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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
161
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er Winde

der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Andronicus Cyrrhestes acht Winde gezehlet / und nach deß Vitruvij Bericht dieselbe an einem Vuruv. I.achteckichten Marmor=Steinern Thurn denen Atheniensern folgender Gestalten beschrieben und de Ar-fürgestellet: an einer jeden Seite oder Eck setzte er eines jeden Winds geschnitzte Bildnuß / als chit. c. 6.so daß dieses Letztere seinem eigenen Wind entgegen gestanden; oben auf ermelten Thurn aberstellte er eine Platte van Marmor / und auf solche ferner ein ehernes Bild / welches in der rech-ten Hand ein Stab gehalten / und von dem Wind dergestalten herum gedrehet worden / daßselbiges allezeit den blasenden Wind sich entgegen gestellt / und mit dem Stab auf dessen Bildnuß gezeiget. Aristoteles aber bestimmte zwölff Winde; weilen er nemlich den Horizont auchin so viel Theil abgetheilet; nemlich zwey in denen Angel=Sternen oder Polis, zwey in jedemAngel=Kreyß drey im Aufgang / und drey im Untergang; und gab einem jeden Punct seinenbesondern Wind: Dann den Nord=Wind setzte er in den Nord=Pol; den Sud=Wind in denSus=Pol; den Nord=Ost=Wind in den Aufgang der Sommers=Sonnen=Wende; denNord=West=Wind in den Nidergang besagter Sonnen=Wende; in den gleich=nachtigen Auf-gang den Ost=Wind; in gleich=nächtlichen Untergang den West=Wind; in den Aufgang derwinterlichen Sonnen=Wende den Ost=Nord=Wind; in den Untergang derselben den Sud-West=Wind; zur rechten Seite deß Nord=Winds den Nord=Ost=Nord=Wind; zur Linckenden Ost=Nord=Ost=Wind; zur rechten Seiten deß Sud=Winds den Sud=Ost=Wind; undzur Lincken den Sud=West=Sud=Wind. Jedoch haben die neuere Philosophi zum Nutzender Schiffart die Winde anders und genauer eingetheilet: Dann sie behalten der Alten ihrevier Haupt=Winde, theilen den gantzen Horizont in zwey und dreysig Theil, wie man sienemlich auf dem Schiffer=Compats zusehen bekommt; und geben einem jeden Theil seinen be-sondern Wind; indem sie allzeit zwischen zwey Haupt-Winden noch sieben andere Neben-Winde einschalten.§. 3. Neben denen Zaupt- und allgemeinen Winden gibt es auch viel Land-Winde / welche nicht allenthalben den Erdboden / sondern nur eine gewisse Provintz und Landinsonderheit durchstreichen: Dann man hat angemerckt / daß fast eine jede Landschafft eineneigenen Wind hat / der sich ausser den Gräntzen derselben nicht spühren lässet: Allermassenzu Athen sich ein besonderer Wind ereignet / den man Seyro nennet / und der sonsten in demgantzen übrigen Griechen=Land nicht bekannt ist. Der Wind Atabulus, schreibt Seneca,wehet in Apulien; der Japix in Calabrien; der Circius in Languedoc; und ob zwar dieserletztere hefftig blaset / so ist er doch dem Land dermassen nutzlich und gesund / daß ihme unterdem Kayser Augusto ein Altar zu Ehren aufgerichtet worden: Sonsten ist der Subsolanus oderOst=Wind fast in dem gantzen dürren Erdreich bey nahem daß gantze Jahr hindurch zuverspühren.§. 4. Es finden sich nicht weniger gewohnliche Jahrs-Winde; wie diejenigeseynd, so in den Hunds-Tagen zu wehen pflegen, und absonderlich in Griechen-Land sich er-eignen; wiewohlen sie auch in vielen andern Ländern verspühret werden; am meisten aber undbeständiglich auf dem Ocean oder grossen Welt=Meer ihre Herrschafft zeigen: allermassenauf dem Atlantischen Ocean zu einer gewissen Jahrs=Zeit ein Wind herfürbricht / durch des-sen Hülffe die Schiffe aus Spanien ungefehr in einem Monat nach America überfahren kön-nen. Es seynd aber besagte Winde zweyerley: Einige, die im Sommer; und andere, die imWinter sich einstellen / der erste pflegen ohngefehr acht Tag vor dem Aufgang des Hunds-Sterns: oder nach der Sommerlichen Sonnen-Wende zu entstehen, und bey viertzigTag lang zu blasen; sie werden sonsten die langsame und schläfferige Winde genennet, wei-Plin. l. 2.len, wie Plinius bezeuget, sie um die dritte Stunde deß Tages anfahen, und dann zu Nacht c. 47.wider inne halten und sich legen. Die andere hergegen seynd denen Sommerlichen gantz zu-wider, und entstehen zur Winters=Zeit; das ist, nach dem kurtzesten Tag, und wehen 70Tag lang / wiewohlen sehr schwach. Aristoteles und Theophrastus wollen behaupten / daßdie Hunds=Tag=Lüfftlein unter dem Nord=Pol und in denen abgelegnesten Nordlichen=Land-Strichen aus der Zerschmeltzung deß Schnees / so viel windige Geister von sich ausstosset,entspringen. Allein / wann deme also wäre / so würden sie im Somer Tag und Nacht im-merdar wehen / weilen in den Nordlichen Ländern die Sonne jederzeit die sechs Sommer-Monat hindurch ober dem Horizont stehet. Dahero man vielmehr sagen muß / daß ermelteLüfftlein nach dem unterschiedlichen Lager der Länder von dem auf denen nechsten Bergen ge-schmoltzenem Schnee herkommen; gestalten dann sie auch aus dem Macedonischen und Thra-cischen mit Schnee stetshin bedecktem Gebürge herfür zubrechen pflegen; und ebenfalls denenimmerdar mit Schnee überzogenen Pyreneischen Bergen beygemessen wird / daß denmeistentheils deß Sommers hindurch zu Madritt in Spanien sich Nord-Winde spuhrenlassen. Es können aber ferner die Hunds-Tag-Lüfftlein imgleichem dahero entspringen,an gewissen Orten und zu bestimmten Jahrs-Zeiten von der Sonne und denenGestirnen gewisse Geister erregt / und hernach von diesen letzteren die Winde verursacht wer-