Philosophische und Politische BeschreibungDie Sonne ziehet Dampff und Nebel aus der Erden /Und machet selbige hoch in die Lüffte gehn:Doch will der Nebel ihr hernach zur Decke werden /So daß der Strahlen Licht muß gantz verdunckelt stehn.Wie mancher schadet dem / der ihn zuvor geschützet;Und seine Dürfftigkeit mit Gutthat unterstützet.Die III. Frage.Von dem Regen.Er Regen ist nichts anders / dann eine Wolcke / die sich in ein Wasser aufgelöstund Tropffenweiß herab fällt: Dann der Dampff, so vorher warm und hitzig ge-wesen / solche Hitze aber entweder durch den zuruck gewannten Sonnen-Strahl / odedurch das unter=irrdische Feuer verursacht worden / nachdem ersagte Hitze / wie auch diegeistigere Theile wegen der Umbstellung oder Antiperistasi, oder wegen der kalten Lufft, oderauch wegen einer eignen natürlichen Eigenschafft wiederumb verschwunden / nimmet alsdannseine angenaturte Wasser-Kälte von neuem an sich; worauff die erkaltete Wolcke sich verdi-ckert und befestet / mithin schwer wird / auch sofort herab fället / und sich in einen Regen aufflöset.Dieses kan man durch eine gedoppelte Erfahrungs-Prob darthun und beleuchten; und zwarerstlich vermittelst eines Distillir-Kolbens: dann wann man Blumen oder andere Dinge di-stilliret, so werden die Dämpffe durch die Krafft des Feuers und der Hitze verdünnert und indie Höhe geführt; hernach aber / sobalden sie in dem auffgesetzten Helm erkaltet / gleichsam zu ei-ner Wolcke verdickert, und endlichen zu einer waͤsserigen Feuchtigkeit, so durch das kleine Lochdes Alembics heraus rinnet auffgeloͤßt. Die zweyte Prob aber nimmet man von denen Haupt-Flüssen und Catharen her: Dann die Dämpffe, so aus den Speisen ausgehen, werden durchdie Hitze des Magens dünn und subtil gemacht/ und in die Hohe nach dem Haupt getriebenallwo sie wann sie von dem Hirn, so kalter Natur ist, erkaltet, Anfangs sich zu einer Wolcke, sodie Schnuppen, die wir zuweilen haben, verursachet, gleichsam verdicket, und in eine wässerieFeuchtigkeit / die allgemach und Tropffen=weiß durch die Nase und andere Ausgänge abtreufelt,auffgelöset wird. Was nun dißfalls in dem Menschen / als der kleinen Welt / geschiehet; daspflegt sich auch nach gleicher Maß aus gleichmässigen Ursachen in der grossen Welt zu begeben.Hieraus erhellet; daß die material-Ursache des Regens die Wolcke seye, so aus denenDämpffen entstehet, die biß in die mittlere Lufft hinauff steigen: daß hergegen die formal=Ur-sache zwar auch die Wolcke seye / aber die in der Höhe sich auffgelöst / und auf die Erde abtropf-net: und dann daß die mürckende Ursache in der wesentlichen Form des Wassers bestehe / wel-ches durch Beyhülffe der mittlern Lufft=Gegend / wie ingleichem der Antiperistasi oder Umbstel-lung / worzu auch die Himmlische Einflüsse nicht wenig beytragen / seine vorige Kälte gewinnet;inmassen / was gemeldte Einflüsse belangt / zur Frühlings=Zeit / so offt sich Saturnus mit dem Ju-piter in dem Krebs, scorpion und Fischen conjungirt, sehr häuffige Platz-Regen einfallen:und dahero kommts auch, daß umb den Voll- und Neu-Mond so viel Veränderungen sich ander Lufft ereignen. Sonsten können ebenfalls die Winde viel zu einem Regen=Wetter thun;indem derselben einige die Wolcken zusammen=andere aber uns= und von einander treiben.§. 2. Der Regen wird in den kleinen/ mittlern und starcken Regen abgetheiltDer kleine Regen fället mit sehr kleinen Tropffen / und wird auch ein Staub=Regen genennt;weil er einem Staub gleichet: Selbiger rühret von mancherley Ursachen her; und erstlicherzwar, weilen die Wolcke wegen der schwachen Kälte sich allgemach, und in gar kleine Tropfferaufflöset; nicht anders als wann jemand auf das allerlangsamste schwitzet. Und hernach auchweilen die Wolcke etwa allzunahe stehet, wie Cabeus darvor hält; dann derselbe meldet, er ha-Cab. inbe es selbsten erfahren / als er einsmals über das Gebürg gereiset / daß / indem er an der Seite destext. 47Bergs durch eine Wolcke gegangen / dergleichen Staub-Regen auf ihn gefallen; nachdem erI.1.Meteo. aber unter die Wolcke hinab gekommen, und selbe nun ziemlich hoch ober ihme gestanden, ermit einem starcken Schlag-Regen begossen worden seye: und deßwegen vermeinet er, derStaub=Regen entstehe daraus, daß die Wasser-Theile, worzu die Wolcke sich aufflöset, nochnicht in Tropffen zusammen getrieben seyen. Der mittlere Regen wirfft mercklich grössereTropffen; und entspringt daher / daß die gebührlich verdickerte Wolcke durch eine proportio-
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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