der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Schiffere, die den in Knöpffe zusammen gefasten Wind denen Seefahrenden verkauffen, undnach deren Auflösung eine erwünschte Fahrt zuwegen bringen. O wie viel seynd deren / wel-che ihr knöpffiges Gemüth in einem leeren Gehirn verschliessen / sich mit Winden weyden / undihnen hohe Ehren=Stellen einkauffen!In pretio pretium eſt: dat avarus honores.Ovid. inEs wird manchmahl ein Werth erhöh't mit ander WerthEin Geitzhalß gibt um Geld / so viel man Ehr begehrt.Sie leeren ihren Seckel, damit sie etwas leeres (vacuum) an sich bringen; und seynd Blut-arm im Gehirn. Weilen sie nun Winde eingesammlet, so vergehen sie auch Augenblicklichwiderum; und verändern sich in einem jeden Element; ja weilen sie allzusehr aufgeblasen wa-ren, so zerbersten sie: je höher sie geflogen, je gefährlicher fallen sie zu boden; dann sie wur-den nur von Winden in die Höhe gehoben. Man betrachte den windigen Darium, den auf-geblasenen Augustum, den geschwulstigen Diocletianum, den übermüthigen Domitianum:ze höher sie stunden, je elender giengen sie zu grund: Und eben die Ehren-Westwinde, wo-durch sie in die Höhe fuhren, waren wider die Ursach ihres unglückseeligen Sturtzes; angese-hen ein lieblicher Abend=Wind sich gar leichtlich in einen rauhen Nord=Wind verwandlen kan.Wilt du hoch steigen? aber nicht hoch herab fallen? So lerne / wie du es angreiffensollest. Nemlich / durch absteigen steiget man über sich. Die Erniedrigung ist eine Mutterder Ehre. Man stehet viel sicherer auf dem ebenen Boden; und der in der Tiesse sich befindet,darf nicht sorgen / daß er falle. Gehe nun hin / fahre gen Himmel / führe hohe Gedancken /und suche die Gesellschafft der Gestirne. Du wirst aber solches nicht anders als durch De-muth und Niedrigkeit erhalten; hergegen durch Hochmuth verliehren. Nur allein darinnensolt du Ruhm=und Ehrbegierig seyn / und hohe Geister hegen / daß du den Ehr=Geitz mit einerbessern Hochmuth unter die Fusse trettest. Die Natur hat uns allen eine Großmüthigkeit Sen. Episteingepflantzet / und einen Ehrbegierigen und hohen Geist eingegeben. Wir seynd aber 10. addarinnen großmüthig / wann wir die Ehre unter uns werffen / und was hoch zu seyn scheinet / Lucil.gering schätzen und verachten. Die besten Gemüther gehen am höchsten; sagte Kayser Tiberius. Erachtet nun aber derjenige / der das / was zu seinen Füssen lieget / verlangt und begierig Tag. I. 47ergreifft / nach hohen Dingen? Haͤnget er sein Hertz nicht vielmehr an nichtswürdige Sachen?Suchest du zu regieren? Weist du aber nicht mein Sohn / daß unser Königreich eine Aelian.edle Sclaverey ist? So lautete die kluge Erinnerung deß Königs Antigoni, die er seinem 2. c. 2.Printzen gegeben. Strebest du nach Purpur, Reichthum und Ehren? ach, du begehrestDinge / die auch Bauren und geringe Leute / nemlich Fabius, Lentulus, Porcius, Scrosus;Vittellius und Suellus gehabt. Weilen nun solches alles schlecht und nichtswürdig ist / so hatman es auch keines weges für hoch und ansehnlich zuhalten. Die gröste Ehre bestehet darin-nen, daß man dergleichen Ehre und Ruhm verachte; Weilen nemlich die Tugend allein hochist: Die Ehre aber ist der Tugend Belohnung, nach dem Außspruch deß Fürsten unter Arist.I.4.den Weltweisen. Man muß immerzu weiter mit dem teutschen Alexandro, und Oesterrei= Eh. c. 9.chischen Hercule, Carolo V. fortgehen / und sich bemühen / daß man mit den Gedancken nichtan dem niedrigen hafften bleibe; sondern nach hohen einem dapffern Mann gebührenden, undeinem hohen und nur zu hohen Sachen gebohrnem Gemüth anständigen Dingen trachte und stre-be. Dieses ist der beste Hochmuth, wann alles, was unter den Füssen lieget, mit Füssengetretten wird.In pretio est ventus.Die Lufft und WindSehr theuer sind.Jam pansis ventos mercatur nauta secundosVelis, quos pretio vendere, Finne, soles.Stulte! quid elatus magno ære licéris honores?Captabis flatus: non nisi ventus honorWill
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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