth das Erdreich von dem Regen trocken / und vonSonnen=Hiße naß werde: weilen vielleicht der Erdboden schwammicht ist / und den gefallenenRegen alsbalden in sich zieht / und verschlucket / absonderlich so ein unter=irrdisches Wasser all-dorten vorhanden wäre; hergegen aber, wann die Sonne heiß scheinet, der Dampff leichtlichdurch besagtes schwammichtes und lockeres Erdreich über sich steiget / und nachdem er eine kalteLufft angetroffen zu einer Feuchtigkeit wird / und den Boden benetzet.Hier kommt die Frage vor: Erstlichen: warum es in dem Winter mehr mittlere Re-gen abgebe, als im Sommer? Antwort: weilen im Sommer die Hitze grösser ist, so müsen nothwendig auch weniger Regen fallen: Dann der Regen entstehet eben nicht eigentlichdaraus / daß die Dämpffe in die Höhe steigen: als welches die Sonne würcket; sondern da-her / daß die in die Höhe gestiegene Dämpffe verdecket werden / und abwerts fallen / welches durchdie Kälte verursachet wird: Im Sommer aber herrschet und regieret die Hitze; deßwegenschwingen die Dämpffe sich über sich; hergegen werden im Winter, weil alsdann die Kältedie Obhand hat / die aufgestiegene Dünste schwer / und fallen im Regen wider herunter: Wör-aus dann Aristoteles schliesset / daß die auf und absteigende Dämpffe einen verwunderlichen Um-lauff (circulation) haben müsten / und gleichwie solcher Umlauff dem Kreiß oder Lauff der Son-nen nachahme; als die da, wann sie durch den Thier-Kreiß gehet, und von den SteinbocksCirckel (Tropico Capricorni) nachdem Krebs=Circkel (Tropico Cancri) lauffet / mithin denSommer machet, sich zu unserm Haupt herzu nahet; bald aber, wann sie von dem Krebs=Cir-ckel gegen dem Steinbocks=Circkel sich begibt / und also den Winter machet / von unserm Hauptwider abweichet; Eben auf diese Weise wird das Wasser im Sommer zu Wasser verkehrt / undfliesset in Regen / Schnee und dergleichen abwerts auf den Erdboden. Dannenhero ereignetsich im Winter allda ein so grosser Uberfluß an Wasser; allermassen es aus denen Ergiessun-gen und Austrettungen der Flüsse / Seen und Brunnen erhellet; im Sommer aber seynd derDämpffe eine übermässige Menge in der Lufft vorhanden; wie man aus der Versiegung undAbnehmung der Flüsse und Seen erkennen kan / welches von nichts anders herrühret / als daßdas Wasser sich in Dämpffe verwandelt / und in die Höhe gezogen hat.Zum Andern: Warum fallen mehr Schlag- und Platz-Regen im Sommer, dannim Winter? Antwort: Weilen im Sommer da die Hitze fürdringet, die Dampffe, wann siekalt werden sollen / in grosser Menge sich zusammen setzen müssen / damit sie der Wärme derringsumstehenden Lufft überlegen seyn mögen: deßwegen wann ein Sommer Regen aus so-thanen Dämpffen entspringt / die in grosser Menge an einen engen Orth zusammen getriebenseynd, so ist kein Wunder, daß sie alsdann auch häuffig und mit Gewalt herabfallen, und al-so zu Schlag=Regen werden: welches damit besteiffet wird, daß die Sommer=Hitze, die starckund Hefftig ist offt die Dämpffe sehr häuffig über sich ziehet; so aber hernach, weil sie nichtwohl zusammen getrieben und verdünnert seyn, alsobalden aufgelöst werden.