Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
168
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Philosophische und Politische BeschreibungJam seges est, ubi Troja fuit.Ovid.Wo vormals Trojæ Maur und feste Thürne stundenDa wird itzt eine Saat und Aecker=Feld gefundenWo ist die Pflantz=Stätte der schönsten Wissenschafften / die reiche Ernährerin der Kün-sten, die Stadt Athen? Diese Mutter der Welt=Weisen ward von Kriegen überschwem̅etund ist nun ein Auffenthalt armer Fischer. Als der von Siegen aufgeblasene Alexander Ma-cedonien und Griechenland durch seine herrliche Triumphe berühmt / und sie zu Beherrscherinder Völcker gemacht; so seynd selbige doch auch endlich durch der Römer Waffen niederge-suncken / und haben mit ihrem eigenen Untergang zuerkennen gegeben: Daß unter den Om-Arist dogen eine stetige Abwechßlung seye / und eines durch deß andern aufkommen sein GrabGen. &finde. Dem Palm=Baum ist sein Abnehmen angenaturt; so daß er, wann er lang unterCorr.l.1.der Last aufrecht gedauret / doch letzlich aus eigenem Trieb sich auf das Alter neiget. Esereignet sich bey allen Dingen gleichsam ein gewisser Kreiß / der sowohl den Zeiten /als auch denen Sitten und hohen Ehren eine Abwechßlung verursachet / und sie ver-Tacit.ändert. Wer in gegenwärtiger Stund glückseelig gewesen / der kan bald darauf in daß äus-serste Unglück verfallen; und wem das Unglücks=Spiel anfangs günstig geschienen / den hatselbiges offt im Augenblick aus einem Uberwinder zum überwundnen gemacht: Wann du auchgleich mit deß Persei Schild und mit deß Herculis Keule bewaffnet wärest / so mag es dochleichtlich geschehen / daß das Sieg= und Freuden Fest einen traurigen und unglücklichen Außganggewinnet. Die Abwechßlung pflegt gemeiniglich den Sieg zu begleiten: Das Glück ist einBallen=Spiel; und gibt diesem den Ballen, denn sie kurtz vorhero dem andern genommenDie Siegs=Lorbeeren werden endlichen von Leich=Cypressen bedeckt: Und wen das Glück dapf-fer gemacht / dem hat es manigmahls durch eine schnelle Veränderung den Faden deß erlang-ten Ruhms entzwey gerissen: Dahero spielen unuberwindliche Helden bloß auf eine Zeit eineComœdi, die sie hernach / wann sie ihre Person abgelegt / mit einer Tragœdi oder Trauer-Spiel beschliessen müssen. Du magst auf einer Kugel stehen / wie du wilt / so bist du keinenAugenblick deines Stands versichert; weilen alles nur in einem Augenblick zugeschehen pflegt.Die Erde selbsten ist ein Punct, worauf wir Kriege führen; und wird auch leicht in einemPunct oder Augenblick umgekehrt. Traue der Unbeständigkeit deß Glücks nicht; wen es er-Sen. p. 21. hebt / den stürtzt es wider zu boden. Wer itzo stehet / der kan bald fallen; wir leben unter lauter vergaͤnglichen Dingen; und alle Wercke der Sterblichen seynd der Sterb-lichkeit unterworffen. Die grosseste Amphitheatra und Schau=Plätze / die Marmorne Siegs-Bögen, das grosse Gebäud Hadriani, die Götzen-Tempel, die Capitolia der Helden, dasPantheon oder Tempel deß Friedens / deß Augusti Grabmahl / die Tempel der Römer / inSumma alles ist eitel. Ein kleiner Wind ist tuchtig die Welt zuüberwerffen. Xerxes hatsein sterbliches Kriegs=Heer beweinet; du aber lache über den Triumph weltlicher Ehre, dersich augenblicklich in Klagen und Trauren verkehrrn kan. Werde nicht stoltz, wann du hoch ge-stiegen; dann du stehest auf einer Kugel / die auf den geringsten stoß sich drehet und bewegt.Das Glück wancket immerdar, und verändert sich mit dem Wind: und fliesset hinweg, in-Liv. I. 45. dem es zufliesset. Der Römische Burgermeister Paulus sagt bey dem Livio: Es solle sichniemand im Glück erheben / noch demselben trauen; weil man nicht wisse / was nochauf den Abend geschehen werde. Wir hören alle Tag auf / uns der Welt zu bedienen; undveraͤndern uns mit dem Mond. Wem heute die Gluͤckes⸗Sonne aufgehet / dem gehet siemorgen wieder unter. Das Glück ist wie Glaß; wann es am schönsten gläntzet, so zerspringtGuil. La. und bricht es. Ferdinandus II. Roͤmischer Kayser pflegte zu denen Seinigen zusagen: Allesterbliche Dinge haben ihren bestimmten Zeit-Lauf; dann sie kommen herfür / wachsenmor. deauf / und nehmen wieder ab.virt.Omni versatilis aurâ.Ferd. II.Richt sich geschwindNach jedem Wind.Contorquet quôvis se flatu instabile velum,Quod cello venti culmine signat iter.Homine sic omni fortuna volubilis errat,Ut suetas possis vix numerare vices.