Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Sobald die kleinste Lufft beginnet herzuwehen /Und an das Fähnlein stosst / das auf dem Hause steh't;Da pflegt daselbe sich im Huy herum zudrehenUnd zeigt mit seinem Stand / wo Lufft und Wind hingeh't.Wer will dem leichten Glück den steten Wechsel wehren?Als dessen Freude ist / das Spiel schnell zuverkehren.Die V. Frage.Von denen Würckungen und Eigenschafften derWinde insonderheit.Bwohlen bereits in denen vorigen Fragen wegen naher Verbindung der Materi hin undwieder etwas von denen Würckungen und Eigenschafften der Winde insonderheit ver-meldet worden, so wird sich doch hier, als an dem eigentlichen Ort weitläuffiger voreinem jeden besonders, damit die Sache desto vollkommlicher erörtert werde, reden lassen.Solchemnach§. 1. Seynd die mitternächtige Winde fast in gantzem Europa kalt und tro-cken. Dessen Ursache rührett heils von den kalten Orten her / durch die sie gehen; theils auch da-her, daß sie aus dem subtilsten Theil deß Schnees in dem kalten Welt=Strich auszuhauchenpflegen. Sie verursachen helles und heiters Wetter / weil sie die Lufft zusammen treiben undaußtrucknen; und seynd gesund / wiel sie die Schweißlöcher und die Haut der Thiere verstopf-fen; wodurch dann geschiehet, daß die innerliche Hitze sich nicht heraus begibt, sondern indenen inwendigen Gliedern erhalten wird; und deßwegen die mitternächtige Völcker ihr Lebenviel höher, als die Mittägige, bringen können. Doch solle der Nord=Wind denen übel be-schaffenen Cörpern; wie auch denen Augen=gewinnenden Wein=Reben und andren zartenPflantzen und Blumen oͤffters sehr schaͤdlich seyn: Gestalten auch dieser Wind unter allen derstärckste und ungestümmeste ist, weilen er nemlich durch die gröste, das ist, durch die mitter-nächtige Hitze erwecket wird, und aus einer solchen Materi, die sich gar leichtlich in Dämpffeauföset, ich will sagen, aus Wolcken bestehet; und indeme er ebenfalls von einer hefftigenKälte verdicket, und demnach schwerer und dichter ist, so fähret er fast gerad zu unter sich,und wütet grausamer als der Sud Wind. Dahero dann, wann besagter Nord-Wind we-het, und sich ein heiterer Himmel zeiget, der Rauch darum nicht so / gleichwie bey nassem Wet-ter, kan zurück getrieben werden, weilen er erdeuter Wind, entweder nicht nach der Seite,wie der Sud-Wind, sondern vielmehr gerad hinblaset; oder aber weilen die Lufft, wann erwehet, schwerer zu seyn pfleget. Sonsten hat man auch angemercket, daß die Nord=Windeum so viel schwerer werden, um wieviel mehr sie von hier gegen dem Aequator oder dem glei-cher fortlauffen; hergegen aber um so hefftiger und kälter / absonderlich in dem Königreich Chiliund Peru, seyn, um wie viel mehr sie gegen dem Sud pol hinwehen. Wer ein übles Gehörhat, oder gantz Taub ist, der beginnet, wann der Nord-Wind gehet, und ein helles Wetterbringet / ein wenig besser zu hören; da widrigenfalls einem solchen / wann die Lufft naß unddick ist, und der Sud-Wind blaset, bey nahe alles Gehör benommen wird.§. 2. Die mittägige Winde seynd gemeiniglich warm und feucht: Warmdeßwegen / weilen sie aus denen dem dürren Erdstrich nechstgelegenen Orten herkommen / unddurch warme Oerter durchstreichen; feucht aber darum / das sie aus vielen Dämpffen / die ausdem mittellaͤndischen Meer und andern Orten aufsteigen / bestehen / und demnach sehr viel Wol-cken zusammen bringen; als welche sie zwar nicht allein zusammen treiben, sondern auch durchihre Wärme zu einem Regen auflösen. Derohalben ist der Sud=Wind warm und feucht / in-gleichem ungesund; Item stürmisch, schädlich, pestilentzialisch; bringt Regen und Wind undverursachet nach Gelegenheit der Zeit Donner und Blitz. Jedoch kan er auch / wann er langanhält, einen heitern Himmel und eine unleidentliche Hitze erwecken; so pfleget er nicht weni-ger insgemein pestilentzische Fieber, und allerley Kranckheiten einzuführen. Dannenherowann erdeuter Sud-Wind wehet, empfinden podagrische Leute wegen der aufgelösten Feuch-tigkeiten grossen Schmertzen; die Unsinnige toben hefftiger; die Scheuren werden mit Korn-Würmen angefüllet; das Fleich verfaulet, und das Eisen selbsten last sich leichter feilen; jadie Wind=Hunde können alsdann das Wild besser und gewisser ausspühren; weilen die Ge-ruch=Geister durch die Wärme stärcker werden / und sich weiter ausbreiten. Man sagt auch / wann