der in der obern Lufft erzeugten Dinge.reiseten / unglaublich hohe Berge / die man Cordileura nenne / bey 40. Meilen lang zu überstei-gen: auf selbiger Berge Spitze seye die Lufft dermassen subtil / daß fast niemand daselbst ohneGefahr deß Erstickens bleiben könne; und dahero ein jeder sich mit Schwämmen / so in kaltesWasser getaucht worden, zur Verdickung der Lufft versehen müsse: Ja es seye auch über dißdie Lufft allda zur Entzündung so sehr geneigt, daß die Wanders-Leute Feuer aus den Mundezu blasen / und wegen deß Ausdunstenden hefftigen Schweisses gantz seurig zu seyn scheinten.5. Vorermelter Author gibt aus dem Procopio, von der Stadt Benevent in Italien,so im nächst verwichenen 1688sten Jahr auch von dem Erdbeben erbärmlich verwüstet worden,folgenden Bericht: Die Alten haben dieses Ort vor Zeiten Maleventum geheissen; Dann sel-biges Städtlein ligt gerad gegen Dalmatien über, und auf dem festen Land, wohin ein gewis-ser hefftiger und grausamer Wind einzustürmen pfleget; wann derselbe anfahet zu toben / so be-gehrt kein Mensch zu reisen / sondern jedermann sucht vielmehr sich zu Hauß zu halten; inmassener mit solchem Gewalt wütet / daß er auch einen Reuter mit samt dem Pferdt aufhebt und in dieLüffte hinweg führet; deßwegen erdeutes Ort den Namen Maleventum, weilen es in die Höheliget und man allda vor dem Wind nicht gesichert ist überkommen.6. In Norwegen an denen Westlichen Ufern seynd die Winde dergestalten schädlich / Olausdaß sie weder Bäume noch Gesträuche grünen oder ausschlagen lassen: Dahero die Innwoh= Magn.ner in Ermanglung deß benöthigten Holtzes sich zum Feuer aufmachen und Kochung der Spei= l.i. c. 10.sen der grossen Fische Beiner bedienen müssen.7. Bey der Stadt Oesis nicht weit von Ternio in Italien ligt ein Windberg / der auseinem grossen Stein=Felsen besteht / und sich bey einer halben Teutschen Meil lang von Ostengegen Westen erstrecket: unten an demselben siehet man zerschiedene Ritzen und Spalten / auswelchen in denen Sommer=Monathen starcke Winde heraus stossen; die von denen Innwoh-nern selbiger Gegend vermittelst etlicher angelegter Röhren aufgefangen / und an ein und ande-re Oerter der Stadt zur Abkühlung der Sommer=Hitze geleitet werden. Diese Winde lassensich zur Winters=Zeit nicht spühren, sondern es ziehet sich alsdann vielmehr die Lufft in besagteRitzen hinein; also daß / wann man einige leichte Dinge vor dieselbige hinleget / solche alsbaldenhinein gerissen und gezogen werden. Sonsten erzehlet auch Sigebertus von einem gewissenGlocken=Thurn; daß derselbe Anno 1081. durch einen ungemein=starcken Wind von seinem Grundabgerissen/ und dergestalten auf die Seite gebogen worden seye / daß er gleichsam in der Lufft ge-hangen / und man vermeynet / er werde alle Augenblick vollends umstrtzen; nach 6. Tagen aberhabe er durch Göttliche Krafft sich wieder aufgerichtet / und hätten die darinnen hangende Glo-cken von selbsten angefangen zu laͤuten. Anno 1693. seynd an dem S. Laurentii Fest um die Abend-Demmerung grausame Winde mit Donner und Blitzen an dem Obern Rhein entstanden / ha-ben ihren Weg durch Francken, Schwaben und andere Provinzien genommen, biß in Böh,men entsetzlich fortgewütet / und unbeschreiblich Schaden verursachet; von welchen Winden hernach folgende Zeit oder Jahrzahl Verse gemacht worden:In sanCto festo, testIs LaVrentIVs esto,DVra Vt te Mpeſtas & Ventos aVXerat æſtas.Sanct Lorentz-Tag bezeugt wie grosse Wind gewütetUnd ihren Grimm daran mit Stürmen ausgeschüttet.Politische Schluß=Rede.Ein Politicus soll sich der Eintracht befleissigen.In Orgel gibt allerhand Thon / zarte und grobe / hohe und niedere mit einer einträchtigenZwytracht von sich; und ob sie schon mit unterschiedlichen / grossen und kleinen Pfeiffenbesetzt ist, so wird sie doch nur von einem einigen Geist oder Wind zur Sprache oderzum Gesang belebt. Ich beruffe demnach einen Politicum in einen Tempel; und zwar in den-jenigen / der nach dem Tod Kaysers Severi, als sich ein Krieg zwischen denen Brüdern Geta und Xiphilin.Antonio entsprungen / zu Rom offen gestanden; das ist / in den Tempel der Einigkeit: Dann es in Anton.bleibt doch unwiderleglich / was der berühmte Römische Rathsherr Q. Fab. Maximus ausge-sprochen: Es seye nichts bessers zu Festhaltung deß gemeinen Wesens / als die Einigkeit. Liv. L.Als die Stadt Numantia, die doch vorhero so offt den Waffen deß Scipionis Africani wider-standen und seine Stürme abgeschlagen, endlich erobert worden; fragte gedachter RömischeGeneral den Numantinischen Fuͤrsten Tyresiam: woher es wol komme / daß die so offt unuͤber-windliche Stadt zuletzt noch sich ihme habe unterwerffen müssen? Worauf Tyresias zur Ant-wort
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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179
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